helf ' ich mir oft mehr , als durch Worte ... So hoff ' ich , komm ' ich auch mit dem Erzbischof aus , der mir ohnehin zu allen Zeiten mehr streng als nachsichtig war ... Paula suchte der Freundin liebevoll diese Voraussetzung zu nehmen und umarmte sie ... Beide standen schön und schlank im Abendlicht ... Paula schien jetzt kleiner - doch war die Höhe der Freundinnen gleich ... Paula küßte Armgart ' s Stirn ... Wie vieles von dem , was ich in meiner Krankheit sah , ist eingetroffen , sagte sie , und nur das eine - eine Bild , wo ich dich und Benno immer nur verbunden erblickte , traf nicht zu ... Du sahst mich mit ihm auf Felsen , entgegnete Armgart , sahst mich mit ihm am Ufer des Meeres ... In jeder Gefahr war ich ihm zur Seite ... Ist das nicht alles eingetroffen ? Jetzt - bin ich auch bei ihm und bald - - bald - ... Armgart - ! unterbrach Paula die düstere Erwartung und zog die Freundin an sich , der ein Strom von Thränen entquoll ... Dann entwand sich Armgart mit stürmischer Geberde und trat an den Rand der Altane , ihr Haupt auf die hohen Vasen der Blumen legend ... Eine Weile dauerte Paula ' s beruhigendes Streicheln der Stirn , der Wangen und der Hände der Freundin ... Ein leichter Abendwind erhob sich und brachte noch würziger die Düfte der Rosen und Orangen ... Nun wandte sich Armgart und erinnerte , daß sie schon in aller Frühe aufbrechen müßten ... Sie wollten zur Ruhe gehen ... Da ist der Graf ... unterbrach sich Paula im Gehen und deutete auf den Garten ... Armgart entdeckte unter den dunklen Schatten des Schlosses , heraustretend aus einem Boskett von Lorberbüschen , die mit hochstämmigen Camellien durchzogen waren , den Grafen mit einem Begleiter ... Kaum hatte sie hingeblickt , so stieß sie einen unterdrückten Schreckensruf aus und sagte : Das ist ja - Terschka ! ... Paula hatte Terschka ' s Bild im Gedächtniß fast verloren und lehnte die Richtigkeit der Erkennung ab ... Armgart versicherte aber : Er ist es ... Verlaß dich ... Das ist sein Gang ... Das seine Art , so mit den Händen zu fechten ... Der Dämon seines Lebens - ! sprach Paula dumpf und mit einer Theilnahme für den Grafen , die die Macht der Gewöhnung über ihr Herz verrieth ... Sie konnte nicht liebevoller von einer Gefahr für Bonaventura sprechen , als jetzt von einer für den Gatten ... Der nächste Gedanke an eine für den Grafen zu befürchtende persönliche Gefahr konnte nicht lange anhalten ... Der Graf ging ruhig ... Nur der dunkle kleine Schatten neben ihm schwankte - ... Jetzt standen die Wandelnden still ... Armgart fuhr von einigen hohen Cactustöpfen der Balustrade zurück , die sie verbargen - erbebend vor dem Blick , den Terschka durch das Dunkel der Nacht auf sie herüberwarf ... Was kann er wollen ? ... fragte Paula ängstlicherregt ... Die Freundschaft , die sie für ihren Gatten empfand , ließ sie mit einem einzigen Blick die Gefahren übersehen , die im Gefolg einer solchen Wiederbegegnung eintreten konnten ... Daß Terschka zu den Jesuiten zurückgekehrt war und vielleicht in Freiburg , wo noch vor kurzem Hunderte der vornehmsten Adligen erzogen wurden , streng , doch mit offenen Armen , vorläufig - als Lehrer der Reitkunst aufgenommen wurde , hatte oft Graf Hugo selbst gesagt ... Unmittelbar nach Terschka ' s vorausgesetzter Rückkehr zum Orden brachen die Ereignisse an , die die Jesuiten von Freiburg verjagten ... Paula kannte jetzt alles , was Pater Stanislaus einst bei ihrem Gatten im Auftrag des Al-Gesú hatte sein sollen ; gerade diese Gedankengänge hatten so oft Veranlassung gegeben , im kirchlichen Glauben das Aechte vom Falschen zu unterscheiden und Bonaventura ' s Entrüstung über die seelenmörderische Thätigkeit der Jesuiten zu theilen ... ... Paula wußte , daß die verführerischen Plane des Paters an ihres Gatten gesundkräftiger Natur und Terschka ' s Mangel an Selbständigkeit scheiterten ... Was er wäre , hatte oft der Graf zu Paula gesagt , verdankte er dem Leben und - dem Tode Angiolinens , dann freilich vorzugsweise dem einen Tage , den Bonaventura mit ihm auf Schloß Salem zugebracht ... Verließ sich auch Paula auf die Wahrheit dieser Worte , so war doch schon lange ein trüber Stillstand in des Grafen Leben eingetreten ... Die unerwiderte Zärtlichkeit für seine Gattin , sein mannichfach getheiltes Herz , die jetzige Erfüllung aller seiner äußern Wünsche hatten einen Zustand der Muthlosigkeit hervorgerufen , aus dem sich emporraffen zu wollen sein fester Wille schien ... Der Tod der Mutter , die Ankunft des Obersten schien Pläne zu erleichtern , deren Ausführung nun vielleicht in die Hand - Terschka ' s gerieth ? ... Paula gerieth in die heftigste Erregung ... Armgart , aus natürlichen Ursachen selbst erbebend , konnte nicht alles übersehen , was sich so in Paula ' s Seele an Angstgedanken jagen konnte ... Aber sie fühlte die Hand der Freundin erkalten , fühlte , daß in Paula ' s Brust eine Theilnahme für den Gatten zitterte , die ihr schon lange viel mehr , als nur die Folge der Gewöhnung an ihn schien ... Staunend und ihres eigenen Schreckens nicht achtend sagte sie : Beruhige dich ! Sieh , wie friedlich beide nebeneinander gehen ... Ausgesöhnt ! ... Und - dem Walde zu ! ... sprach Paula voll Bangen ... Eben gingen der Barbe Baldasseroni und der Aelteste der Waldenser denselben Weg dem Walde zu ... Im untern Schlosse wurde es lebendig ; die Gesellschaft trennte sich , Diener waren in Bewegung ... Armgart glaubte , daß man Paula ' s Befürchtungen nicht zu theilen brauchte ... Sie stockte eine Weile , ob sie den Aeltern von Terschka ' s Nähe sprechen sollte , unterließ es aber , aus Besorgniß , daß ihnen mit dieser Nachricht die Nachtruhe geraubt würde ... Zu Paula '