freudig , mit wie muthiger Zuversicht des Sieges war sie damals auf die Straße hinabgestiegen und hatte die wackern Kämpfer angefeuert - wie zaghaft , mit wie schmerzlicher Bekümmerniß blickte sie heute auf den unseligen Kampf herab . Unbewußt flossen ihre Thränen , da fuhr sie plötzlich mit einem Schrei des Schreckens empor . Sie glaubte Gilbert auf der Barrikade gesehen zu haben . Eine Reihe von Gedanken durchflog ihre Seele . Schnell entschlossen eilte sie hinab . Sie drängte sich durch den Haufen hindurch , unbekümmert um die Kugeln , welche sie umsausten . Endlich erreichte sie ihn . - - Gilbert ! - rief sie mit aller Anstrengung , deren sie fähig war . Er wandte sich und stürzte mit geschwungener Büchse auf sie zu . Unfehlbar hätte er ihr das Hirn zerschmettert , wenn nicht ein Arbeiter , ihre Gefahr sehend , den Rasenden zurückgerissen und festgehalten hätte . Angst , Verzweiflung raubten Alice im ersten Augenblicke fast die Sprache . Die Hände über der Brust zusammenpressend , flüsterte sie ihm zu : - Der Fürst ist in Gefahr ! Komm , ihn retten ! In Gilbert ging bei diesen Worten eine merkwürdige Verwandlung vor . - Mit dem Ausdruck eines unauslöschlichen Hasses , dessen Gegenstand aber nicht Alice zu sein schien , ballte er die Faust und murmelte : - Schnell , ehe es zu spät ist ! Die entgegengesetzte Seite der Haasengasse war noch frei . Rasch eilten sie durch einige Quergassen und kamen ins Freie . Alice wußte , daß der Fürst sich häufig in dem Landhause des Herrn v. Bethmann aufhielt , das nicht nur seiner reizenden Lage , sondern auch anderer reizender Gegenstände wegen , wie böse Zungen behaupteten , die Aufmerksamkeit des Fürsten erregt hatte . Als sie die Chaussee Friedberg erreichten , stießen sie auf einen Trupp Turner , welche sie nach dem Fürsten fragten . - Wir suchen ihn selbst - war die Antwort . - Hier herum muß er versteckt sein , wir hörten , er sei vor einer halben Stunde nach dem Eschenheimer Thor geritten . Schweigend eilten die Beiden der Stadtmauer entlang , nach dem Eschenheimer Thore zu . Alice vergaß Alles , was der Fürst gegen sie und die heilige Sache , für die sie kämpfte , gesündigt . In diesem Augenblicke stand nur der lebensmuthige , ritterliche Mann vor ihrer Seele , und sie konnte den Gedanken nicht ertragen , daß er sterben solle , den sie einst geliebt . Gilbert blieb stehen . Alice folgte der Richtung seiner Blicke . Zwei Reiter sprengten vom Eschenheimer Thor im Galopp auf sie zu . - Er ist ' s - rief sie , Gilberts Hand fassend , der , sie heftig von sich schleudernd , auf das kleine Gebüsch , welches den Stadtgraben bezäumt , und aus welchem ein zweiter Trupp Turner und Arbeiter hervortrat , zueilte . Sie waren mit Sensen , Piken und Büchsen bewaffnet und schaarten sich um eine blutrothe Fahne , die hoch in der Luft flatterte . - Auf , Brüder ! - rief Gilbert , seinen Säbel schwingend - seht dort ! Es ist Lichnowski . - Hurrah ! - brüllten die Turner , den beiden Reitern entgegenstürzend . Die Reiter stutzten und wandten ihre Pferde . Da knallten einige Schüsse und der Begleiter des Fürsten , der General von Auerswald , stürzte vom Pferde herab , das , sich hochaufbäumend , in gewaltigen Sätzen queer über die Felder davonjagte . Der Fürst , welcher ebenfalls durch einen Streifschuß verwundet worden war , sprengte von der Straße hinab auf das Landhaus des Herrn von Bethmann zu , welches kaum fünfhundert Schritt entfernt war . Aber sei es , daß sein Pferd in dem feuchten Boden nicht gut fort konnte , oder daß es ebenfalls verwundet war : Er hielt plötzlich , stieg ab und eilte , so schnell er konnte , dem Bethmannschen Garten zu . Mit wüthendem Geschrei folgten ihm die Turner , Gilbert voran . An der Ecke des Gartens steht ein kleines , freundliches Haus , das dem Kunstgärtner Schmidt gehörte . Als Lichnowski bis zu diesem Hause gekommen war , öffnete sich eine Thür . Er schlüpfte hinein . Wenige Minuten darauf hatten auch die Turner das Haus erreicht . Stürmisch verlangten sie Einlaß . Vergebens , die Thür war von innen fest verrammelt . - Wartet Freunde ! sagte ein junger , schmächtiger Mann , welcher sich durch eine scharlachrothe seidene Schärpe , aus der der Griff eines prächtigen Dolchs hervorsah , auszeichnete - ich werde Euch Eingang verschaffen . Folgt mir ! Sie eilten die Gartenmauer hinab bis zu einer kleinen Pforte . Der junge Mann zog einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete . Das Haus wurde von allen Seiten umzingelt . Wüthend über den Widerstand ergriffen die Turner einen Balken und rannten mit demselben die innere Thüre ein . Indessen hatte Alice , welche , über Gilberts Verfahren entsetzt , keiner Bewegung fähig , aber eine Beute wahnsinniger Angst , eine schweigende Zuschauerin der eben beschriebenen Scene gewesen war , ihre letzten Kräfte gesammelt , um den letzten Versuch zu seiner Rettung zu wagen . Sie stürzte dem Hause zu und gelangte auf demselben Wege , den die Turner sich geöffnet hatten , hinein . Aber es war zu spät . Der Haufen kam ihr schon tobend und jubelnd , den Fürsten mit sich schleppend , entgegen . Sie drängte sich durch die Menge hindurch . Felix ! - rief sie mit herzzerreißendem Tone , in welchem sich der ganze unendliche Jammer ihrer Seele aussprach . Der Fürst , der aus mehreren Wunden blutete , wandte seinen Blick nach der wohlbekannten Stimme . Seine Augen strömten einen geisterhaften Glanz aus , als er Alicen sah . Er bewegte die Lippen , aber kein Laut entfuhr denselben . Man ließ ihn auf den Boden sinken . Die Rasenden , deren Wuth befriedigt war , wollten ihn freilassen und sich entfernen . -