nur nicht gar so talket ! « sagte ein Jäger , der seine Erzählung mit angehört hatte . » Mein Schatz « , sang ein anderer neben ihm : » Mein Schatz , das ist ein kluges Kind , Die spricht : Willst du nicht fechten , Wir zwei geschiedne Leute sind ; Erschlagen dich die Schlechten , Auch keins von beiden dran gewinnt . Mein Schatz , das ist ein kluges Kind , Für die will ich lebn und fechten ! « » Was ist das für eine Liebe , die so wehmütige , weichliche Tapferkeit erzeugt ? « sagte Friedrich zum Studenten , denn ihm kam seine Melancholie in dieser Zeit , auf diesen Bergen und unter diesen Leuten unbeschreiblich albern vor . » Glaubt mir , das Sterben ist viel zu ernsthaft für einen sentimentalischen Spaß . Wer den Tod fürchtet und wer ihn sucht , sind beide schlechte Soldaten , wer aber ein schlechter Soldat ist , der ist auch kein rechter Mann . « Sie wurden hier unterbrochen , denn soeben fielen von mehreren Seiten Schüsse tief unten im Walde . Es war das verabredete Zeichen zum Aufbruch . Sie wollten den Feind nicht erwarten , sondern ihn von dieser Seite , wo er es nicht vermutete , selber angreifen . Alles sprang fröhlich auf und griff nach den herumliegenden Waffen . In kurzer Zeit hatten sie den Feind im Angesicht . Wie ein heller Strom brachen sie aus ihren Schluchten gegen den blinkenden Damm der feindlichen Glieder , die auf der halben Höhe des Berges steif gespreizt standen . Die ersten Reihen waren bald gebrochen , und das Gefecht zerschlug sich in so viele einzelne Zweikämpfe , als es ehrenfeste Herzen gab , die es auf Tod und Leben meinten . Es kommandierte , wem Besonnenheit oder Begeisterung die Übermacht gab . Friedrich war überall zu sehen , wo es am gefährlichsten herging , selber mit Blut überdeckt . Einzelne rangen da auf schwindligen Klippen , bis beide einander umklammernd in den Abgrund stürzten . Blutrot stieg die Sonne auf die Höhen , ein wilder Sturm wütete durch die alten Wälder , Felsenstücke stürzten zermalmend auf den Feind . Es schien das ganze Gebirge selbst wie ein Riese die steinernen Glieder zu bewegen , um die fremden Menschlein abzuschütteln , die ihn dreist geweckt hatten und an ihm heraufklettern wollten . Mit grenzenloser Unordnung entfloh endlich der Feind nach allen Seiten weit in die Täler hinaus . Nur auf einem einzigen Flecke wurde noch immer fortgefochten . Friedrich eilte hinzu und erkannte inmittelst jenen Offizier wieder , der in der Residenz zu seinen Genossen gehörte . Dieser hatte sich , von den Seinigen getrennt , schon einmal gefangengegeben , als er zufällig um den Anführer seiner Sieger fragte . Mehrere nannten einstimmig Friedrich . Bei diesem Namen hatte er plötzlich einem seiner Führer den Säbel entrissen und versuchte wütend , noch einmal sich durchzuschlagen . Als er nun Friedrich selber erblickte , verdoppelte er seine fast schon erschöpften Kräfte von neuem und hieb in Wut blind um sich , bis er endlich von der Menge entwaffnet wurde . Stillschweigend folgte er nun , wohin sie ihn führten , und wollte durchaus kein Wort sprechen . Friedrich mochte ihn in diesem Augenblicke nicht anreden . Das Verfolgen des flüchtigen Feindes dauerte bis gegen Abend . Da langte Friedrich mit den Seinigen ermüdet auf einem altfränkischen Schlosse an , das am Abhange des Gebirges stand . Hof und Schloß stand leer ; alle Bewohner hatten es aus Furcht vor Freund und Feind feigherzig verlassen . Der Trupp lagerte sich sogleich auf dem geräumigen Hofe , dessen Pflaster schon hin und wieder mit Gras überwachsen war . Rings um das Schloß wurden Wachen ausgestellt . Friedrich fand eine Tür offen und ging in das Schloß . Er schritt durch mehrere leere Gänge und Zimmer und kam zuletzt in eine Kapelle . Ein einfacher Altar war dort aufgerichtet , mehrere alte Heiligenbilder auf Holz hingen an den Wänden umher , auf dem Altare stand ein Kruzifix . Er kniete vor dem Altare nieder und dankte Gott aus Grund der Seele für den heutigen Tag . Darauf stand er neugestärkt auf und fühlte die vielen Wunden kaum , die er in dem Gefechte erhalten . Er erinnerte sich nicht , daß ihm jemals in seinem Leben so wohl gewesen . Es war das erstemal , daß es ihm genügte , was er hier trieb und vorhatte . Er war völlig überzeugt , daß er das Rechte wolle , und sein ganzes voriges Leben , was er sonst einzeln versucht , gestrebt und geübt hatte , kam ihm nun nur wie eine lange Vorschule vor zu der sichern , klaren und großen Gesinnung , die jetzt sein Tun und Denken regierte . Er ging nun durch das Schloß , wo fast alle Türen geöffnet waren . In dem einen Gemache fand er ein altes Sofa . Er streckte sich darauf ; aber er konnte nicht schlafen , so müde er auch war . Denn tausenderlei Gedanken zogen wechselnd durch seine Seele , während er dort von der einen Seite durch die offene Tür den Schloßhof übersah , wo die Schützen um ein Feuer lagen , das die alten Gemäuer seltsam beleuchtete , von der andern Seite durchs Fenster die Wolkenzüge über den stillen , schwarzen Wäldern . Er gedachte seines vergangenen ruhigen Lebens , wie er noch mit seiner Poesie zufrieden und glücklich war , an seinen Leontin , an Rosa , an den stillen Garten beim Herrn v. A. , wie das alles so weit von hier hinter den Bergen jetzt im ruhigen Schlafe ruhte . Das Feuer aus dem Hofe warf indes einen hellen Widerschein über die eine Wand der Stube . Da wurde er auf ein großes , altes Bild aufmerksam , das dort hing . Es stellte die heilige Mutter Anna vor , wie sie die kleine Maria lesen lehrte . Sie hatte ein großes Buch