nur immer « , sagte sie , » wo ich auf etwas bestehe , habe ich sicher meinen geheimen Grund ; so wußte ich recht gut , daß mich der Baron liebte , jede Frau weiß das einem Manne abzusehen ; so kannte ich recht gut seinen gefährlichen Charakter und drang damals so ernsthaft in dich , seiner im Zweikampfe nicht zu schonen . Noch immer fürchte ich , daß er zum Mittagessen entweder nicht erscheint , oder eine geheime Bosheit ausführt ! « Sechsundzwanzigstes Kapitel Der häßliche Baron , Nudelhuber , Kirre und Waller ziehen in den Krieg Es schlug und läutete zum Mittagsessen und es fuhr ein Reisewagen ins Schloß , aus welchem der Baron in alter Uniform mit seinen beiden lächerlichen Begleitern ausstieg ; auch Waller wurde sichtbar , doch mit geborstenen Lippen , die ihm das Lachen nicht erlaubten , und zu gleicher Zeit sprengte Frank auf seinem Filialklepper herbei . Als die ganze sonderbare Gesellschaft beisammen , bat der Baron noch einmal den Grafen und die Gräfin wegen seines Frevels um Verzeihung , wobei die lächerlichen Begleiter schweigend die Gebärden nachahmten ; er zeigte ihnen in der bereits angetretenen Reise die Erfüllung seines Versprechens zu einem tätigen Leben überzugehen . Alle verziehen , doch wurden ihm manche Fragen noch über seine sonderbare Bildung vorgelegt . » Von meiner häßlichen Bildung « , sagte er , » kommt alles ; Liebe zu erwecken , schien mir von frühester Kindheit unmöglich , weil mich die eigene Mutter mit Abscheu anlachte , mit meinem Grinsen Possen trieb und mich dann im Ekel von sich warf . Ich suchte also den Leuten bedeutend zu werden , indem ich mich in aller andern Art , nur nicht im Guten , auszuzeichnen suchte ; unzählige Schläge und Kränkungen machten mich noch härter und trotziger , und was anfangs nur ein willkürlicher Versuch war , mich geltend zu machen , das wurde bald meine andre Natur und meine einzige . Hätte ich ein glattes Gesicht behalten , wie der Graf , ich glaube auch , daß ich zu allem Großmütigen aufgelegt gewesen und geblieben wäre ; und punktierte , tatowierte , bemalte und kerbte man sich hier wie bei den Wilden , so hätte ich ausgesehen wie alle andern und wäre auch ein edler Mensch ; die Schönheit macht aber alles Unglück der Welt . « - Dieser widrige Mensch entzückte Wallern ; vielleicht mochte auch die Kränkung der vorigen Nacht , vom Grafen heimlich beobachtet zu sein , nachwirken ; genug , er beschloß den Baron zu begleiten , der mit rechtem Behagen seine Sammlung noch um eine wunderliche Menschenspezies vermehrte . Waller sendete gleich seinen Sohn Alonso mit einem freundlichen Briefe an die Amtmannstöchter , beschwor sie bei der Liebe , die sie zu seiner Frau getragen , bei der reinen Segnung , die ihnen aus dem Himmel dieses reinen Engels herabstrahlen werde , der Erziehung dieses Kindes alle Sorgfalt zu weihen , es sei gut geartet und werde ihnen im Gedeihen reichlich lohnen . Traugott überließ er dem Grafen , doch wagte er ihm nicht mündlich Ermahnungen zu geben , sie hätten sonst allesamt in den Lachkrampf , wie in der Nacht bei der Mühle zurückfallen können . Nun suchte er sich im Hause zusammen , was er auf der Reise brauchen könnte ; statt des Weibersattels seiner Frau legte er dem Pferde einen Sattel des Grafen auf , packte aber alle seine Sachen in Tücher gebunden nicht auf das Pferd , sondern in den Wagen des Barons ; die beiden Ziegen verkaufte er dem Grafen , der sie ihm vielfach teurer bezahlte , als sie wert waren . Nachher setzte er sich zuerst in den Wagen und ließ sein Reitpferd anbinden , darüber vergaß er den Abschied ; der Baron schied mit der ersten Rührung seines Lebens und setzte sich still neben ihn ; der Schweizer folgte ihm mit der Versicherung , es wären doch liebe , liebe Leute , der Graf habe ihm ein paar Kupferstiche gut bezahlt . Wie erschrak aber der gute Malm , als er seinen Sitz mit den Sachen Wallers besetzt fand ; ohne Anfrage warf er alles zum Wagen hinaus . Waller fiel über ihn her , aber jener drückte ihn als der Stärkere zusammen ; der Prinzenhofmeister stieg ein mit einem feinen spottenden Blicke über dies Ereignis ; der Baron rief : » Fahr zu ! « und in wenigen Augenblicken waren sie entrollt und der Staub senkte sich stille hinter ihnen . Die sogenannten Sachen des Dichters bestanden aber eigentlich nur in einer Masse einzelner Papiere in Tücher gebunden wie alte Wäsche ; die Tücher hatten sich gelöst und die Blätter flogen im Winde umher . Der Graf schickte alle seine Leute auf diese Schmetterlingsjagd , sie zu erfassen , aber dieser Ephemeren waren zu viele und eine so innere Flüchtigkeit in allen , daß immer zehne wieder entflogen , während eines dieser Papiere eingefangen wurde . Noch am andern Morgen fanden die Dorfkinder am Rande des Baches einzelne Blätter , in denen der Geistliche die herrlichsten Sapphischen Oden und große Stücke aus einem kleinen epischen Gedichte über das Weltmeer entdeckte , und dieser brachte den Grafen , der gerade den Knopf der neuerbauten Kirche aufsetzen wollte , auf den Gedanken , neben tausend besseren Denkmälern auch alle diese Papiere in der großen kupfernen Kugel , dicht verlötet , in die höheren Regionen erheben zu lassen , daß sie als ein Zeugnis der kommenden Welt dienten , wie weit es unsre Zeit gebracht habe . Siebenundzwanzigstes Kapitel Kirchweihe Eine feierliche Kirchweihe mit allen den geheimnisvollen Gebräuchen , die der katholische Glaube gestattet , den Räucherungen , Weihungen und Austreibungen , welche eine ganze Nacht bei verschlossenen Türen in ihr festgesetzt werden , beschäftigte , sehr verschieden von der vorhergehenden , die nächste Nacht ; da dann der Morgen die Kirche mit Grün und Blumen herrlich geschmückt , von Weihrauch duftend , von unzähligen Lampen erhellt , der Geistliche das Allerheiligste