Jagdzeit hielt , hatte das Fundament einer Einrichtung gelegt , da das Schloß zu weit von Paris entfernt war , um , wie bei anderen Umzügen des Hofes , für dessen kurze Anwesenheit von dort aus mit Möbeln und Geräthen ausgestattet werden zu können . - Später hatte der erste Besitzer aus dem Hause Crecy längere Zeit mit großem Aufwande hier gelebt , und aus allen diesen Zeiten befanden sich noch wohl erhaltene Ueberreste , die allerdings nur ihr Bestehen der solideren Beschaffenheit verdankten , die den Ausstattungen der früheren Jahrhunderte eigen war , und den Rang und Reichthum der Besitzer darlegen mußten . Fennimor hatte auf der langen Reise die Muße benutzt , sich von ihrem Gemahl eine Uebersicht der Geschichte Frankreichs geben zu lassen - und mit großem Interesse alles vernommen , was sich auf Katharina von Medicis , diese angestaunte Schwiegermutter der unglücklichen Maria Stuart , bezog . Was sie durch diese Mittheilungen erfahren konnte , war ihrer Unschuld gemäß in verhüllende Andeutungen eingekleidet worden , und so jubelte sie bei dem Gedanken , in das Schloß dieser mächtigen Königin einzuziehen , worin noch ihre Zimmer sich vorfinden sollten , und Möbel und Geschirre , die ihr zugehört hatten . Es zeigte sich , daß der junge Graf eben so fremd in seiner neuen Besitzung war , als seine junge Gemahlin , denn diese Güter wurden nur wegen ihrer Revenüen geschätzt , zum Bewohnen schienen sie der Marschallin von Crecy , die sich nie vom Hofe trennte , völlig unpassend . Beider Geschmack vereinigte sie daher in dem Wunsche , unter Anleitung des alten Kastellans , der eine lebendige Chronik des Schlosses zu nennen war , dasselbe in seiner ganzen Ausdehnung zu besichtigen und in chronologischer Ordnung mit dem ältesten Theile desselben zu beginnen . Dieser ruhte auf dem höchsten Felsgrunde , der das Ganze trug - er ward der Klaudia von Bretagne zugeschrieben , die hier nach der Gefangennehmung ihres Gemahls , Franz des Ersten , in schwermüthiger Zurückgezogenheit bis zu ihrem Tode lebte , und deren Grabmal sich auch in der Hauskapelle als einziges Ueberbleibsel ihrer Existenz vorfand , denn dieser älteste Theil , der in der Mitte des funfzehnten Jahrhunderts entstand , zeigte nur Thurmzimmer , rohe Wände , gepflasterte Fußböden und die kleinen Schießscharten-Fenster , die wenigstens Landschlösser nicht entbehren konnten . Die flüchtige Besichtigung erregte wegen der erloschenen Erinnerungen , die überdies in einem frommen , tugendhaften weiblichen Leben selten durch hervorragende Situationen sich lange dem Gedächtnisse der Menschen einprägen , wenig Interesse . Aber sie gewannen in der Betrachtung erst ihren Platz , wenn man dies einfache Bedürfniß der königlichen Klaudia mit dem verglich , was die stolze Medicäerin dafür nöthig hielt . Die Räume , von Flur und Treppen an , die der Aufenthalt ihrer Leibwachen und Diener waren , und die alle noch die Ueberbleibsel von Einrichtungen zeigten , die sie zu Eß- und Trinkgelagen passend gemacht hatten , die weitläufigen Zimmerreihen , die , sämmtlich mit Namen bezeichnet , Erinnerungen an das mannigfach gestaltete Leben dieser Frau erregten , die kolossalen Möbel , Kamine , Bettnischen , die kostbaren und unverwüstlichen Tapeten von Gobelin , vergoldetem Leder und Sammet , die auch zu Teppichen und Bezügen der Stühle , Ruhebetten und Fenster-Umhängen dienten , und von Marmor , Skulpturen und Vergoldungen in reicher Ueberladung unterstützt wurden - sie zeigten ein verwegenes Ergreifen äußerer Mittel , um ein Schaugerüst empor zu thürmen , wohinter sie den krankhaften Zustand ihrer aus tausend Wunden blutenden Zeit um so lieber verbarg , da sie an Heilung nicht dachte und das Wundfieber , in welchem bald diese , bald jene Partei im Wahnsinne die Obergewalt fand , bloß zu ihren Zwecken verbrauchte . » Ach , « sagte Fennimor inmitten dieser Räume , » welch ' ein Glanz ! - und Klandia hatte nur ihr Bett - ihre Kapelle und ihre Spinnstube ! « Der alte Kastellan schlug die Augen nieder , als müsse er sich schämen vor den so wohl behüteten und so hoch von ihm geehrten Schätzen , und der fast unbewußten Geringschätzung , womit er die Räume der frommen Klaudia vorgezeigt - zuerst fühlte er den Gegensatz . Er zögerte fast , weiter zu gehen , obgleich er doch noch so viele kleine Schätze hatte , die er zeigen und erklären wollte , worauf er heimlich stolz war . » Gewiß , « sprach er zuletzt , » die fromme Königin Klaudia hinterließ keine werthvollen Besitzthümer , es findet sich in den frühesten Verzeichnissen der Kastellane nichts bemerkt , was darauf hinweisen könnte , sonst würde es gewiß erhalten sein . « » Ja , das glaube ich , « erwiederte sinnend die junge Gräfin - » sie hatte allen Schmuck in sich ; das wird bei ihr gewesen sein , wie der Vater erzählte von der Mutter der Grachen . « - Freundlich gab sie sich jedoch bald den mannigfachen Gegenständen hin , die ein zu fesselndes Interesse besaßen , um ihren jugendlichen Sinn nicht zu beschäftigen , und der alte Kastellan führte , zu seiner Wohlgemuthheit zurückkehrend , seine jungen Herrschaften in den großen Banketsaal der Königin , der mit Thronhimmel und Gobelins verziert war , und an dessen Wänden reiche Schränke standen , die in Ebenholz mit Gold und Silber , die kunstreichst geschnittenen Hautreliefs aus den Chroniken des alten Testaments zeigten . Sie dienten theils zur Ausschmückung , theils zum Aufbewahren kostbarer Geschirre , oder zu Schenk- und Vorschneide-Tafeln . » Hier befände sich noch manches der Beachtung Werthe , « sprach der alte Kastellan und öffnete das kunstreiche Schloß eines der größeren Schränke , welcher noch mehrere schwerfällige Silbergeschirre enthielt , so wie eine große Anzahl Becher in Gold und Silber , mit Wappen und Sinnbildern , und einige von den schönen leichten venetianischen Glaspokalen , die , der jungen Frau noch niemals vorgekommen , ihr höchstes Erstaunen erregten . » Diese kostbaren Geschirre , « sagte der Kastellan , » sollen alle damals hergeschafft