s Beruhigung zog sie zwei Diener ins Vertrauen , die sie beauftragte , in einiger Entfernung dem Herrn und seinem Gast zu folgen ... Der Abendwind wurde frischer ; sie sollten dem Grafen und seinem Besuche Mäntel nachtragen ... Armgart zog die Freundin in ihr Schlafgemach , dessen Thüren auf die Altane hinausgingen ... So lange wollte sie bei ihr bleiben , bis der Graf zurück wäre ... Schon allein das Bedürfniß , sich über die gebundenen Stimmungen ihrer Seelen auszusprechen , hielt sie inzwischen beide wach ... In der That hatte sich Armgart nicht geirrt ... Terschka war es - und in leichtem , unpriesterlichem Reisekleide ... Er hatte den Grafen um einen unbemerkten Empfang gebeten und demzufolge ihn draußen auf der Terrasse begrüßt ... Die Ruhe , die die Frauen am Grafen beobachtet hatten , kam von einer innersten Erkältung her , mit der er dem enthusiastischen Gruß und der beredsamen Darstellung eines abenteuerlichen Irrgangs durchs Leben vom Tage seiner Abreise nach Amerika an bis zum gegenwärtigen Augenblick gefolgt war ... Damals als ich Ihnen rieth : Greifen Sie die Urkunde an ! Sie ist falsch ! Lassen Sie jene Lucinde verhaften ! konnte alles noch anders werden ; aber Sie folgten mir nicht ! hatte Terschka , an den durch die Abreise nach Amerika unterbrochenen Briefwechsel anknüpfend , offen ausgesprochen und angedeutet , um wie viel weniger grausam ihn dann die Schläge des Misgeschicks getroffen haben würden ... Graf Hugo war auch darin eine vornehme Natur , daß er sich sogar gegen das Zweideutige und Schlechte nicht mit sofort aufwallender Entrüstung , nur mit einer Art naiver Ironie , ja einer scheinbaren Toleranz verhielt , die jedoch tief erkältend und alles Ungebührliche von sich ablehnend wirkte ... Ein sich immer gleiches entwaffnendes Lächeln lag dann auf seinen Gesichtszügen , sein wienerisch gemüthlicher Accent bekam eine ironische Schärfe , die verwirrte ... So bemerkte er auch jetzt mit einem Schein von Humor : Wirklich , mein alter guter Terschka , wenn ich Ihnen dienen kann , so sagen Sie es offen ! ... Ich bin ja reich ... Mama starb vor kurzem ... Verfügen Sie über mich ! ... Terschka kannte diese Manier , fürchtete sie und erwiderte nach einer Weile : Graf , das ist alles zu spät ! ... Was ich brauche , brauchen darf , das hab ' ich ja ... Ich muß arm bleiben , wie mein unseliges Gelübde befiehlt ... Ja , ja , Graf , ich kann nicht mehr zurück - bleibe , was ich war und - wieder bin ... O , diese Kämpfe - diese Martern ! ... Aber Graf - - Wenn Sie - Sie wollten - ... Ich ? ... Was soll ich wollen ? ... sagte der Graf ... Mit dem Ausdruck des höchsten Schmerzes stockte Terschka und sah sich um , ob niemand ihnen folgte ... Der Graf wiederholte mit dem Ton der alten Sorglosigkeit , wenn auch scharf aufhorchend , mehreremal : Sie sind also wieder Katholik , Priester , Jesuit - haben in dieser wilden Zeit - wo ? - in Tirol gelebt ? ... Unter fremdem Namen leitete ich die Erziehung der Söhne eines Grafen von Wallis in Steiermark ... Versteckten sich bei den Gemsen und auf den Eisfeldern der Tauern ... Hören Sie , da thaten Sie recht ... Ich hörte , daß Ihre alten Freunde in London einige Dolche für Sie geschliffen hatten , die Ihnen - den Tod der Brüder Bandiera heimzahlen sollten ... Sprechen auch Sie diese Verleumdung nach ? ... wallte Terschka auf und begleitete seine Rede mit den heftigsten Gesticulationen ... Durch wen sollte die Erhebung von Porto d ' Ascoli zu einer Espèce Räuberfeldzug werden ? ... entgegnete der Graf mit Schärfe und wiederholte , was durch Bonaventura und Benno ' s frühere Briefe ihm erinnerlich war ... Durch einen gewissen Boccheciampo und Jan Picard , den man aus London nach Korfu geschickt hatte , um an jener Expedition teilzunehmen ... Das Experiment misglückte ... Der Einfall fand in Calabrien statt ... Aber doch ereilte die Nemesis einen Ihrer Abgeordneten durch den Bruder Hubertus , der Ihnen , hör ' ich , schon in Westerhof eine unheimliche Erinnerung gewesen sein soll ... Was hatten Sie gegen den Mönch mit dem Todtenkopf , den » Bruder Abtödter « ? ... Ihren Sendling soll er wie den Grizzifalcone in Rom bedient haben ... Daß die Italiener doch noch manchmal vor uns Deutschen Respect bekommen ! ... Alles das schrieb Cäsar Montalto aus London an den Erzbischof ? ... entgegnete Terschka mit funkelnden Augen ... Ich versichere Sie Graf ! Es sind Lügen ... Der Graf hatte die Anklage ausgesprochen , die Terschka seit einigen Jahren verfolgte ; die Anklage , die ihn nach Amerika getrieben ; die Anklage , die ihn , aus Furcht vor den Flüchtlingen in Genf , zuletzt die Pforten des Asyls von Freiburg wieder aufsuchen , ja in den Zeiten der entfesselten Revolution sich ganz in der Welt verbergen ließ ... Der Graf that dabei so , als wenn es ihm gar nicht einfiele , Terschka ' s etwaige , höchst respectable Motive verdächtigen zu wollen ... Man verlangte damals für die Bandiera , begann Terschka , entschlossene und verzweifelte Männer ... Ich schickte einen solchen ... Es war ein Mensch , der mir in London , ich gesteh ' es , unbequem wurde ... Ich habe Ihnen nie ein Hehl gemacht , Graf , daß , ohne meine Schuld , meine erste Jugend abenteuerlich war ... Nun führte mich eine zufällige Begegnung mit einem Menschen zusammen , der sich an mich klettete , mich auspreßte , belästigte in jeder Weise ... Ich wußte ihm nichts zu bieten , als das Handgeld der Verschwörer ... Noch mehr , ich suchte diesen Picard zuerst in Londons Tavernen aus freien Stücken auf ; ich war ihm als Brandstifter von Westerhof auf der Spur ... Zwar leugnete er , vermaß sich hoch und theuer - ich setzte