die Jesuiten walten zu lassen ... Jede Bibel , die in eines Katholiken Hand gefunden wurde , wurde verbrannt ... Pater Speziano wagte aus der Schweiz nach Coni zu schreiben , er würde mit acht Priestern , fünf Scholaren und sieben Laienbrüdern zu San-Ignazio wieder einziehen und getrost das Martyrium des Kerkers erdulden ... Beichtstuhl , Schule , Pensionat , Universität , Oberaufsicht der Nonnenklöster , Missionspredigt , die ganze Richtung vorzugsweise dieses freisinnigen Staates sollte aufs neue zu einem äußersten Kampf den Fehdehandschuh hingeworfen erhalten ... Nun war Rom gefallen und die Einnahme der ewigen Stadt das Signal für die Rückkehr aller alten Positionen Fefelotti ' s ... Das Interesse an Ruhe und Ordnung blieb allerdings bei den Possidenti das überwiegende ; selbst bei den Waldensern , größtentheils fleißigen und wohlhabenden Bauern ... Verwünschungen genug wurden gegen Garibaldi ausgestoßen , der den nur unnützen Widerstand durch das Sprengen der Tiberbrücken um einige Tage hatte verlängern wollen ... Abendlich las man die Schilderungen aus dem » Monitore Romano « , wie die einrückenden Soldaten zwar mit Zischen und den Rufen : » Nieder mit den Pfaffen ! Nieder mit den Fremden ! « empfangen wurden ; aber das Drama der Befreiung Italiens von äußern und innern Feinden hatte ausgespielt ... Die Vertheidiger Roms hatten den Versuch gemacht , sich nordwärts durchzuschlagen ... Dort kamen ihnen die Colonnen der Oesterreicher entgegen ... Man erstaunte , wie Garibaldi die Trümmer seines kleinen Heeres noch bis nach San-Marino führen konnte , wo dann alles sich auflöste und wohin irgend möglich zu entkommen suchte ... Die ersten Acte der wiederhergestellten Priesterherrschaft wurden oft besprochen ... Die flüchtigen Jesuiten , hörte man , waren im Al-Gesú wieder eingezogen ... Statt des Monitore kam wieder das alte censurirte » Diario « ... Auch Gräfin Sarzana , las man , kam nach Rom ... In den Todtenlisten , die allmählich bekannt wurden , befand sich ihr Gatte als Gefallener ... Eines Abends wurde unter den Verwundeten auch Cäsar von Montalto genannt ... Die Gesellschaft befand sich gerade am Vorabend des Bonaventuratages , an dem in erster Morgenfrühe der Graf , Armgart und Paula nach Coni reisen wollten , im großen Speisesaal , als aus den Zeitungen diese Nachricht vorgelesen wurde ... Das Gespräch war bunt durcheinandergegangen ... Einigen Gutsbesitzern der Umgegend , die von Monika ' s Stellung zur Kirche keine rechte Vorstellung hatten und von Hoffnungen sprachen , die man noch auf Se . Heiligkeit und dessen persönlichen guten Willen setzen dürfte , hatte diese geradezu erwidert : Solche Menschen sollen erst noch geboren werden , die , wenn sie von Natur eitel sind , ertragen , daß man ihnen auch nur eine einzige ihrer gewohnten Huldigungen entzieht ... Solche Naturen schmollen ewig , wie die Koketten , die uns ein Wort über ihren Teint nicht vergeben können ... Von Dem erwarten Sie nichts mehr ... Paula war wegen Benno ' s aufgestanden ... Armgart erblaßte sogleich und saß still in sich versunken ... Graf Hugo nahm die Zeitungen , aus denen Baldasseroni vorgelesen hatte und wiederholte voll Schmerz : Also - Cäsar Montalto - verwundet ... Der Vater , die Mutter sahen auf Armgart ... Paula wollte sich der Freundin hülfreich erweisen ; denn langsam erhob sich jetzt Armgart ... Man konnte zum Glück hinter der Theilnahme für eine Störung , die dem Grafen wurde , die Betroffenheit verbergen ... Diesem hatte man eben einen Brief überbracht , mit dem Hinzufügen , auf der Terrasse draußen harre der betreffende Herr , der ihn abgegeben , und wünsche den Grafen selbst zu sprechen ... Graf Hugo hatte die wenigen Zeilen des Billets wieder und wieder überflogen und stand halb auf dem Sprunge , zu gehen , halb kämpfte er mit sich zu bleiben - ob aus Theilnahme für Benno , ob aus Interesse für Armgart , ob vor Erstaunen über den Brief , ließ sich nicht unterscheiden ... Erst auf Paula ' s an ihn gerichtete Frage , wer so spät ihn noch zu sprechen käme , faßte er einen Entschluß ... Der sonst so Aufmerksame erwiderte seiner Gattin kein Wort ... Wie abwesend verließ er den Saal ... Die übrige Gesellschaft fand in alledem kein Arg und blieb noch beisammen ... Angeregt plauderte man durcheinander , auch nachdem Paula und Armgart sich entfernt hatten ... Stumm , doch innig theilnehmend hatten ihnen die Aeltern nachgeblickt , blieben aber um so mehr im Saale , als jetzt auch der Graf fehlte ... Nur durch einige Zimmer brauchten die Freundinnen zu schreiten , um auf eine Altane zu treten , von der sich in den Garten blicken ließ ... Es war ein milder Juliabend , der nach brennender Hitze des Tags die sanfteste Kühlung brachte ... Der Mond , dessen vollen Strahl Paula noch immer vermied , war im abnehmenden Licht ... Nur die Sterne erhellten die stille Nacht und weckten , wie sie so dicht auf der Höhe der Seealpen lagen , Sehnsucht in die Ferne , Sehnsucht nach dem großen jenseitigen Meer ... Die Terrasse , auf die Graf Hugo hinausgerufen , lag unter der Altane zur Seite und stieß an ein offenes Gewächshaus , in das man eintreten konnte , um sich , wenn man wollte , dort auf Ruhebänken behaglich niederzulassen ... Benno verwundet - ! sprach jetzt Paula und zog liebevoll die tiefergriffene Freundin an die Brust ... Alles geht hin - ! Was bleibt übrig ! ... hauchte Armgart leise und schien gefaßt ... Wird er sterben ? ... lehnte Paula ab ... Ich begrub ihn längst - erwiderte Armgart , mit sich kämpfend , um nicht , wie sie sagte , - » thöricht « zu erscheinen ... Eine Thräne aber perlte an ihrem Auge ... Die Freundin küßte ihre Stirn ... So lagen sie eine Zeit lang aneinander ... Vom Saale herüber erscholl wieder die lebhafte Unterhaltung der Gesellschaft ... Wie wird dir ' s wohl thun , begann Armgart , um mit Gewalt die Gedanken an Benno zu