aus der Rippe Adam ' s Gebornen . Sie sah weit lieber , daß sie gefiel , als daß sie abstieß oder gleichgültig ließ . Aber sie eroberte ihren Beifall nicht durch unerlaubte Mittel . Sie gab sich kein Air von Empfindungen , die ihr fremd waren . Sie schlug die Augen nicht auf , um schwärmerisch zu erscheinen , sie lächelte nicht süß , um ihre blendenden Zähne zu zeigen , sie kämpfte ihre Wallungen , ihre Meinungen , ihre kleinen Reizungen sogar nicht nieder , sondern gab sich , wie sie dachte und wie sie oft nur zu natürlich empfand . Da fehlte es an Thorheiten gar nicht , besonnener Zuspruch fand bei ihr immer zu thun . Nur kam es auf den Redner an , auf seinen Ton , seine Lehre , seine Absicht . Selma sprang mitten in eine Predigt ihres Vaters und erstickte sie mit Küssen und Thränen . Wie flogen da die braunen Locken , wie glänzten die dunkelblauen Augen , wie lieblich klangen die Schmeichelworte und wie konnte sie dann bitten , sie nur ja nicht an Dankmar zu verrathen ! Grade verrathen ! Grade , weil du den Freund täuschen willst ! sagte dann Rodewald . Nein Vater , weil er schon soviel selbst an mir zu dulden hat und weil ich ihm keinen Abscheu vor mir einflößen will ; sprach sie . Aber Dankmar duldete und trug gar nicht , wie sie fürchtete . Wenn er in seinem kurzen Sommerrock und unter seinem breitrandigen Strohhut so spät Abends mit ihr die Ulla hinauf schritt , dem stilleren Waldrücken zu , und die Cigarre weggeworfen hatte , um am Duft seiner Lippen nicht unwürdig zu erscheinen einer flüchtig erhaschten Zärtlichkeit , lächelte er nur . Er hatte eine Ruhe Selma gegenüber , die sie oft Phlegma nannte und wegen der sie ihn durch tausend kleine Neckereien in Harnisch zu bringen suchte . Es gelang ihr aber nicht . Dankmar setzte allen ihren Seitensprüngen von der geraden Straße der Langenweile und Monotonie , an der die sogenannten gediegenen Frauennaturen oft bis zum Nichts zu Grunde gehen , nur ein ruhiges ergebenes Lächeln entgegen , nicht etwa das träge Lachen des Phlegma , sondern ein Lächeln , von dem Selma einmal in wirklichem Zorn sagte : Und meinem glühendsten Behagen streckst du die kalte Teufelsfaust entgegen ! ( Sie hatte eben Göthe ' s Faust zum ersten Male kennen gelernt ; ) aber der Vater nannte dies Lächeln der Überlegenheit den höchsten Sieg , den die Majestät der Leidenschaft , die Löwenhoheit einer bedeutenden Natur , über sich selbst gewinnen könnte . Da zerfloß sie denn in Liebe und schmiegsame Anmuth . Dankmar besaß in Selma eine Natur . Von der Lüge der Salons , von der Prüderie der üblichen Erziehung war ihr nichts angeweht . Sie stand im unmittelbarsten Verkehr mit den Dingen , wie sie sind . Und viele hüteten sich vor ihr ; die Schlechten , die Trägen , die Lügner gewiß . Gewisse Mittlere schwankten noch . Aber die Guten trugen sie auf den Händen , nannten sie einen Engel und priesen Den glücklich , der sie einst gewinnen würde . Daß dies schon des Generalpächters hübscher Schreiber war , sah man nicht . Das Glück dieser stillen , verschwiegenen Liebe und eines süßen , heimlichen Trostes für manche grobe äußere Mühe , der sich Dankmar des Scheines wegen unterziehen mußte , wurde nur gestört durch den Hinblick auf die Zeit und Egon ' s Art sie zu lenken . Verschiedenartig wirkte diese schmerzliche Erfahrung . In Dankmar war es der beleidigte getäuschte Freund , der die Möglichkeit eines solchen Irrthums , solcher trügerischen Voraussetzungen , wie sie bei dem Fürsten Egon stattgefunden , in einem Menschen kaum begreifen konnte . In Rodewald dagegen war es noch ein herberer Schmerz . Er konnte wohl zu Dankmar sagen : Sieh da die Macht der Umstände , den furchtbaren Zwang der Stellungen ! Aber was er selbst innerlich fühlte , war noch ein Anderes . Egon von Hohenberg stand ihm durch die dunkelsten Verirrungen seines Lebens so nahe ! Er bereute jene Tage nicht , in denen diesem jetzt gereiften jungen Manne das Leben gegeben wurde ; sie waren ihm nur von Wehmuthsschleiern überwoben . Könnten diese Schleier je sich heben ! hatte er gedacht , könnte je das helle Licht der Sonne und der Wahrheit bescheinen und an den Tag bringen , wer du diesem jungen , so rauh über die Erde fahrenden Staatenlenker sein könntest ! Er dachte sich , wenn du nun einst einmal vor ihn hinträtest ! Wenn er dich empfangen wird , hier im Schlosse oder in der Residenz , falls er deine Gegenwart wünscht , und nun steht er gnädiglächelnd , leidlich wohlwollend , vielleicht aber auch gereizt , vielleicht streng vor dir ? Wenn er wüßte , daß du Dankmar Wildungen bei dir aufnahmst ? Wenn er wüßte , warum du dich jetzt Rodewald nennst und wie du auf diese Wandelungen deines Wesens gekommen bist ? Pauline von Harder , ( die einzige , deren Leben Rodewald fürchtete ) diese dir jetzt so Verbundene , sie wird nie , nie sagen , daß du mein Sohn bist , aus Haß gegen die Mutter nicht ! Und sonst kennt keine Seele die Tage von Landeck vor dreißig Jahren . Ich und du ! Du und ich ! Wir Beide durch ein Geheimniß verbunden ! Wenn ich es ausspräche , wenn ich im Zorn über deinen Stolz , deinen Hochmuth , deinen Dünkel , deine Unsittlichkeit , deine Herzlosigkeit , deine männliche Schwäche , die eine Melanie Schlurck zur Fürstin von Hohenberg erheben konnte - und diese That kommt nicht aus meinem Blute , nicht aus dem Blute des Plebejers , der mehr Stolz hat als du - wenn ich mich hinreißen ließe und Vaterrechte geltend machen wollte , wenn auch nur unter vier Augen ... Und dann ? dann ? ... Wenn dieser junge Tyrann dich