in Cyrene werden in zehn Tagen beendiget seyn , und dann fliege ich mit dem ersten günstigen Winde deiner Zauberinsel zu . Ich bringe dir , auf meine Gefahr , meinen Freund Kleonidas mit ; einen jungen Mann , der es werth ist dich zu sehen , und dir bekannt zu werden , und der so sehr mein anderes Ich ist , daß du schwerlich mehr für ihn thun könntest als ich ihm gönnen würde . Er ist mit allen Anlagen zur bildenden Kunst geboren , gab sich aber in seinen frühern Jugendjahren ganz den Musenkünsten hin . Er würde mich schon vor fünf Jahren nach Griechenland begleitet haben , wenn ihn nicht eine schwärmerische Leidenschaft für die Tochter des damals sich bei uns aufhaltenden Malers Pausias zurückgehalten hätte , die an Schönheit und - Dumpfheit eine andere Theodota ist . Um seine Geliebte so nahe und so oft als möglich zu sehen , bestellte er bei dem Vater ein Gemälde nach dem andern , und brachte , unter dem Vorwande den Künstler arbeiten zu sehen , einen großen Theil des Tages in seinem Hause zu . Die Folge davon war , daß seine Phantasie für die Tochter nach und nach erkaltete , hingegen eine leidenschaftliche Liebe für die Kunst des Vaters in ihm erwachte , für welche er , wie sich in kurzem zeigte , eine entschiedene Anlage hat . Da er reich genug ist bloß zu seinem und seiner Freunde Vergnügen zu arbeiten , wird er die Malerei , wiewohl sie seitdem seine hauptsächlichste Beschäftigung war , schwerlich jemals als Profession treiben . Nichtsdestoweniger verspreche ich mir von ihm , daß er mit der vorzüglichen Geistesbildung und dem Dichtertalent , die ihm dabei zu Statten kommen , ungleich mehr leisten wird , als man gewöhnlich von einem bloßen Liebhaber erwartet . Kurz , ich habe mir in den Kopf gesetzt , es fehle ihm , um noch weiter als sein Lehrer selbst zu kommen , weiter nichts , als die schöne Lais zu sehen , und von ihr aufgemuntert zu werden . Ich habe also nicht von ihm abgelassen , bis ich ihn schon in voraus so verliebt in dich gemacht habe , daß er vor Ungeduld brennt , sich mit seinen eignen Künstleraugen zu überzeugen , ob du noch schöner und reizender bist , als die Idee , die er sich von dir gemacht , und in einem Bilde der Hebe , die dem neu vergötterten Herakles die erste Nektarschale reicht , in der That meisterhaft ausgeführt hat . Wir wollen sehen ! 50. An Hippias . Ich bin wieder in Aegina , mein lieber Hippias - in einem der anmuthigsten Winkel der Erde , in der auserlesensten Gesellschaft , von allem umgeben , was feinern Sinnen schmeicheln , die Phantasie bezaubern , und die edelsten Bedürfnisse gebildeter Menschen befriedigen kann ; um alles mit Einem Worte zu sagen , ich bin bei Lais . - Aber Athen liegt uns zu nah ' ! - Sokrates , den Giftbecher am Munde , mit ten unter seinen die Hände ringenden , in Thränen zerfließenden , oder den Ausbruch des bittersten Schmerzes aus Liebe zu ihm gewaltsam zurückhaltenden Freunden , stellt sich noch immer und überall zwischen uns und alles , was uns zur Freude einladen will . Unsrer schönen Freundin , der die Bilder der Tage und Stunden , die sie noch vor kurzem in seiner Gesellschaft zubrachte , wieder so lebendig vor den Augen schweben , daß ihr die Vergangenheit beinahe zur Gegenwart wird , ist es eben so zu Muthe wie mir - Wie wohlthätig , o Hippias , würde uns jetzt deine Gesellschaft seyn ! - Aber so bleibt uns weiter kein anderes Mittel übrig , als uns von der verhaßten Scene so weit als möglich zu entfernen . Neue Ansichten , neue Menschen , neue Verbindungen , kurz eine neue Welt um uns her ist nöthig , unsrer dem Gefühl und der Erinnerung noch zu schwach entgegen wirkenden Vernunft zu Hülfe zu kommen ; auch werden bereits Anstalten gemacht in zehn Tagen nach Milet abzureisen , wo Lais sich einige Zeit aufzuhalten gedenkt , während ich eine Wanderung durch andere merkwürdige Städte von Ionien , Karien , Lydien und Phrygien unternehmen werde . Findest du nicht auch , Hippias , daß man der Philosophie zu viel Ehre erweist , wenn man ihr die Macht zuschreibt , dem Gefühle der Einbildungskraft , und den Leidenschaften immer unumschränkt zu gebieten ? Wahrscheinlich wird ihr vieles gut geschrieben , das auf Rechnung des Temperaments , einer natürlichen Apathie oder Schwäche des sympathetischen Gefühls und andrer solcher Ursachen zu setzen war . Nichts ist leichter als mit solchen Vortheilen ( wenn sie ja diesen Namen verdienen ) sich die Miene eines Weisen zu geben , und auf andere , die mit einem weichern Herzen , wärmerem Blute , zärtern Nerven und mehr Anlage zu Freundschaft und Liebe geboren sind , als auf schwache Seelen herabzusehen . Aber alles was die Weisheit von Menschen meiner Art in dergleichen Fällen fordern kann , ist , denke ich , daß wir uns nicht vorsetzlich selbst peinigen , und aus vermeinter Pflicht , oder , weil man etwas Schönes und Großes darein setzt , alles hartnäckig von uns weisen , wodurch das gestörte Gleichgewicht in unserm Innern wieder hergestellt , und das Gemüth für die Freude wieder empfänglich gemacht werden könnte . In diesem traurigen Falle befindet sich mein junger Freund , Kleombrot von Ambracien , den du , wenn du dich dessen noch erinnerst , mehr als einmal bei mir gesehen hast ; einer von den jüngsten und eifrigsten Anhängern des Sokrates . Weder ich , noch Eurybates , dessen Gesellschafter und Hausgenosse er seit einiger Zeit ist , noch Lais , die ihn wohl leiden mag , noch die holde Musarion selbst , mit deren Seele er schon Jahr und Tag in einem sonderbaren Liebesverständniß steht , vermögen etwas über die tiefe Schwermuth , die sich seiner seit dem unseligen