. Scheiden und Meiden tut weh , heißts , das erfuhren sie , und besonders dann , wenn man voraus weiß , daß das nächste Treffen ein schweres ist und dessen Ausgang möglicherweise ein unglücklicher . Gerne hätte Resli sein Meitschi begleitet , aber es sagte es ihm ab . Die Felder hätten Augen , die Wälder Ohren , und wenn etwas Böses anzustellen sei , so führe der Teufel ungesinnet Leute in den Weg , die man hundert Stund weit weg glaube . So schieden sie beim Hause , nachdem das Stubenmeitli ihnen glückliche Reise gewünscht und manchmal geheißen hatte wieder zu kommen , und wenn sie was zu verrichten hätten und es bhülflich sein könne , so solle man es nur sagen . Resli wußte es , wie ein Fünfbätzler fünfzigfältige und ein gut Wort hundertfältige Früchte tragen kann , bei einem Stubenmeitli nämlich , bei Stallknechten ist es umgekehrt , darum kargte er mit beiden nie , war aber auch mit keinem von beiden verschwenderisch ; darum ward er allenthalben gerne gesehen und doch nirgends zum Besten gehalten . Anne Mareili hatte einen schweren Heimgang , denn wenn der Geliebte von ihrer Seite weicht , so kömmt den Mädchen gewöhnlich das Zagen an , selbst in geebneten Verhältnissen , geschweige denn , wenn Unholde drohen und Klüfte gähnen . Wer ist wohl , der nicht schon von der Teufelsbrücke gehört hat und von dem finstern Loch jenseits und wie jenseits des Loches ein wunderbar friedlich Gelände sei , wo sanft die Wasser fließen , sonnig die Wiesen glänzen , hell der Kühe Glocken läuten , fruchtbar die Berge zu Tale laufen , freundliche Menschen wohnen bei gutem Käse und herrlichen Fischen ? Aber wer diesseits der Teufelsbrücke steht in wildem Felsentale , eingeklemmt zwischen nackter Fluh , die gen Himmel strebt , zu seinen Füßen donnernd die wilde Reuß in schäumendem Zorne , hinter ihm kommen stäubende Wetter gezogen , und Not und Sehnen treibt ihn nach dem Tale des Friedens , auf ebner Bahn und weichem Rasen die müden Glieder zu sonnen , aber vor ihm fehlt die Brücke , gähnt die Kluft , und höher und höher spritzt der wilde Fluß seine gierigen Wellen , und ungestümer drängen die Gewitter sich nach , und oben geht die Sonne vorüber , ihre Strahlen verglimmen an der Felswand , und Nacht wird ff über dem Graus : der mag sich denken , wie es in Anne Mareilis Seele war . Es hatte einen Blick getan in der Ehe selige Gelände , wo des Gemütes Wogen friedlich rauschen , des Friedens Sonne scheinet , im Schwersten des Herrn Segen ist , der Liebe Läuten jede Stunde zum Sonntag macht , das Leben zum Sabbath des Herrn weiht ; aber vor seinen Füßen gähnt der Abgrund , und aus dem Abgrund empor streckt ein Unhold nach ihm seine Arme , über den Abgrund fehlt die Brücke , hinter ihm drängen die Wetter . Der elterliche Wille wäre die Brücke , dann ein Schritt , es wäre drüben über seinen Jordan , stände im Lande Kanaan , dem gelobten , dem ersehnten . Aber dieser Wille ist keine Brücke , hat vielmehr ins harte Wetter sich gewandelt , das ihns tückisch zum Abgrund drängt , aus dem empor des Kellerjoggis versüderete Augen näher und näher zwitzeren . Kann es aber nun etwas Gräßlicheres geben , als wenn in tückische Kobolde die Eltern sich wandeln , welche auf der gefährlichen Lebensfahrt neckisch und teuflisch ihre eigenen Kinder locken und drängen in Schlünde und Gründe , in denen die Hölle ihre Eingänge hat ? Ein einzig freundlich Wort , der Ausgang aus der Gefahr , der Eingang ins sichere Land wäre gefunden . Und wie muß so einem Kinde sein , wenn es klar seine Lage erkannt hat , das heilige Land , den schwarzen Abgrund , und es geht heim zu den Eltern , die mit einem Worte ihm erschließen könnten seine Herrlichkeit , und es weiß , sie wollen nicht , und es weiß , es liegt in ihrem Sinne , daß es sich opfere dem Moloch , der aus dem Abgrunde die Arme reckt ! Da kann man sich wohl denken , wie es dem armen Kinde sein muß , und wenn es weinen muß , so recht des Herzens Grundwasser aus den Augen quellen , wer will es tadeln , wer will ihm sagen : » Schwyg ume , schwyg ume , das macht nüt , häb o Vrstang « ? Aber wie es Eltern geben kann , die mit einem Wörtlein ihre eigenen Kinder mit Leib und Seele retten können und tun es nicht , das kömmt Vielen unerhört und unbegreiflich vor , und doch ist dies nicht nur sehr faßlich , sondern sogar handgreiflich , alle Tage zu sehen . Man hört noch hie und da vom alten , grauen Heidentume , hört mit Schaudern , wie man Kinder geopfert , erwachsene Töchter , halbgroße Söhne , Sklaven zu Hunderten , ja wie von einem indischen Götterwagen noch dato alljährlich Hunderte Gott zu Ehren zermalmt würden , und wer das hört , macht , wenn er katholisch ist , ein Kreuz , und Reformierte fröstelet es einfach , und alle sagen : » Gottlob sind diese Zeiten vorbei und rollt der indische Wagen nicht auf unsern Wegen ! « Und doch ist das Heidentum mitten unter uns und Menschenopfer sind gäng und gäb , und da greuliche zermalmende Wagen des Gottes Unverstand rollt alle Tage über Tausende , nicht über Hunderte bloß . Schon so oft ist es ausgesprochen worden , daß sobald der Mensch einen Götzen habe , er demselben alles opfere , was er hat , und je klarer diese Wahrheit ist und alle Tage zutage tritt tausendfach , um so weniger faßt sie da Mensch . Ist einem Menschen Geld sein Götze , so opfert er ihm Leben , Ehre , Kinder . Hat einer die Ehr- oder Familiensucht , so opfert er