verscheuchen , wenn du wieder in deinem Hause in Coni bist ! ... Ich glaube nicht , daß dir für immer die hiesige Welt behagen könnte ... Der Graf und ich , erwiderte Paula im Gegentheil , wären dennoch lieber hier ... Aber müssen auch wir nicht in Coni um den Freund erbangen ? ... Oft ist uns , als könnte sein Lebenslicht in Einer Nacht erlöschen ... Nenne sie nicht beide zusammen ! ... fiel Armgart ein ... Dann schwieg sie lange und sagte entschuldigend : Benno liebte fast zu sehr seine Mutter ... In ihr liebte er Italien ... Italien ist ein Gift ... O diese Mutter ! ... Sie trägt die Schuld an allem ... Sie hat ihn auch jetzt getödtet ... Paula hörte , was schon so oft von den Freundinnen besprochen worden ... Sie kannte die Mutter Benno ' s nur aus den Schilderungen , die Bonaventura und Lucinde von ihr gegeben ... Die aus dem Munde der letztern gekommenen waren wenig vortheilhaft für die Herzogin von Amarillas - auch Angiolinens , ihres Kindes Schicksal hinderte den Grafen , mit besonderer Anerkennung von ihr zu sprechen ... Alles das waren schmerzliche Erinnerungen , wehmüthige Vorstellungen für beide ... Armgart bekämpfte sich , schwieg und setzte sich , ihr Haupt aufstützend , auf einen der gußeisernen Sessel , die unter einem zeltartigen Dach von gestreiftem Zeuge standen ... Nach einer Weile fragte sie : Wer mag den Grafen so spät noch abgerufen haben ? ... Man entdeckte den Grafen nicht ... Vielleicht war er weiter hinaus in den Garten gegangen , der offen , in nächtlicher Stille und mit seinem berauschenden Dufte vor ihnen lag ... Paula sagte , sie brauchten wol über das Verbleiben des Grafen keine Besorgniß zu hegen ; sie setzte sich zu Armgart , die es beklagte , dem Erzbischof zu morgen kein würdiges Geschenk bringen zu können ... Wol mochte sie inzwischen an den Aschenbecher gedacht haben , den sie einst Benno gegeben ... Paula sagte : Dich selbst wieder zu sehen , wird ihm die liebste Gabe sein ... Wie fürcht ' ich seine Begegnung mit meinen Aeltern ! ... fuhr Armgart fort ... Paula bestätigte diese Furcht , wenn sie sagte : Oft spricht der Freund : Auch wenn zwei dasselbe sagen , ist es darum noch nicht dasselbe ! ... Sie deutete damit den verschiedenen Grund an , auf welchem von beiden Parteien das Leben der Kirche gebessert werden sollte , setzte aber begütigend hinzu : Aber auch mein Glaube ist schon längst , daß alles , was wir zu sehen und zu begreifen wähnen , eine Täuschung ist ... Ist das ein Haus ? Sind das Berge ? Wir nennen es so ... Das mein ' ich nicht ! widersprach Armgart ... Die Verstandeskräfte , die uns nun einmal gegeben sind , sind unsere sichern Wegweiser ... Wir haben gar kein Recht , ihnen zu mistrauen ... Für uns ist wahr , was sie sagen ... Gibt es eine andere Wahrheit , so kommt sie uns gar nicht zu ... Waren es die gewöhnlichen Sinne , die mich einst bei wachem Auge schlafen und wachen ließen bei geschossenem ? entgegnete Paula ... Damals als dem heiligen Stuhl meine Angelegenheit vorgelegt und mein Zustand verurtheilt wurde , glücklicherweise ohne Nachtheil für Bonaventura , hab ' ich ein Heft in die Hand bekommen , wo vieles verzeichnet stand , was ich gesprochen haben soll ... Als ich alles das las , war mir ' s doch wie einem Menschen , der sich an den Glauben gewöhnen soll , schon einmal vor seiner Geburt gelebt zu haben ... Das glauben freilich auch viele und trauen dem Schöpfer die Armuth zu , den Stoff , aus dem er Menschen bildete , so sparsam aufbewahren , so vorsichtig verwerthen zu müssen ... Armgart gedachte lächelnd des Dechanten , dem sie Gleiches gesagt , als er sie in einen Vogel verwandelt prophezeite ... Ich las damals , fuhr Paula fort , daß aus mir heraus eine Macht gesprochen hätte , die Frau von Sicking die des Teufels nannte ... Meine angebliche Wunderkraft , die Kraft des Gebets verlor sich in der That ; schlimme Sagen wurden über mich verbreitet ; als ich gar den lutherischen Grafen ins Land zog , erlosch an mich der Glaube ganz ... Nun sah ich , was mein Traumreden war ; es war die stille Ansammlung von tausend unausgesprochen in mir lebenden Urtheilen und die für sich selbst fortarbeitende Unruhe des Geistes , der seine Eindrücke wider Willen aussprach ... Ich sah einen neue Himmel und eine neue Erde ; warum ? Weil ich eine Welt haben wollte für mich und Bonaventura ... Ich sah die Kirchenväter ; sie schlugen andere Bücher auf , als die wir kennen , lesen und befolgen sollen ... Ich sprach , zumal aus der Seele deines Vaters , Dinge , die ich glaube jetzt auch ohne Hellschlaf verkünden zu können - freilich fehlt mir der Trieb dazu ... Die Sprache , die deine Mutter redet , ist die nicht , die ich dann wählen möchte ... Doch glaube mir , Armgart , auch der Erzbischof denkt wie deine Aeltern ; oft verheißt er Zeiten der größten Umgestaltung - nur müsse die Kraft , die sich dann bewähre , eine gesammelte und vorbereitete sein ... Rüste dich , manches an ihm zu entdecken , was dich überraschen wird - ... Dem Gedanken , meine Aeltern zu versöhnen , sagte Armgart , hab ' ich meine Jugend geopfert und es scheint , mein ganzes Leben wird diesem Opfer folgen ... Trennen kann ich mich nicht mehr von dem milden und gütigen Sinn des Vaters und dieser wieder hat alles in der Mutter , was ihm sein Leben noch zur Freude macht ... Was ihn sonst an ihr verletzte , gerade das ist jetzt seine Erhebung geworden ... Beide seh ' ich treuverbunden und darum trag ' ich alles und murre nicht und durch Schweigen