mehr . Mit dem feinen Ohr aller Hoch- und Höchststehenden , unterschied er in dem Zujauchzen der Menge die Grade der Verehrung und mußte sich sagen , was auch tatsächlich zutraf , daß es ein » Mehr « gab , das ihm nicht zuteil wurde . Dies war und blieb der schmerzliche Punkt . Es war ihm nicht genug , als ein wiedererstandener Blücher , der » Verwalter des Schlachtfeldes « ( wie es im Liede heißt ) zu sein , er rang auch nach dem Ruhme des Schlachtendenkers und litt unter der Vorstellung , auf diesem Gebiete günstigstenfalls als ein zweiter angesehen zu werden . Aller Ruhm , der der Schärfe seines Blickes und der Raschheit und Energie seiner Entschlüsse gezollt wurde , ließ ihn nicht vergessen , daß die Welt mehr Bewunderung für die große Strategie von Sedan , als für die Kühnheiten und Opferritte von Mars la Tour hatte . Solche Gefühle gehegt zu haben , ist menschlich verzeihlich , aber es ist größer und glückbringender , sie bezwungen zu haben . Auch sein Vetter , der Kronprinz , war kein erster in der Welt der Strategen , aber es ist nicht bekannt geworden , daß ihm das Gefühl , von einem Genius überflügelt zu sein , jemals die Freude des Daseins getrübt hätte . Diese Bemerkungen , die meiner dankbaren Verehrung für den Prinzen wahrlich keinen Abbruch tun , decken sich , soviel ich weiß , mit den Anschauungen weitester militärischer Kreise . Sollte dies aber nicht der Fall sein , so werd ' ich , wenn ich von besser unterrichteter Seite her in diesem heiklen Punkte rektifiziert werden sollte , gerne Veranlassung nehmen , meinem irrtümlichen Urteile das fachmännisch richtige gegenüberzustellen . 10. Kapitel 10. Kapitel Dreilindens Umgebung Dreilinden ist , nach allen Seiten hin , von landschaftlich und historisch anziehenden Plätzen , darunter Pfaueninsel , Kohlhasenbrück , Jagdschloß Stern , Klein-Machnow , Gütergotz ( jetzt von Bleichröderscher Besitz ) umgeben . In engerem Kreise liegen : Benschs Grab , Kleists Grab , Stolpe ( mit der Stolper Kirche ) und die Kirche von Nikolskoe . Diesen vier Punkten wenden wir uns zum Schlusse zu . 1. Benschs Grab Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch ( siehe Seite 321 ) , der eigentliche Schöpfer , der erst später , 1865 , zum » Rittergute Düppel « erhobenen Kolonie Neu-Zehlendorf , hing an dieser seiner Schöpfung derart , daß er , trotzdem er sich 1856 derselben entäußerte , doch auf ihr begraben sein wollte . Das geschah dann auch und zwar in unmittelbarer Nähe von Dreilinden . Benschs Grab , wie im Volksmunde die Stelle heißt , ist nicht bloß ein Grab , sondern ein Friedhof und besteht aus zwei mitten im Walde gezogenen Kreisen , einem weiteren Laubholz- und einem engeren Nadelholzkreis , in dessen Mittelpunkte sich ein holzumgittertes , großes und von einem alten Lindenbaum überschattetes Familiengrab befindet . Alles von Efeu dicht überwachsen und voll jenes eigentümlichen Zaubers , den immer nur die Begräbnisplätze haben , die sich von aller Kunst fernzuhalten und sich statt dessen an die Natur möglichst eng anzuschließen wissen . Es hat das allertiefste Zusammenhänge mit dem » Wieder zu Erde werden « , ein natürlicher Prozeß , den wir so wenig wie möglich gestört sehen wollen . Die mehr oder minder zwangvoll herangezogene künstlerische Betätigung , die , je nachdem , ins Museum oder in die Kapelle gehört , wird draußen wie Disharmonie . Keine gegossenen Kreuze , mit dem Schmetterling oder dem Engel mit der gesenkten Fackel darauf , haben mich je so tief bewegt , wie die Feldsteingräber in Jütland und Schleswig , oder hier dies unter Bäumen geborgene » Benschsche Grab « . Unvergeßne Stunde , die mich in seine mystisch gezogenen Kreise führte ! Die Dämmerung war gekommen , eine Himbeerhecke duftete , tiefer im Walde schlugen die Nachtigallen und die Mondessichel ( ein Ring , eine Linie nur ) stand hoch über uns im Blauen . 2. Kleists Grab Ein noch größeres Interesse weckt das etwa tausend Schritt von Dreilinden , unmittelbar am kleinen Wannsee gelegene Grab von Heinrich von Kleist . Erst der Prinz erwarb diesen Uferstreifen . Die Stätte selbst ist seit Eröffnung der in geringer Entfernung vorüberführenden Grunewaldbahn eine vielbesuchte Pilgerstätte geworden und in schöner Jahreszeit vergeht wohl kein Nachmittag , an dem nicht Sommervergnüglinge von Station Neu-Babelsberg her aufbrächen , um , am Wannsee hin ihren Weg nehmend , dem toten Dichter ihren Besuch zu machen . Der Weg von Dreilinden her aber ist ein andrer und mündet erst in verhältnismäßiger Nähe von » Kleists Grab « in einen sowohl dem Neu-Babelsberger wie dem Dreilindner Wege gemeinschaftlichen , von Werft und Weiden umstandenen Wiesenpfad ein , der auf die ( wie schon hier bemerkt werden möge ) sich dem Auge völlig entziehende Begräbnisstätte zuführt . An eben erwähntem Einmündungspunkte gesellt ' ich mich einer » Partie « zu : vier Personen und einem Pinscher , die , den Pinscher nicht ausgeschlossen , mit jener Heiterkeit , die , von alter Zeit her , allen Gräberbesuch auszeichnet , ihre Pilgerfahrt bewerkstelligten . Es waren kleine Leute , deren ausgesprochenster Vorstadts- und Bourgeoischarakter mir , in dem Gespräche , das sie führten , nicht lange zweifelhaft bleiben konnte . Die Tochter ging ein paar Schritte vorauf . » Er soll ja so furchtbar arm gewesen sein « , sagte sie mit halber Wendung , während sie zugleich mit einem an einer Kette hängenden großen Medaillon spielte . » Solch berühmter Dichter ! Ich kann es mir eigentlich jar nich denken . « » Ja , das sagst du wohl , Anna « , sagte der Vater . » Aber das kann ich dir sagen , arm waren damals alle . Und der Adel natürlich am ärmsten . Und war auch schuld . Denn erstens diese Hochmütigkeit und dann dieser Kladderadatsch und diese Schlappe . Na , Gott sei Dank , so was kommt nich mehr vor . Davor haben wir jetzt Bismarcken .