sich zufrieden gegeben habe ? Gar nicht ! fuhr eine Stimme aus der entferntesten Ecke dazwischen , der eine Bruder hat den andern Bruder auf Ruthbergs Anstiften rein ausgeplündert ! Auf mein Anstiften ? fragte Ruthberg halb erzürnt , halb belustigt . Nun , das heißt auf des Mephisto Anstiften . Hat denn Gretel-Helene zwei Brüder ? Ach nein ! der eine andere Bruder - ist der Bruder einer Heiligen , die wir Alle verehren . Der Name wird hier nicht genannt , meine Herren ! rief ein blonder Offizier . Nicht einmal gedacht , bei solch einer Gelegenheit ! setzte ein zweiter hinzu . Zum Teufel , so erzählt mir ' s doch auch ! Nun also , Helene hat aus früheren Zeiten einen - Bruder . Ah so ! Der Bruder ist natürlich ein Heide und seine Schutzgöttin die Fortuna . Da aber in der Mythologie immer eine gewisse Identitäts-Confusion vorherrscht , so hatte Venus früher als Fortuna - Anastasius ! wenn du uns die Sache ohne Mythologie vortragen möchtest ? Meinetwegen ! Wir haben gestern , wie wir hier sitzen , zusammen im goldenen Löwen dinirt , den Nachmittag wollten wir ganz unter uns ein Spielchen machen . Hubert suchte also den Bruder der Capacelli auf , damit er eine kleine Bank eröffne . Gondi kam ; als aber hinter ihm die Thüre abgeschlossen werden sollte , erschien Ruthberg mit seinem Pylades . Ohne Mythologie ! schrie Ruthberg . Nun , der Graf that erst etwas scheu und sah uns blos zu . Ruthberg pointirte . Die Bank verlor ; als sie zahlte , legte sie markirte englische Banknoten auf , die der Graf erkannte . Wie denn das ? Er hatte sie markirt aus England empfangen und die Nummern notirt , wie das oft geschieht , und gerade diese nämlichen Banknoten am selben Morgen dem weisen Solon ausgezahlt . Der bittere Kelch dieser Erkenntniß verjüngte den Faust , den du Pylades nennst , er wurde zornig , als wäre er zwanzig Jahre alt . Aber Solon rührt ja keine Karte an , er spielt nie ! Eben darin lag die Affaire ! Dem Solon hatte er sie gezahlt , wie kamen sie denn nach Verlauf so weniger Stunden alle in die Hände des - Bruders ? Das sieht einer abgekarteten Zufälligkeit so ähnlich , wie ein Ei dem andern , sagte der Blondin . Glaubte er denn an den Bruder ? Den Zusammenhang habe ich nicht weg , versicherte ein Anderer . Die Frage war : ob der Bruder von seiner Schwester die beiden Noten , die sich auf etwa vierhundert Florins beliefen , erhalten habe , und für was man sie ihr gegeben . Alle lachten . Ruthberg , nun erzähle uns die Geschichte weiter ! Du gingst ja , nachdem Ihr verloren , mit ihm und Gondi fort . Was ist da viel zu erzählen ! Es fand sich eben , daß noch eine Sorte Bruder im Spiele sei und sich heimlich aus dem Staube gemacht habe . Und nun breitete sogleich Mephisto seinen Mantel aus und ihr flogt nach ? - Bah ! rief Ruthberg , wir haben Wien nicht einen Augenblick verlassen ! Darüber schweigt die Geschichte ; die Capacelli aber war unschuldig diesmal , nicht wahr ? Eben traten mehre Herren und Damen in das Cabinet , die Offiziere standen höflich von ihren Sitzen auf , das Gespräch hatte ein Ende . Begreifst du , sagte der blonde Offizier im Hinausgehen zu seinem Freunde , was dieser Satan von Ruthberg mit Kronberg vorhat ? Die ganze Ueberraschung scheint verabredet , weshalb hätte sonst Gondi in englischen Papieren gezahlt , die konnte er ja in fünf Minuten umsetzen ? Es steckt irgend eine Teufelei dahinter . Es ist ein großer Irrthum , zu glauben , daß nur in kleinen Städten geklatscht wird ; beinahe alle Männer in Annens Salon wußten einen Theil dessen , was ihr so räthselhaft blieb . Paola Capacelli war in einem Punkte nicht um ein Haar anders , als die meisten ihrer Kunstgenossinnen ; sie nahm die Auszeichnung , die ihr in vollem Maße ward , dankbar hin , sie freute sich der berauschenden Huldigungen , die ihr das Publicum zu Theil werden ließ , aber sie würde sie dennoch gern mit den minder geräuschvollen vertauscht haben , welche die Gesellschaft der schönen Frau aus höheren Ständen beut . Kronbergs Betragen gegen sie , obschon er die reizende Spanierin nicht liebte , hatte durch die entsetzliche Qual , die ihm seine in einer Andern so tief gekränkte Eitelkeit verursachte , fast immer etwas Leidenschaftliches ; sein Mistrauen , die täglichen Ungleichheiten seines ganzen Wesens , seine Heftigkeit , seine Unruh konnten von einer Frau wie die Capacelli sehr leicht als glühende Liebe gedeutet werden . Die unselige Spazierfahrt , auf welcher sie Louis neben Annen gesehen , erweckte zuerst in Paola ' s Brust den Gedanken , daß auch die Gräfin einen Liebhaber begünstige , daß Kronberg um seiner Ehre willen eifersüchtig sei und die Trennung einer Ketzerehe nicht zu den Unmöglichkeiten gehöre . Die schöne Paola war nicht immer in einer so glänzenden Lebenssphäre gewesen , als die , zu welcher jetzt ihr Talent sie erhoben . Sie hatte traurige Tage der Armuth und Verlassenheit durchlebt . Das natürliche Kind des elenden Wirthes einer Posada im Gebirge , ward sie dem armen Flecken , in welchem sie geboren , schon als Kind von einem durchreisenden Italiener entführt , dem ihre schöne Stimme aufgefallen . Capacelli war sein Name ; er hatte sie unterrichtet , erzogen , benutzt , verführt - am Ende geheirathet , als sie kaum den Kinderschuhen entwachsen , um den Gewinn ihres Talents um so gewisser sich zu sichern . Sehr natürlich war der alternde Maestro di Capella nicht der Einzige geblieben , den ihr Gesang und ihre Schönheit anlockten ; noch ehe sie die Bühne betreten , hatte sich ein bisher durch ihr ganzes Lebensgewebe fortlaufendes Verhältniß zu einem bildschönen italienischen Vagabonden geschürzt