die glänzende königliche Linie der alten Ritter , deren hohe Taten ihnen als Fahnen vorwehen , und in deren heilige Schlösser sie als ihre Kinder einziehen - - « » Glaube mir auf mein Wort « , sagte Vult , » ich lache nicht - « » - vor sich den Glanz des Reichtums , der Güter , der Höfe und einer blühenden Zukunft - Und nun vollends die schöne freie Bildung , nicht zu einem abgehauenen eckigen Staats-Gliede , sondern zu einem ganzen geformten Menschen , welche ihnen Reisen , Höfe , gesellige Freuden unter Gemälden , unter Tönen und am meisten ihre noch mehr gebildeten , schönen Frauen , deren Reize kein Gewicht der Not und Arbeit erdrückte , leicht und froh zuspielen , so daß im Staate der Adel die italienische Schule ausmacht , und das arme Volk die niederländische . « - - Der Flötenspieler hatte bisher öfters , wiewohl mit verdächtiger Stimme , geschworen , er ziehe nicht eine Miene zum Lachen - beteuert , er wolle nicht Vult heißen , wenn er die Finsternis benutze und darin still lächle - wiederholt , er sei kein solcher Mann , der lache , sondern so ernst wie ein Totenvogel . Jetzt aber lachte er hell und sagte indes so viel : » Walt , um wieder einmal auf deinen Grafen zu kommen - schere dich nichts um mein dummes Gelächter über etwas anders , ich bin doch ernsthaft - , den du sonach in Bildungs-Bezug für einen Raffael hältst und dich für einen Teniers , wie wollet ihr zwei Figuren euch denn auf einer Leinwand paaren ? « - Walt schwieg verwundet , weil er sich gar nicht für einen Teniers , sondern eher für einen Petrarca ansah . Aber Vult drang heftig auf das Bindemittel , das der Bruder sich zutraue . » Ich glaubte , dadurch « , sagt ' er leise demütig , » wenn ich ihn recht liebte . « Vult wurde etwas bewegt , blieb aber unerbittlich und sagte : » Um dir aber zuzutrauen , daß du deine Liebe einem solchen Herrn zeigen könntest , mußt du dich , so bescheiden du auch tust , innerlich für einen zweiten Karpser halten , ganz gewiß ? « » Wer war dieser ? « fragte Walt . » Balbieramtsmeister in Hamburg , wovon noch die Karpserstraße in der Stadt da ist , weil er darin wohnte ; ein Mann , darf ich dir sagen , von so feinen Sitten , so voll belebter Reden , so zauberisch , daß Fürsten und Grafen , die nach Hamburg kamen , ihr erstes und größtes Vergnügen nicht im Pestilenzhaus oder auf dem Dreckwall oder im Scheelengang und in den Alster-Alleen suchten und fanden , sondern lediglich darin , daß unser Balbier zu Hause war und sie vorlassen wollte . « Der Notar , sich für einen versteckten Petrarca haltend , vermochte gar nicht , den Balbier-Amtsmeister so hoch über sich zu sehen ; er sagte aber , erweicht durch einen ganzen Nachmittag , nichts als die Worte : » Wie glücklich ist ein Edelmann ! Er kann doch lieben , wen er will . Und wär ' ich einer , und ein redlicher gemeiner Notar gäbe mir nur einige warme Zeichen seiner Liebe und Treue : wahrlich ich würde sie bald verstehen und ihn dann nicht ein Minute lang quälen , ja ich glaube , eher gegen meinesgleichen könnt ' ich stolzer sein . « » Himmel , weißt du was « , fing plötzlich Vult mit anderer Stimme an , » ich habe ein sehr treffliches Projekt - in der Tat für diesen Fall das beste - denn es löset alles auf und bindet dich und den Grafen ( falls er deinem Bilde entspricht ) schön auf ewig . « Walt zeigte ihm seine Entzückung darüber ganz und die Neugier , womit er es zu hören kaum erwarten könne . Aber Vult versetzte : » Ich glaube , morgen oder übermorgen lass ' ich mich mehr heraus . « - Walt flehte um das Projekt , sie waren nahe am Stadttore und Abschied . Vult antwortete : » So viel kann ich sagen , daß ich nie Proschekt sage , sondern entweder französisch projet oder lateinisch projectum . « - Walt fragte , ob er denn nicht seine Freude über den bloßen Vorschlag merke , und ob er nicht denke , daß sie noch stärker steige durch Eröffnung . » Gewiß ! « sagte Vult . » Allein das projet gehört ja in eine ganz andere Nummer , sag ' ich dir , denn die heutige ist aus und gute Nacht ! « Nr. 31. Pillenstein Das Projekt » Purzel tuts « , fuhr heftig Vult in die Stube des Notars , der freudig versetzte : » Das gebe Gott , und was denn ? « - » Ich erkläre alles , und Purzel ist der Theaterschneider , mein Hausherr « , erwiderte Vult mit den Blitzen der Laune im Auge , weil er eben die Digression über den Adel für den Doppel-Roman zu Papier gebracht . - » So viel gibst du zu , daß du einige Heft-oder Demantnadeln zur Bundes-Naht mit Klothar - was eben mein Projekt sein will - vonnöten hast . Handlungen freilich galten von jeher für die besten Fähren zum Herzen , für die rechten Kernschüsse zur Brust , da Worte nur Bogenschüsse sind , oder was man will . Einem einen Uhrschlüssel abkaufen , oder sonst ein Kauf , das sperret mehr am bedeckten Gehäuse eines Menschen auf als dreißig déjeuners in einem Monat von 31 Tagen . Wolltest du also dem Grafen z.B. nur einen Stein ins Fenster werfen oder an das Schulterblatt : so kämest du sogleich mit ihm in Handlung und darauf leicht in nähere Verbindung ; oder ebenso auch , wenn du im Finstern auf ihn losfahren , ihn bei den Rockklappen packen und nicht loslassen wolltest , weil du ihn für deinen Bruder