in der Freude mich betrüben , so oft es mir einfällt , welch ein Leben sie indessen an der Seite jenes verhaßten lächerlichen Menschen führet , und jeder Schmerz , der mich trifft , wird mir doppelt wehe thun , weil ich immer denken werde : Gabriele ist doch noch tausendmal unglücklicher als ich es je werden kann . « » Frevle nicht mit dem Schicksal , mein armes Kind , « sprach Frau von Willnangen , indem sie die weinende Tochter in ihre Arme schloß . » Du weißt eben so wenig , welche Pfeile es für dich aufbewahren mag , als du im Stande bist , den ganzen Umfang von Gabrielens Elend zu übersehen . So drückend ihr häusliches Leben an der Seite des ungeliebten , sogar widerwärtigen Mannes auch wahrscheinlich seyn wird , es ist doch nicht der höchste Punkt ihres Unglücks . Jedes stille heimliche Opfer läßt sich bringen , das fast Unleidliche läßt sich ertragen , wenn wir es nur den Augen der Welt verheimlichen können . Shakspeares » Smiling at grief « 2 ist mehr oder weniger das Loos und die Tugend der besten unsers ganzen Geschlechts ; wir sind dazu geboren . Nur das Mitleid der Welt ist eine fast unerträgliche Last , und doch wird unsre arme Gabriele diese Last tragen müssen , wenn sie sich nicht in Einsamkeit begraben will oder kann . « » Mit Moritz von Aarheim in der Einsamkeit ! « rief Auguste . » Es ist furchtbar , ich gebe es zu , « erwiederte Frau von Willnangen , » aber immer doch noch besser , als das Mitleid der guten Freundinnen , die von nun an sich alle berufen fühlen werden , zu Gabrielen stets wie zu einer Kranken zu sprechen , und sich einbilden , die Stimme immer ein paar Töne höher nehmen zu müssen , um mit recht kläglichem Laut und Blick zu fragen : wie sie sich denn befinde ? Und denke dir Gabrielens Gefühl in der Gesellschaft , wenn sie bei jeder Plattheit des Menschen , zu dem sie doch nun einmal gehört , unaufhörlich erröthen muß ; denke dir , wie ihr seyn wird , wenn sie das heimliche verlegne Lächeln der Anwesenden und die ängstlich ungeschickte Sorgfalt sich nicht verbergen kann , mit der die Bessern um ihrer willen sich stellen werden , als hätten sie nichts bemerkt ! Ich weiß nichts traurigeres als solch ein Loos . « » Und was fängt Gabriele nun mit Ottokars Bild in ihrem Herzen an ? « rief Auguste . » Ich hoffe , sie soll es heilig und treu bewahren in reiner Brust , « erwiderte Frau von Willnangen . » Möge sie es immer in der Strahlenglorie sehen , in welcher es ihrem jugendlich erwachenden Blicke zuerst erschien , so bleibt es der Schutzgeist ihres Lebens auf einer sehr gefahrvollen Bahn . Meine arme Gabriele ist sehr jung , sehr unerfahren , um in der Welt als Gattin eines Mannes dazustehen , den sie nicht einmal zu lieben vorgeben kann , ohne abgeschmackt oder als Heuchlerin zu erscheinen . Und doch fürchte ich nicht wegen dessen für sie , was die Welt ihr etwa anhaben könnte , ich fürchte nur ihr Herz , wenn es erwacht . Möge Ottokars Angedenken es behüten ! « Sobald Frau von Willnangen nur Fassung dazu erringen konnte , eilte sie , die traurige Entscheidung von Gabrielens Schicksal der Gesellschaft mitzutheilen . Alle hörten sie zuerst mit Entsetzen und bald mit der innigsten Theilnahme , obgleich mancher Nebenumstand im Betragen des Barons und auch die Art seines Todes ihnen um Gabrielens willen verschwiegen ward . Zorn über die Bestimmung des liebenswürdigen Wesens war bei dem ältern Theil der Gesellschaft das überwiegende Gefühl , während Leo und seine Schwestern recht innig mit Augusten trauerten . Herr von Wallburg behauptete , es dem Novitätenkrämer , wie er Moritz von Aarheim nannte , gleich angesehen zu haben , daß sein Erscheinen nichts Gutes bedeuten könne ; der General ging schweigend , aber heftig bewegt , im Zimmer auf und ab , und stand dann vor Adelbert still , der wie vernichtet , bleich und stumm allein in der fernsten Ecke des Zimmers saß . » Armer Adelbert ! « sprach der General , und strich liebkosend ihm über die dunklen Locken hin , » ich hoffte freilich , es solle anders kommen ! « Mit höchst schmerzlicher Geberde ergriff Adelbert seines Oheims Hand , drückte sie an seine brennenden Augen , an sein hochschlagendes Herz . » Vater , « sprach er , » mein gütiger Vater ! ich hoffte nichts , ich wünschte nichts , ach ! ich kenne mich ja zu gut , was kann ein Unglücklicher wie ich noch hoffen oder wünschen ! Aber ich erfreute mich ihrer Nähe , ihres Anblicks , wie ich der Sterne mich freue , ohne sie zu mir herabziehen zu wollen . Sie war so gut , so tröstend gegen mich wie ein Engel des Himmels , und eben weil sie es war , mußte sie untergehen . Ich bin es , ich , der sie dem Verderben entgegenführte ; die Ueberzeugung davon vernichtet mich , und doch ist es so . Nie hätte Moritz von Aarheim nur ihr Daseyn geahnet , wenn sie nicht mitleidig dort im Tempel neben mir verweilte . Er wäre den nehmlichen Abend abgereist , wie er es sich vorgenommen hatte , er wäre nimmer bei Lebzeiten des Barons nach Schloß Aarheim gekommen ; nur um meinetwillen durfte das Verderben sie überschleichen . Ich bin vom Schicksal geächtet , niemand darf freundlich mir nahen ! « Mit verhülltem Gesicht verließ Adelbert nach diesen Worten das Zimmer , nur Allwill wagte es ihm zu folgen , dessen weiche Natur sich von ihm stets angezogen fühlte . Der General sandte noch den nehmlichen Abend einen Eilboten nach Schloß Aarheim , um die Bewohner desselben , nebst Ernesto auf das dringendste zu sich einzuladen . Am folgenden Morgen