Friedrich Karl letzte Tage . Tod . Begräbnis . Charakter Als der Prinz von seiner Orientreise zurück war , trat er sein Erbe an . Dies bestand im wesentlichen aus : dem Palais am Wilhelmsplatz , einem bedeutenden Barvermögen und der in Westpreußen gelegenen Herrschaft Flatow und Krojanke , wodurch die bis dahin ziemlich bescheidene Geldlage des Prinzen in eine vergleichsweise glänzende verwandelt wurde . Trotzdem aber sollten die Verstimmungen , an denen sein Leben so reich gewesen war , nicht enden . Ja , man darf sagen , daß er sich von Stund an nur noch bedrückter fühlte . Zum Teil war es körperlich . Er litt – was ihm auch ein beinah ängstliches Maßhalten bei Tische vorschrieb – an Blutandrang nach dem Kopf , das aber , worunter er schwerer litt , war ein mehr und mehr zutage tretender Mangel an Freiheit auf Gebieten , auf denen auch der Schlichteste freie Bewegung zu haben pflegt , beispielsweise auf dem Gebiete der Erziehung und des Bestimmungentreffens innerhalb der Familie . So war es ihm ein Schmerz , seinem Sohne Friedrich Leopold die seemännische Karriere , von der er , der Vater , so hoch dachte , durch einen kaiserlichen Befehl verschlossen zu sehen . Dazu kamen direkte Zurücksetzungen : er hatte mit dem Palais des Johanniterordens auch zugleich die Herrenmeisterschaft zu erben gehofft und mußte , als sich Orden und Kaiser in dieser heiklen Frage schlüssig gemacht hatten , dies hohe und ehrenvolle Amt auf seinen Vetter Albrecht , den jetzigen Regenten von Braunschweig , übergehen sehen . Das alles empfand er als eine tiefe Kränkung , 56 und wenn diese Kränkung einerseits an seiner Seele zehrte , so steigerte sie zugleich auch sein körperliches Leiden und zog ihm in der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1885 einen Schlaganfall zu , zu dem freilich ein hohes Maß von Unvorsichtigkeit die direkte Veranlassung gegeben hatte . Was darüber erzählt wird , ist das Folgende . Der Prinz war im Mai 1885 wie gewöhnlich nach Marienbad gegangen und befand sich noch in der Nachkur , als er am 13. Juni einige seiner besten Freunde zur Tafel nach Dreilinden lud . Bei Tische ließ er es an einer nötigen Abstinenz nicht fehlen und hütete sich vor jedem Verstoß . Als er aber , nach Aufhebung der Tafel , seine Gäste bis in die Vorhalle begleitet hatte , kam ihm , bei der herrschenden Schwüle , plötzlich die Lust , noch ein Schwimmbad zu nehmen . Er fuhr denn auch nach dem Wannsee hinaus und schwamm eine gute Weile . Jedenfalls zu lang . Als er aus dem Bade kam , empfand er sofort ein starkes Frösteln und eilte nach Dreilinden zurück , um sich hier niederzulegen und vor allem für Wiederherstellung einer normalen Temperatur Sorge zu tragen . Aber schon zwischen 2 und 3 Uhr rief er seinen im Nebenzimmer schlafenden Leibdiener : » Goerz , Goerz , nun ist es zu Ende ; jetzt muß ich sterben . « Und es war so . Der Prinz überdauerte noch den nächsten Tag , starb aber am 15. Juni vormittags . » Gott sei mir gnädig « , waren seine letzten Worte . 57 * Drei Tage später , am 18. Juni , hielt ihm Generalsuperintendent Kögel die Parentation in der Garnisonkirche zu Potsdam . » Trauer und Bestürzung « , so hieß es in der Kögelschen Rede , » hat uns ergriffen . Ein Schwert ist über Nacht zerbrochen , ein Schild von Erz jählings zersprungen , von uns geschieden ein ritterlicher Prinz , der dem Sinn seiner Ahnen verwandt war , jenen gewaltigen Soldatenkönigen , die hier in der Grabkammer unter der Kanzel ruhn . Ein Führer und Feldherr des preußischen , des deutschen Heeres ist heimgegangen , ein Held mit dem Lorbeer dreier Feldzüge . Die Fahnen senken sich umflort . Unser greiser Kaiser und König sieht in ihm den einzigen Sohn seines letztabberufenen Bruders in ein frühes Grab dahinsinken . Und mit dem Kaiser trauert das Heer , das er so oft und so glänzend zum Siege führte . Stand doch der Dahingeschiedene da , wie das Symbol unerschrockener Mannhaftigkeit , wagenden Reitermuts , unbeugsamer Beharrlichkeit , war er doch , um ein an ihn gerichtetes Dichterwort zu zitieren , › Dem roten Aare gleich im Schilde von Brandenburg ‹ . « So Kögel . Nach dieser Feier in der Garnisonkirche zu Potsdam , wohin man die Leiche des Prinzen von Dreilinden bzw. von Neu-Glienicke her gebracht hatte , setzte sich der Trauerzug in Bewegung und führte den Toten zu seiner letzten Ruhestätte nach Nikolskoe . * Was noch erübrigt , ist ein Wort über den Charakter des Prinzen . » Der Prinz « , so schreibt Dr. Paul Güßfeldt , dem ich hier zunächst und mit allem Vorbedachte das Wort gebe , » war doch in vielem anders , als die Welt sich ihn vorzustellen pflegt und empfand beispielsweise ( um nur eines zu nennen ) eine große Freude daran , sich zu belehren . Er las nie flüchtig und hielt streng an der Gewohnheit fest , bemerkenswerte Stellen mit Bleistift anzustreichen . Eine besonders wert gehaltene Lektüre war ihm Rankes Weltgeschichte . Gern verlieh er Bücher an nahestehende Freunde und brachte dann abends das Gespräch auf den Inhalt derselben . Hätte seine Neigung den Ausschlag gegeben , so wär ' er sehr wahrscheinlich Seefahrer oder Forschungsreisender geworden . So wie viele Seeleute bekannt sind durch ihre Reiterpassion , so stak in dem prinzlichen Reitergeneral eine bis zur Schwärmerei gesteigerte Passion für die See . Ich glaube , daß – abgesehen von den großen historischen Momenten erfochtener Siege – der Prinz seine schönsten Stunden an Bord deutscher Kriegsschiffe verlebt hat ; auch begegnete man an seiner kleinen Tafelrunde häufig der dunkelblauen Uniform der Marineoffiziere . Er liebte die See an sich und alles , was die streng militärische Zucht und unablässige Pflichterfüllung in diesem tief empfindenden Herzen verschlossen gehalten hatte , das durfte beim Spiel der Meereswellen