von seinen Dienern zur Thüre hinauswerfen ließe ... ha , und du griffest in deine Brusttasche und zögest die Papiere hervor , die deine Behauptung beweisen , die Briefe der Fürstin ... Und dann ? dann ? ... Wenn er die Säcke Geldes nähme , die du für ihn erwarbst , in hingebender , nur vom Himmel erkannter Liebe und Aufopferung für ihn sammeltest , um der innersten Pflicht zu gehorchen , und er dies Geld vor dir hinschüttete und riefe : Da behalte , Elender , aber schweige ! Schweige oder meine Rache ist gränzenlos ... Diese Gedankenreihe , furchtbar peinigend für seinen Stolz und für sein Herz , verließ Rodewald nicht mehr , steigerte sich sogar , als der Herbst nahte , alle seine Pläne reiften , gesegnete Früchte sanken und Egon ihm schrieb , er würde bald selbst auf seinem Schlosse erscheinen , sich eine Weile von seinen Mühen ausruhen und ihm für » die guten Geschäfte , « die er mache , danken ... Rodewald kannte bei allen diesen Voraussetzungen die Natur Egon ' s , die ohne Zweifel tiefe und bedeutsame Entwickelung auch dieses Charakters noch nicht . Aber des Fürsten eisernes Walten war nicht hinwegzuläugnen . In nächster Nähe ja sah Rodewald die traurigsten Spuren davon . Sein Nachbar , der Bauer Sandrart , der Reiche , Überzufriedene , Stolze , der auf seinen Sohn so stolze Vater , wie schlich der Ärmste , zum Tod gebeugt , an einem Stabe von Haus zum Bach , vom Bach zum Hause , und blickte kaum auf , wenn man ihn grüßte : Vater Sandrart , wie geht ' s ? Was macht die Ernte ? Thut Euch der Sonnenschein gut ? Ihm that nur gut , wenn er sich die Augen wischen und Niemanden sehen konnte , als zwei Menschen , die ihm nun die liebsten auf dieser Erde geworden waren , den Jäger Heunisch und Franziska , des Jägers Nichte . Der Dritte von Denen , die er liebte , auf die er alle seine Sehnsucht nach dem einzigen , unglücklichen , unwiederbringlich geopferten Sohn übertragen hatte , der Vikar Oleander , war nicht mehr in Plessen . Es hieß , er hätte die Stelle eines Gefängnißpredigers in der Residenz übernommen . Der hatte sich recht das Schwerste unter den Ämtern der Diener am Worte auserlesen ... Und nicht , weil es der Sohn so geheißen in seiner letzten Stunde , sondern der innere Drang schon machte , daß der unglückliche , um seine liebsten Hoffnungen betrogene Vater Heunisch , den Guten und Sorglosen , und Fränzchen , die Bewährte , auch beim Nachbar Treuerfundene , wie die Seinigen annahm und erbenlos den Besitz des Sohnes ihnen vermachte . Franziska war zwischen dem Generalpächter und dem Bauer , der sie liebte wie ein Kind seines Kindes , fast so getheilt , wie einst zwischen Louis Armand und Heinrich Sandrart . Jener schrieb zuweilen von der Fremde . Der immer wiederkehrende Schmerzenston seiner Briefe lautete : Ein Meer ist zwischen uns ! Ich darf nicht in das Land , wo Sie weilen , Franziska , und Sie bindet die Pflicht , ja selbst das Glück an ein Unglück , das Sie trösten sollen und Sie mit Schätzen belohnt , die Ihre Flügel schwer macht : Gold ist schwer ... Die reiche Erbin denkt wohl des fernen Freundes nur mit Schonung . O Franziska , diese rauhe Welt ! Diese elenden Götzen der Pflicht , denen zu Liebe man so kalt morden konnte ! Das Bild steht unverwischt vor meinen Augen . Der Gute , der sterben mußte , weil ihn für Andere das Loos traf und ein Beispiel gegeben werden sollte , ein Beispiel der Abschreckung für Menschen ... Menschen ! Alle Bitten an Egon , alle Briefe der Besten blieben unerhört . Das Kriegsrecht hatte seinen Lauf , wie die Kugel ! Ich denke des Tages , wo ich in der Werkstatt bei Märtens mit ihm über den Eid sprach ! Und was muß uns trösten ? Daß das Unglück nicht allein steht , daß es eine täglich wachsende Reihe von Gräbern gibt , eines neben dem andern . Vergeben Sie , Franziska , wenn ich Ihnen , der Reichen , solche Worte schreibe ! Vergessen Sie das Loos der Armen nicht ! - Louis schrieb diesen Brief aus Antwerpen , wo er bei Siegbert verweilte und für die Einrichtung des Schlosses Tempelstein thätig arbeitete . Franziska hielt auf diese Empfindungen , deren zweifelnden Theil sie mit ihrer Feder widerlegte , wie auf ein Evangelium , aber Der , der es lehrte , war jetzt ihr verloren . Im Ullagrunde fesselte sie die ernsteste Pflicht . Das große Hauswesen des Generalpächters hatte aus der kleinen Nähterin ein Verwaltungstalent hervorgelockt , das zwar manche Personen , die um Ackermann festen Fuß zu gewinnen gehofft hatten , sehr verletzte , diesen selbst aber aufs angenehmste überraschte . Fränzchens Herzensgüte im Verkehr mit dem gebrochenen , an sie voll Wehmuth sich anklammernden Sandrart rührte alle Herzen . Und Onkel Heunisch , der taumelte gar wie in der Irre ! Die » gute « Urschel war ihm nun hin , aber seine Hunde waren ihm doch geblieben und es hieß sogar , wenn der Winter käme und er mit einem Burschen , den er sich nahm , im Amt nicht fertig werden könne , sollte ihm Drossel die beste seiner Töchter , das flinke Linchen , geben zur Führung seiner Wirthschaft ! Aber nur Franziska gab ihm rechten Ersatz für eine Lebensgewohnheit , deren Schattenseiten seinem gläubigen Sinne nie eingehen wollten ; ihm scharrte sich nichts aus der Erde heraus , unter der Jakob und Ursula Zeck schliefen , ihm kam der Glaube an den Doppelmord , den Jakob Zeck und Ursula Marzahn an seinen beiden Verlobten begingen , indem sie auf dem Gelben Hirsch Feuer anlegten und an dem Waldbache die zur Kirche gehende Tochter des Sägemüllers vom Felsen stürzten , nie zu klarem Gemüth . Die