in Träumereien ans Licht treten . Er liebte die See aber auch als die Brücke zu fernen Weltteilen , die von seinem Tatendrang und seiner Phantasie mit unverlöschlichen Reizen ausgeschmückt wurden . Wenn dem Prinzen Friedrich Karl nicht eine höhere Mission , seinem eigenen Lande gegenüber , zugefallen wäre , so wüßt ' ich auch in der Tat nicht , wo sein Löwenmut , sein großer Verstand , seine Empfindsamkeit und sein gestählter Körper bessere Ziele hätten finden können , als in der Erforschung unbekannter Länderabschnitte . Doch in diesem Punkt mußt ' er Entsagung üben . Er erkannte die Notwendigkeit der Schranken an und konnte doch die Wünsche nicht vergessen . Und da lagerte sich denn wohl die Wolke des Unmuts auf seine Stirn . Allgemein gekannt und gewürdigt ist nur das , was der Prinz als Heerführer leistete , sein inneres Wesen aber hat sich nur Wenigen erschlossen und ist deshalb fast ein Geheimnis geblieben . Daß es so war , lag in dem Charakter des Prinzen . Popularität war ihm wesenloser Schein . Nicht in der Akklamation der Menge sah er den Lohn seiner Taten , sondern in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht . Ja mehr , er gehörte zu denen , die eine verhängnisvolle Freude daran haben , ihre edlen Seiten hinter schroffem Auftreten zu verbergen und im Bewußtsein ihres Wertes und ihrer Taten fremdes Urteil entbehren zu können glauben , während sie doch in Wirklichkeit davon affiziert werden . Derartigen Charakteren wird man nur gerecht , wenn Ehrerbietung , Treue , Dankbarkeit dem Verständnis den Weg bahnen . Aus meiner Gesinnung habe ich das Recht , aus meinen Erlebnissen die Möglichkeit entnommen , über den Prinzen Friedrich Karl zu sprechen . Ein banaler Panegyrikus würde sich nicht ziemen . Ein starker Wille und ein weiches Gemüt bildeten die Angelpunkte in dem Charakter des Prinzen . Diesen Willen an großen Taten zu erproben , war ihm ebenso sehr Bedürfnis , wie sein Gemüt in Sympathie zu sonnen . Alles was er tat , tat er mit Energie . Fest halten und Durchführung einmal gefaßter Entschlüsse , das war der vielleicht hervortretendste seiner Züge . Seiner Antipathien Herr zu werden , ward ihm schwer . Aber wie leicht wog das neben der Treue , die er übte . Wen er seiner Freundschaft oder seines Schutzes wert erkannt hatte , den konnte nichts aus seinem Herzen reißen . Sein rascher Geist forderte schnelles Verständnis und wenn er dies nicht fand , so verbarg er seinen Unmut nicht immer . Für sein Handeln und Denken war stets das aut aut maßgebend . › Triumph oder Untergang , aber kein Kompromiß ‹ , das wäre das Feldgeschrei des Prinzen in dem Kampf des irdischen Daseins gewesen , wenn nicht ein zwiefaches Pflichtgefühl : das des preußischen Soldaten und das des preußischen Prinzen , diesen Ruf unterdrückt hätte , wo es galt , einem höheren Willen Folge zu leisten . Aus diesem Pflichtgefühl zog er aber auch alle Konsequenzen . Er faßte den königlichen Dienst so auf , daß die Sache der Person übergeordnet sei . Manche militärische Karriere hat der Prinz mit ruhiger Hand gebrochen , sobald die schlagfertige Tüchtigkeit der Armee ihm ein solches Opfer abforderte , dieselbe Hand , welche in stiller Heimlichkeit bedrängten Offiziersfamilien , den Witwen und Waisen alter Soldaten so reichlich gab ! Denn der Wohltätigkeitssinn des Prinzen übersprang nur zu gern die Grenzen , welche schließlich auch einem fürstlichen Haushalte gezogen sind . Hier waren sie sogar enger gezogen , als gemeinhin bekannt ist , und erst von 1883 ab trat eine Wandlung zum Besseren ein . Zu allen Zeiten aber stand des Prinzen Bereitwilligkeit zu helfen im Bunde mit der Scheu , daß die Welt um seine Wohltaten wisse . In reicher Fülle hatte die Vorsehung dem Prinzen ihre Gaben verliehen ; nicht allein dadurch , daß sie ihn auf eine Höhe stellte , wo nur Wenige wandeln , sondern auch dadurch , daß sie eine Summe herrlicher Kräfte in ihn legte . Aber seine Tugenden waren so gewählt , daß sie ihrem Träger oft Leiden bereiteten . Er empfand die Wirkungen um so schmerzlicher , je tiefer , je zarter besaitet sein sonst so starkes Gemüt war und › so mischten sich die Element ' in ihm , daß die Natur aufstehen konnt ' und sagen : dies war ein Mann . ‹ Und dennoch geht ein wehmütiger Zug durch den Lebensabend dieses Helden und das letzte Telegramm , das er einem Freunde sandte , lautete : › Bedenke , Mensch , daß Du von Staub und Asche bist und wieder Staub und Asche werden sollst ! ‹ « * So Güßfeldt . Man wird ihm in allem , was er pietätvoll zum Lobe des Prinzen sagt , zustimmen und doch zugleich der Meinung sein dürfen , daß ( eben aus Pietät ) manches Wichtige verschwiegen oder mit leichter Hand berührt worden sei . Der Prinz erinnert in vielen Stücken an den Rheinsberger Prinzen Heinrich . Dieser hatte freilich die Formen des vorigen Jahrhunderts , aber dies schuf mehr einen scheinbaren als einen wirklichen Unterschied . Ich mag mich nicht in Einzelpunkte verlieren ( unter denen übrigens einige wichtig genug sind ) und beschränke mich darauf , dem tiefsten Quell seines Unmuts nachzugehen : dem ihn verzehrenden Gefühl , in seinem militärischen Verdienste nicht ausreichend gewürdigt worden zu sein . Ich möchte behaupten , daß der Prinz – so guten Grund er haben mochte , sich anderweitig bedrückt und zurückgesetzt zu fühlen – in speziell dieser bitteren Empfindung in seinem Rechte war . Er war durch Jahrzehnte hin der Abgott der Armee , der eigentliche Soldatenprinz , und die höchsten Ehren , die seinem unbestreitbaren Verdienste verliehen werden konnten , wurden ihm verliehen : er war Feldmarschall und Armeeführer und trug Ordensauszeichnungen , die für ihn und seinen Mitbewerber im Ruhm , den Kronprinzen , eigens ins Leben gerufen waren . Heer und Kaiser sind ihm nichts schuldig geblieben . Aber er verlangte