? Ach , ihr meine unglücklichen Freunde ... was führt Euch in meinen Kerker ? « - Lange konnten die zu seinen Füßen Schluchzenden nicht Worte finden , und Dagobert lauschte besorgt nach dem vor der Thür gebliebnen Frater . Von demselben war jedoch keine Unterbrechung zu befürchten . Neben der auf die Schwelle gestellten Lampe sitzend , hatte er sich mit der Zählung seines leicht erworbnen Geldes beschäftigt , und war dabei eingeschlafen . » Eilt , eilt , edle Herren ; « raunte der junge Altbürger den böhmischen Edelleuten zu : » der Augenblick ist sicher , aber kostbar ! « - » Vater Huß ! « begann der Graf dringend : » Dich zu befreien sind wir hier ! Eile , nur zu willfahren . Hülle Dich in dieses , mein Gewand . Es ist weit genug , Dich und Deine Ketten zu verbergen . Diesen jungen Mann , der unter der Larve der Thorheit den männlichsten Willen und den glühendsten Eifer für das Recht verbirgt , der schon einmal eine Dir zugefügte Beleidigung edelmüthig rächte , haben wir ersehen , Dich aus der Stadt zu bringen . Er kennt alle Schliche , und die Wege rund um im Land ; er und Lanzenbrock schaffen Dich über ' n See in ' s Schweizerland , von wannen sichre Freunde Dich nach der Heimath führen werden . - Fliehe , fliehe , es drängt die Zeit . « - » Träume ich denn ? « fragte Huß , bestürzt um sich schauend . » Steht es denn so schlimm mit mir , daß solche Flucht nothwendig wäre ? « - » Fürchte Alles ! « entgegnete Lanzenbrock : » Deinem Haupte droht die höchste Gefahr . « - » Und ich sollte nicht der Gefahr gedenken , in welche sich der an meiner Statt zurückbleibende Freund stürzen wird ? « fuhr Huß mit ernstem Vorwurf fort . - » Mein Schicksal kümmre Dich nicht ! « unterbrach ihn der Graf : » Von Dir hängt die Freiheit unsrer Kirche , unsers Glaubens ab . Tausende meiner Landsleute können fechten wie ich ; wie Du zu reden , vermag Keiner außer Dir . « » Kommt , kommt , würdiger Herr ; « setzte Dagobert bei : » wir meinen ' s redlich , und das Glück für heut nicht minder . Morgen ist ' s zu spät . « - » Wer sagt Euch , « sprach der Gefangene mit erhabner Sanftmuth : » wer sagt Euch , daß ich morgen anders gesinnt seyn könnte , denn heute ? Ich würde zum Lügner an meiner Lehre , wollte ich diesen Kerker feig verlassen . Das Wort ist ewig , und muß den Sieg erringen . Nicht ich bin zu beklagen in meiner Schmach , denn mich bedienen Engel in dieser dunkeln Gruft ; wohl aber diejenigen , die ihren Eid gebrochen haben , und den Starken vertilgen wollen in dem schwachen Gefäß , das er sich auserlesen . Geht meine Freunde ; meinen Dank für Eure Aufopferung , doch Euch zum Frommen willige ich nicht darein . « - » Grausamer ! « seufzte der Graf : » Du rennst in Dein Verderben ! Unwiderbringlich verloren bist Du . An Wenzel ' s Throne bist Du sicher ; in Sigismund ' s Gewalt des Todes . « - » Unnütze Furcht ! « lächelte Huß wie ein Verklärter : » Ich bin geweiht vor dem Altare des Herrn ; an meinem Haupte werden sie sich nicht vergreifen , und aus den Fesseln , die den Leib belasten , wird mich der Höchste befreien , wann das Werk vollendet ist . « - Ungeduldig ob solchem Starrsinn stampfte Dagobert mit dem Fuße , und die Böhmen umschlangen mit liebevollem Ungestüm die Kniee des Versagenden , mit Worten und Thränen ihn bekämpfend . Sein Entschluß , fest wie ein Fels , begann zu wanken ; seine abweisende Strenge wich dem vereinten Bemühen der Freunde , - schon gab er nach ; schon ward die Möglichkeit einer nahen Freiheit reizend für seine in Kerkernacht erstorbnen Sinne , ... schon griff seine Hand zögernd nach dem Rettungsgewande , ... als es mit einemmale über den Häuptern der Befreier lebendig wurde . Von Ferne , die Treppe herab tönte ein beunruhigendes Laufen und Rennen ; Getöse von Stimmen , zugeschlagnen Thüren , entferntem Waffenklang . » Wir sind verloren ! « flüsterte Lanzenbrock erschrocken , und Dagobert fuhr auf wie ein Sturm . » Die Zeit ist versäumt ! « rief er : » Schreibt Euch ' s selbst zu , eigensinniger Mann . Wenig würde es Euch jedoch helfen , gingen wir um der ungeschehenen That willen zu Grunde . Wer Muth hat , folge mir frank und frei . Vielleicht bietet sich bald eine andre Gelegenheit zur Rettung ! « - Diese Aufforderung , verbunden mit dem so natürlichen Gefühl der Selbsterhaltung , wirkte auf den Gefangenen und seine Freunde . Der Erstere beschwor die Überraschten , sich dem Unheil zu entziehen , ihn ruhig seinem Schicksale zu überlassen ; die Letztern stürzten , da das Getümmel lauter wurde , mit der Schnelligkeit des Hirsches aus dem Kerkergewölbe , die Treppe hinan . Dagobert voran stürmend wie eine Windsbraut . Den fest entschlafnen Frater weckte sein Gefangner selbst , und ermahnte den Taumelnden , doch die Thüre zu verschließen , damit ihm nicht die Lust anwandeln möchte , seine Haft zu verlassen . Kopfschüttelnd über diese seltne Bitte , gewährte sie der trunkne Dominikus , und schleppte sich langsam die Stiege hinan . Indessen war oben alles in Aufruhr gekommen . Die Veranlassung zu der ganzen unzeitigen Störung hatte der vor dem Kloster auf einer Steinbank dahinbrütende Gerhard gegeben , da seine in Schlaf- und Weinlust blinzelnden Augen zwei Klosterherren erblickten , die , satt von den Freuden des Tages , sich behaglich nach ihren Zellen zurückzuwälzen im Begriff waren . Seines Wortes eingedenk , niemand hindurch zu lassen , glaubte