den feineren Rücksichten der Geselligkeit und Eleganz , führt dieser Congregation des Sacré Coeur alle jungen weiblichen Herzen zu ... Mütter , oft bereuend , was sie selbst in ihrem Leben verschuldeten , glauben in ihren Töchtern durch so zeitige Fürsorge alles nachholen zu können , was sie an sich selbst versäumten ... So strömte auch in Genua und Turin die weibliche Jugend den Herz-Jesu-Damen zu ... Zweigvereine bildeten sich unter dem Namen der » Dorotheïnerinnen « bei den Frauen , der » Raffaëliner « bei den Männern , der » Leonhardiner « unter den Klerikern ... Die obere Leitung aller dieser weitverzweigten und auf ein System gegenseitiger Ueberwachung ( in den lieblichsten Ausdrücken , als : » Bewahre dir den Duft der geistlichen Blume zur einstigen festlichen Ausstellung am Altare ! « d.h. : Lebe so , daß es dich nie verdrießen wird , in den Conduitenlisten von andern nach deiner geistlichen Aufführung beurtheilt zu werden ! ) begründeten Genossenschaften hatten die Superioren der Jesuitenklöster ... Ihnen gehörte das Beichtbedürfniß , Tod und Leben dieser Seelen und ihres ganzen Anhangs ... Die Stadt , das Land wußten , wie nahe der Erzbischof von Coni wiederum bei den äußersten Gefahren für seine Stellung angekommen war , als die neue Aera der Hoffnungen Italiens anbrach ... Schon vorher war eines Tages Lucinde - sie zählte nun schon dreißig Jahre - in Coni erschienen und hatte , man sprach wenigstens so , dem Erzbischof aus Rom die ernstesten Warnungen gebracht ... Die Leiden , die ihm dieser fast ein Vierteljahr dauernde Aufenthalt Lucindens in Coni zuzog , gehörten seinem Innenleben an und konnten nur von wenigen verstanden werden ... Graf Hugo war es , der die Gräfin Sarzana damals mit Gewalt aus der Gegend vertrieb ; er erinnerte sie an Nück und den Mordbrenner Picard ... Hier erst erfuhr die kleine genfer Colonie , daß Lucinde von hier nach einem Abend verschwunden war , wo auf Castellungo im Kreise der alten Gräfin , die sie nur widerstrebend empfangen hatte , die Rede auf den Bruder Hubertus kam , der noch im Silaswalde beim Eremiten Federigo leben sollte ... Man hatte erfahren , daß Hubertus einen der Verräther der Brüder Bandiera entdeckt und in seinem wilden Zornesmuthe gerichtet haben sollte - einen Belgier oder Franzosen , den die Emigration aus London absandte , um von Korfu aus die Bandiera zu unterstützen ... Viele behaupteten - erst jetzt erfuhren dies die alten Bewohner Witoborns - daß dieser Genosse Boccheciampo ' s6 jener Jan Picard gewesen , der ohne Zweifel den Schloßbrand in Westerhof angelegt und damals spurlos verschwunden war ... Allen schien ein Zusammenhang Lucindens mit diesen Vorgängen erwiesen ... Graf Hugo lehnte die Aufklärungen ab , die von ihm den Freunden gegeben werden konnten ... Man drängte in ihn ... Erst als sogar Terschka ' s Name als dessen , der jenen Picard der Emigration empfohlen und später Vortheile vom Scheitern der Expedition gezogen haben sollte , mitgenannt wurde , brach man von den dunkeln , Monika , den Obersten und Armgart erschreckenden Vorgängen ab ... Von Gräfin Sarzana sah man wol , daß ihr Muth , ja ihre Keckheit , auf Castellungo zu erscheinen , ihr theuer zu stehen gekommen war ... Paula behandelte sie mit Artigkeit , der Graf aber nur als eine Störerin der Ruhe seines Freundes Bonaventura und die alte Gräfin vollends wandte der Apostatin den Rücken ... Statt ihrer erschien dann die rechte Hand Fefelotti ' s selbst , Abbate Sturla aus Genua ... Die Welt erzählte sich , daß Sturla ' s erster Besuch beim deutschen Erzbischof einige Stunden gedauert und bei diesem eine Aufregung hinterlassen hätte , die ihn mehrere Wochen aufs Krankenlager warf ... Bald nach Sturla ' s Abreise gingen dunkle Gerüchte von einer neuen Reise des Erzbischofs nach Rom , ja von baldiger Niederlegung seiner hohen Kirchenwürde , von seinem bevorstehenden Eintritt in den Benedictinerorden und seinem Uebergang in ein deutsches Kloster ... Da brach die neue Aera an ... Abbate Sturla , der inzwischen in Turin und Mailand gewesen ( auch hier war der Erzbischof ein Deutscher7 ) und über Coni nach Genua zurückkehren wollte , predigte in Robillante ... Sturla erlaubte sich am Schluß seiner Rede gegen das in wenig Wochen umgewandelte Rom die Wendung : » Laßt uns beten für das Seelenheil des Heiligen Vaters ! Laßt uns beten , daß Gott ihn vor dem Schicksal , ein Atheist zu werden , bewahren möge ! « 8 Da verlangte Bonaventura , daß der Bischof von Robillante dem Abbate die Kanzel verbot und zeigte den Obern desselben in Genua an , Sturla schiene ihm dem Wahnsinn nahe gekommen und müßte angehalten werden , sich Geistesübungen zu unterwerfen ... Sturla floh mit der wachsenden Bewegung nach Frankreich und Spanien9 ... Nach einer wilden , an Hoffnungen und ebenso vielen Täuschungen reichen Zeit , wo namentlich Graf Hugo in der größten Aufregung lebte und unter dem Druck seines politischen Doppelverhältnisses bis zu sichtlicher Verzweiflung litt , war Sturla der erste , der in Genua wieder die alten Umtriebe begann ... Noch ehe die Franzosen im Kirchenstaat landeten , erhob schon die Reaction ihr Haupt ... Was sich zwei Jahre wie die Schwalben im Sumpf versteckt gehalten , flog wieder auf ... Die Dorotheïnerinnen hatten sich in Pisa , in der Nähe von Florenz , niedergelassen ... Die Leonhardiner suchten wieder die Priester für das Gelübde der » Ignoranz « zu gewinnen ... Die Raffaëliner waren jene füßliche Bruderschaft , die dem Rosenbunde Schnuphase ' s entsprach , sich und andere als Blume pflegte und begoß und die kleinen Insekten der Fehler und Sünden , die etwa dem Wuchs der Nachbarblüte gefährlich werden konnten , in Form von Angebereien , letztere in kleine beschriebene Zettel gewickelt , in eine monatlich am Altar aufgestellte Büchse warf ... Diesen Bündnissen gehörte der mächtigste Einfluß auf die politischen Wahlen für Staats- und Gemeindeleben ... Nach Toscana kehrte eine Dynastie zurück , die sich gelobte , ganz nur