sah ihnen nach , mein Blick war ganz trunken vom Flammenwind , der da durchbrauste . Schreib dir ' s ins Herz , sagt ich mir heimlich , das ist dein Leben , wie ein fliegender Feuerdrache ist dein Geist , er leuchtet die heilige Natur an , ihre dunklen Räume ; mit heißer , durstiger Zunge leckt er an ihr hinauf , aber er versehrt sie nicht - der Drache ist nicht wild und giftig , nein ! zahm und sanft auch ; er schwingt sich in zärtlicher Unruh im Kreis und strömt seine Feuer in sanften Laven in die Bäche am Weg , und sein glühender Atem erlischt in den Nachtnebeln . Ja , der Drache ist zärtlich und liebend auch , nicht giftig und tötend , nur will ihn keiner verstehn , und alle fürchten sich vor ihm , aber nicht Du , meine Günderode , Du scheust den Drachen nicht , Du kosest ihm und legst seinen Flammenrachen zärtlich in Deinen Schoß . - Jetzt war ich aufgewacht aus meinen Träumen , ich nahm dem Reitknecht an meiner Seite die Zügel und jagte durch die breite Ebne , ganz im Mondlicht schwimmend . - Ach , wie lustig ! - Allerlei Glücksempfindung ! - Mit Dir hab ich den Pindar gelesen , Du hast auf Deinen Lippen die Begeistrung aufgefangen und mir auf die Seele geträufelt . Wenn der Sänger mit sausenden Schwingen dahinflog , an uns vorüber ! - Weißt Du ' s noch ? - » Dahin raste der heißbrausende Hymnensturm Latonens Sohn zum Preis ! « - Weißt Du ' s , Günderode , noch ? - Das Licht war ausgebrannt , Du lagst auf dem Bett , die Seele voll Klang , und wiederholtest die Verse in fester prägenden Rhythmen , wo ich das Versmaß sinken ließ , und bei der Nachtlampe las ich weiter : Hört mich , ihr Söhne stolzer Helden und der Götter ! - Denn ich verkünde diesem meergepeitschten Land , Einst werde Epaphus ' Tochter eine Städtewurzel pflanzen Auf des Hammoniers Boden , den Sterblichen zur Wonne , Die kurzbefiederten Delphine vertauschen alsdann Mit schnellen Rossen werden sie , die Ruder mit Zügeln , - Und fahren auf sturmfüßigen Wagen dahin . Ich nahm diese letzten Zeilen zwischen die Lippen von Zeit zu Zeit und stieß sie im Gesang hinausrufend in die weit schlafende einsame Weite , und der Mond eilte mit hinter leichtem Gewölk hervor . » Hörst du auch wieder die alten Hymnen , Latone , deinen Söhnen gesungen ? « rief ich , - und so füllten sich allmählich meine Sinne und rauschten auf , als seien sie von einem Harfenrührer erschüttert mit goldnem Plektron und jugendbrausendem Mut . - Glückliche Nacht , wo die Gedanken wie Blüten im Südwind sich auftun fröhlicher Hoffnung voll - und ein Gefühl heitern Geschickes wie glänzende Strahlen aus den feurigen Blitzen sich ergießt , die der Drache in die kühlen Mondlüfte spie ! So kamen wir nach Offenbach , ich wendete links ab , statt in die Domstraße zu fahren , der Reitknecht wollt mir in die Zügel greifen , weil ich den Weg verfehle , ich wehrte ihm , und so fuhr ich rasch am Boskett vorüber , wo die Pappeln so anmutig sich neigten , so schüchtern rauschten , als wollten sie mich grüßen . Ich lenkte in den engen Weg nach des Gärtners Haus , ich hatte gesagt , um halb zwölf Uhr , es war drei Uhr in der Nacht , der Tag war im Aufwachen , der Gärtner stand vor seiner Tür und nahm die Mütze ab , als er mich kommen hörte . » Guten Morgen , « sagte ich , » heut werd ich nicht in den Garten kommen , ich will ausschlafen , da ist Euer Kranz , « und lenkte wieder um voll Vergnügen , daß ich ' s durchgeführt hatt mit dem Kranz , denn ich war unterwegs voll Zweifel , ob ich ' s tun solle oder nicht . - » Dem Moritz den Gürtel , dem Gärtner den Kranz , « sagte ich mir immer ; aber eine innere Stimme sagte mir , warum soll der Gärtner den Kranz entbehren , er gehört doch sein , und er war ihm früher versprochen , und dann fühlt ich , wie weh es ihm tun werde , wenn ich mein Versprechen nicht halten würde , und wie das ohne Lüge nicht abgehen könne , ich müsse ihm sagen , der Kranz sei verloren oder zerrissen , und das wär eine doppelte Unachtsamkeit und müsse ihn doppelt verletzen , nein , ich mußt ihn ihm geben . Meine Seele war ordentlich leicht , als er hingeworfen war und er ihn mit der Hand auffing , er errötete so freundlich , grad mit der Morgenröte ! - die aufstieg . - Dem Moritz den Gürtel , ihm den Kranz ! Ja beiden gehört ' s. - Denn beide sind freundlich gesandt vom Dichtergenius , der in der lautlosen Stille , wenn ' s , von Menschen nicht gewußt oder nicht bedacht , mir durchs Labyrinth der Brust schweifet in der Nacht . - Zu Haus im Bett wie war mir ' s da ? - Letzt sah ich dem Franz sein Kindchen an der Amme trinken , da mußte es so schnell schlucken , es konnt nicht eifrig genug trinken , so strömte ihm die Milch zu . Grad so war mir ' s im Herzen , ich schluckte süße Milch , alle süße Erinnerung strömte , so wie meine Gedanken nur einen Augenblick wollten an ihr saugen , und wie ' s Kindchen sich von einer Brust zur andern wendet , weil sie zu voll strömen , bis es vor Ermüdung des Saugens einschläft , so wendete ich mich von einer Seite zur andern und schlief auch endlich vor Ermüdung des Genießens ein . - So hab ich geschlafen bis Mittag , da brachten sie mir einen Strauß