sei für deine Kunst von seiten deines christlichen Gefühlslebens , das immerhin doch überwiegend bleibt , nichts zu befürchten , selbst wenn zuletzt der Argwohn gewisser Zeloten sich noch rechtfertigen sollte , die einen heimlichen Anhänger der katholischen Kirche und den künftigen Apostaten in dir wittern . Du hast , so dacht ich , ein für allemal die Blume der Alten rein vom schön schlanken Stengel abgepflückt , sie blüht dir unverwelklich am Busen und mischt ihren stärkenden Geruch in deine Phantasie , du magst nun malen was du willst ; nichts Enges , nichts Verzwicktes wird jemals von dir ausgehn . Siehst du , das war mir längst so klar geworden ! und seh ich nun all den glücklichen Zusammenklang deiner Kräfte , und wie willig sich deine Natur finden ließ , jeden herben Gegensatz in dir zu schmelzen , denk ich das unschätzbare einzige Glück , daß dir die Kunst so frühe , fast ohne dein Zutun , als reife Frucht aus den Händen gütiger Götter zufiel , die sich es vorgesetzt zu haben scheinen , in dir ein Beispiel des glücklichsten Menschen aufzustellen - sag mir , soll mich ' s nicht kränken , toller Junge , soll mir ' s die Galle nicht schütteln , wenn du , vom seltsamsten Wahne getrieben , mit Gewalt Einseitigkeit erzwingen willst , wo keine ist , keine sein darf ! Ich rede nicht von deiner Stellung zur allgemeinen Welt , darüber kann ja , wie gesagt , kein Streit mehr sein , aber daß du der freundlichsten Seite des Lebens absterben und einem Glück entsagen willst , das dir doch so natürlich wäre , als irgendeinem braven Kerl , das ist ' s , was mich empört . Zwar geb ich gerne zu , dir hat die Liebe nicht ganz zum besten mitgespielt , ich leugne nicht , daß du seit Agnes - « » Ach , so ? « rief Nolten auf einmal , wie aus den Wolken gefallen , » dahinaus ? das war die Absicht , die du bisher mit soviel schmeichelhafter Beredsamkeit glaubtest vorbereiten zu müssen ? « » Sei nicht unbillig , guter Freund ! Was ich bisher zu deinem Ruhm gesprochen haben mag , war mein aufrichtiger barer Ernst , und es bedarf wohl der Beteurung nicht erst zwischen uns . Übrigens magst du immerhin den Kuppler in mir sehen , ich halte dies Geschäft im gegenwärtigen Falle für ein sehr löbliches und ehrenwertes . - Wo dich eigentlich der Schuh drückt , ist mir ganz wohlbekannt . Deine Liebeskalamitäten haben dich auf den Punkt ein wenig revoltiert , nun ziehst du dich schmerzhaft und gekränkt ins Schneckenhaus zurück und sagst dir unterwegs zum Troste : du bringest deiner Kunst ein Opfer . Du fürchtest den Schmerz der Leidenschaft , sowie das Überschwengliche in ihren Freuden . Zum Teufel aber ! was soll man von dem Künstler halten , der zu feige ist , dies beides in seinem höchsten Maß auf sich zu laden ? Wie ? du , ein Maler , willst eine Welt hinstellen mit all ihrer tausendfachen Wonne und Pein , und steckst dir vorsichtig die Grenzen aus , wie weit du wolltest dich mitfreun und leiden ? Ich sage dir , das heißt die See befahren und sein Schiff nicht wollen vom Wasser netzen lassen ! « » Wie du dich übertreibst ! « rief Nolten , » wie du mir Unrecht tust ! eben als ob ich mir eine Diätetik des Enthusiasmus erfunden hätte , als ob ich den Künstler und den Menschen in zwei Stücke schnitte ! Der letztere , glaub mir , er mag sich drehen , wie er will , wird immerhin entbehren müssen , und ohne das - - wer triebe da die Kunst ? Ist sie denn was anders als ein Versuch , das zu ersetzen , zu ergänzen , was uns die Wirklichkeit versagt , zum wenigsten dasjenige doppelt und gereinigt zu genießen , was jene in der Tat gewährt ? Muß demnach Sehnsucht nun einmal das Element des Künstlers sein , warum bin ich zu tadeln , wenn ich drauf denke , mir dies Gefühl so ungetrübt und jung als möglich zu bewahren , indem ich freiwillig verzichte , eh ich verliere , eh ich ' s zum zweiten und zum dritten Male dahin kommen lasse , daß die gemeine Erfahrung mir mein blühend Ideal zerpflückt , daß ich , ersättigt und enttäuscht am Gegenstande meiner Liebe , zuletzt dastehe - arm - mit welkem Herzen ? Du merkst , ich rede hier zunächst von dem gepriesenen Glück der Ehe : denn dies ist ' s doch , um was deine ganze Demonstration sich dreht . « » Und was gilt es , ich bringe dich noch zurechte wenn ich nur erst deine tollen Prätensionen herabgestimmt habe ! Wer heißt dich Ideale im Kopf tragen , wo von Liebe die Rede ist ? Bei allen Grazien und Musen ! ein gutes natürliches Geschöpf , das dir einen Himmel voll Zärtlichkeit , voll aufopfernder Treu entgegenbringt , dir den gesunden Mut erhält , den frischen Blick in die Welt , dich freundlich losspannt von der wühlenden Begier einer geschäftigen Einbildung und dich zur rechten Zeit herauslockt in die helle Alltagssonne , die doch dem Weisen wie dem Toren gleich unentbehrlich ist - was willst du weiter ? « Nolten sah schweigend vor sich nieder und sagte endlich : » Es gab eine Zeit , wo ich ebenso dachte . « Er wandte sich erschüttert auf die Seite , ging mit lebhaften Schritten durch den Saal und ließ sich dann erschöpft auf einen entfernten Stuhl nieder . Der Schauspieler , nachdem er die Erörterung des ihm über alles wichtigen Gegenstands nicht ohne Klugheit und Nachdruck bis hieher geführt , war voll Begierde , den Augenblick zu nutzen , und jetzt mit dem Gedanken an Agnes entschiedener hervorzutreten , mußte jedoch von diesem Wagnis ganz abstehen , da er bemerkte , wie heftig Nolten