» Vorschreiben wird er dir nicht , wieviel Butter oder Schmalz du ins Gemüse tun sollst und wieviel Kaffeepulver in die Kanne , wird dir weder die Eier nachzählen noch das Mehl kellenweise messen ; so kannst du immer das rechte Maß halten , wie du es vor Gott und Menschen zu verantworten meinst . Verliere den Mut nicht , sonst ist alles verloren . Laß dich auch nicht unterdrücken in Gram und Sorgen , daß du lauter trübselige Gesichter machst und lauter maßleidige Worte von dir gibst . Dann hat es auch gefehlt . Ich meine nicht , du sollest jubilieren wie ein Hagspatz oder ein Buchfink , das klänge wie Trotz und würde Uli ärgern ; aber freundlich sollst du sein , lieblich fragen und antworten , kein bös Wort aus deinem Munde lassen . Sieh , in solcher Trübsal sollte die Frau immer die Haussonne vorstellen . Du weißt ja , wie wohl einem Kranken , welcher das Fieber hat oder die Auszehrung , die Sonne tut , wie er sich gestärkt fühlt und halb gesund , wenn er eine Stunde daran gesessen ist . So geht es auch einem Menschen , der an der Seele krank ist und das Bessere in ihm die Auszehrung hat ; Freundlichkeit und gute Worte tun ihm doch wohl , sie alleine vermögen zu erhalten das Bessere , bringen wieder gute Stunden , mildes Hauswetter , die vergangene Traulichkeit , habe das vielhundertmal erfahren . Ich sagte Joggeli wohl harte Worte , so hart , wie er sie ertragen mochte , aber waren sie gesagt , so wars vorbei . Ich gab guten Bescheid , zeigte guten Mut , dann war er auch wohl dabei und froh , mit mir ein vertraulich Wort reden zu dürfen . Das machte , daß er mir nicht von Hause schlug und ich immer wußte , was er tat und wollte . Mag einer die Freundlichkeit nicht mehr ertragen , macht sie ihn nur böser oder flieht er sie , dann steht es schlecht , dann hat seine Seele die beste Handhabe verloren , und zumeist schlägt er auch von Hause . « Die Weiber mögen urteilen , ob der Rat der Base richtig oder unrichtig war ; Vreneli glaubte daran und versuchte ihn , wenn er auch schwer war in seiner Ausführung . Das Andauernde , Stätige ist viel schwerer als einzelne Heldentaten , oft Früchte flüchtiger Aufwallungen . Schwer ists , immer liebenswürdig zu bleiben , wenn das Herz voll Leid und Kummer ist . Man stoße sich nicht etwa am Worte liebenswürdig ; wir halten dafür , Weib sei Weib , stehe es am Herde oder im Tanzsaale , manöveriere es im Salon oder vor dem Schweinestall , und meinen , es könne und solle allerwärts wahrhaft liebenswürdig sein . Denn die wahre Liebenswürdigkeit hängt nicht am seidenen Kleide oder an himmlisch gekämmten Haaren , sondern am Herzen , welches sich auf einem freundlichen Gesichte spiegelt . Man halte es auch nicht für Heuchelei , wenn man ein freundlich Gesicht mache , während das Herz voll Leid und Kummer ist . Leid und Kummer sind Zustände , welche man immer zu überwältigen , ihr Weitergreifen zu verhindern hat . Jeder Zoll Haut , welche man von ihnen befreit , ist großer Gewinn . Gewinnt man ihnen gegenüber ein ganz freundliches , gesundes Gesicht ab , so hat man nicht bloß ihnen etwas abgenommen , sondern man hat eine Macht gegen sie gewonnen . Denn solange man ein freundlich Gesicht macht , fühlt man Leid und Kummer weniger , sie verlieren ihre Schärfe , milder wird ihr Schmerz . Und die Kraft , welche man zu einem freundlichen Gesichte braucht , ist ja eben auch die Kraft , welche Kummer und Leid verzehrt , welche zu der Stärke führt , welche spricht : Der Herr hat es gegeben , der Herr hat es genommen , der Name des Herrn sei gelobt ! Kömmt einmal der Mensch dazu , diese Kraft zu suchen und zu versuchen , dann ist das Bessere in ihm erwacht , der erste Schritt zur Genesung getan . Nun ist auf der Welt nichts vollkommen , vor allem alle Anfänge nicht , und nichts Böses weicht aus dem Menschen ohne den hartnäckigsten Widerstand . Es geschah Vreneli , daß das zurückgepreßte Weh unwillkürlich ausbrach , daß es weinen mußte die hellen Tränen , es mochte wollen oder nicht . Dann machte es , wie es sein soll , den Pfarrer und versuchte sich selbst tapfer abzukanzeln , daß es so nötlich tue . Es sei ihnen doch eigentlich gar kein Unglück begegnet , kein Kind sei ihnen gestorben , keine Krankheit habe sie geschlagen , Not sei keine da , wenn auch das Jahr ein ungünstiges sei ; das wisse man ja zum voraus und müsse sich darauf gefaßt machen , daß gute Jahre mit bösen wechseln , und sie vermöchten es doch zu ertragen , Rückstände hätten sie ja keine , sondern Geld im Vorrat . Und wenn sie schon Verdruß von den Dienstboten hätten , so sei das allerwärts , wo man solche habe , das sei nicht wohl anders zu machen , in einem andern Jahr sei es vielleicht besser . Aber es ging Vreneli mit seinem Predigen , wie es vielen andern Pfarrern auch geht ; wie schön und richtig es auch predigte , es wollte doch nicht anschlagen , der böse Feind nicht weichen . So sei es wohl , sagte der Teil in ihm , welcher nicht den Pfarrer machte , aber es könne in Gottes Namen nicht helfen . Nicht Geld und Not liege ihm im Herzen , sondern was ganz anderes , es könne fast nicht sagen was . Aber es sei nicht mehr wie ehedem , es sei , als tappten sie im Nebel , wüßten nicht mehr Steg und Weg und fänden ihn nimmermehr . Wie man in einen bösen Luft kommen könne , man geschwollen werde über und über