der schon auf dich zielt und sogleich dir deinen glänzenden Fittich lahm schießen wird , und es steht denn erbärmlich mit dir und deiner Freijagd ! « Nun faßte der Prinz Julias Arm , und beide schritten dem Fischerhäuschen zu . Dicht vor demselben trat aber Kreisler aus dem Gebüsch , schritt auf das Paar zu und sprach , indem er sich vor dem Prinzen tief bückte : » Ein herrlicher Abend , eine ungemein heitere Luft , ein erquickliches Aroma darin , Sie müssen sich , gnädigster Herr , hier befinden wie in dem schönen Neapolis . « - » Wer sind Sie , mein Herr ? « fuhr ihn der Prinz barsch an . Doch in demselben Augenblick machte sich auch Julia los von seinem Arm , trat freundlich auf Kreislern zu , reichte ihm die Hand und sprach : » O wie herrlich , lieber Kreisler , daß Sie wieder da sind . Wissen Sie wohl , daß ich mich recht herzlich nach Ihnen gesehnt habe ? - In der Tat , die Mutter schilt , daß ich mich gebärde wie ein weinerliches ungezogenes Kind , wenn Sie nur einen einzigen Tag ausbleiben . Ich könnte krank werden vor Verdruß , wenn ich glaube , daß Sie mich , meinen Gesang aus der Acht lassen . « - » Ha , « rief der Prinz , giftige Blicke schießend auf Julien , auf Kreislern , » ha , Sie sind Monsieur de Krösel . Der Fürst sprach sehr günstig von Ihnen ! « - » Gesegnet , « sprach Kreisler , indem sein ganzes Gesicht in hundert Falten und Fältchen seltsam vibrierte , » gesegnet sei der gute Herr dafür , denn so wird es mir vielleicht gelingen , das zu erhalten , warum ich Sie , gnädigster Prinz , anflehen wollte , nämlich Ihre angenehme Protektion . - Ich habe die kühne Ahnung , daß Sie mir auf den ersten Blick Ihr Wohlwollen zuwandten , da Sie im Vorübergehen aus höchst eigner Bewegung mich zum Hasenfuß zu kreiren geruhten , und da nun Hasenfüße zu allem nur Ersinnlichen taugen , so « - » Sie sind , « unterbrach ihn der Prinz , » Sie sind ein spaßhafter Mann - « - » Ganz und gar nicht , « fuhr Kreisler fort , » ich liebe zwar den Spaß , aber nur den schlechten , und der ist nun wieder nicht spaßhaft . Gegenwärtig wollt ' ich gern nach Neapel gehen und beim Molo einige gute Fischer- und Banditenlieder aufschreiben ad usum delphini . Sie sind , bester Prinz , ein gütiger kunstliebender Herr , sollten Sie mir vielleicht durch einige Empfehlungen - « - » Sie sind , « unterbrach ihn der Prinz aufs neue , » Sie sind ein spaßhafter Mann , Monsieur de Krösel , ich liebe das , ich liebe das in der Tat , aber jetzt mag ich Sie in Ihrem Spaziergange nicht aufhalten - Adieu ! « - » Nein , gnädigster Herr , « rief Kreisler , » ich kann die Gelegenheit nicht vorüberlassen , ohne mich Ihnen in meinem vollsten Lüster zu zeigen . Sie wollten in das Fischerhäuschen treten , dort steht ein kleines Pianoforte , Fräulein Julia ist gewiß so gütig , mit mir ein Duett zu singen ! « - » Mit tausend Freuden , « rief Julia und hing sich an Kreislers Arm . Der Prinz biß die Zähne zusammen und schritt stolz voran . Im Gehen flüsterte Julia Kreislern ins Ohr : » Kreisler ! welche seltsame Stimmung ? « - » O Gott , « erwiderte Kreisler ebenso leise , » o Gott , und du liegst eingelullt in betörenden Träumen , wenn die Schlange sich naht , dich zu töten mit giftigem Biß ? « - Julia blickte ihn an im tiefsten Erstaunen . Nur ein einziges Mal , im Moment der höchsten musikalischen Begeisterung , hatte Kreisler sie Du genannt . - Als das Duett geendet , brach der Prinz , der schon während des Gesanges öfters brava , bravissima gerufen , aus in stürmischen Beifall . Er bedeckte Julias Hände mit feurigen Küssen , er schwor , daß kein Gesang jemals so sein ganzes Wesen durchdrungen , und bat Julien , es zu verstatten , daß er einen Kuß auf die Himmelslippen drücke , über die der Nektarstrom der Paradieseslaute geflossen . Julia wich scheu zurück . Kreisler trat vor den Prinzen hin und sprach : » Da Sie mir , Gnädigster , auch nicht ein Wörtlein des Lobes zuwenden wollen , das ich als Komponist und wackrer Sänger ebensogut verdient zu haben vermeine als Fräulein Julia , so merke ich schon , daß ich mit meinen schwachen musikalischen Kenntnissen nicht stark genug wirke . Aber auch in der Malerei bin ich erfahren und werde die Ehre haben , Ihnen ein kleines Bildnis zu zeigen , das eine Person vorstellt , deren merkwürdiges Leben und seltsames Ende mir so bekannt ist , daß ich alles jedem erzählen kann , der es nur hören will . « - » Überlästiger Mensch ! « murmelte der Prinz . Kreisler zog ein Kästchen aus der Tasche , nahm ein kleines Bildnis heraus und hielt es dem Prinzen entgegen . Er blickte hin , alles Blut schwand von dem Antlitz , seine Augen starrten , seine Lippen bebten , zwischen den Zähnen murmelnd : » Maledetto ! « stürzte er fort . » Was ist das ? « rief Julia , zum Tode erschrocken , » um aller Heiligen willen , was ist das , Kreisler - sagen Sie mir alles ! « » Tolles Zeug , « erwiderte Kreisler , » lustige Streiche , Teufelsbannerei ! Sehn Sie , teures Fräulein , wie der gütige Prinz mit den allerlängsten Schritten , deren seine gnädigsten Beine mächtig , über die Brücke läuft . - Gott ! er verleugnet ganz seine süße idyllische Natur , er schaut nicht einmal in den See , er