behaglichen Kreise und hatte für diese sichere und feste Einwohnung ganz den Beifall sowol des Grafen wie der gütigen Paula , deren weicher Sinn keiner ihrer Schroffheiten aufbieten konnte ... Die italienische Sitte kennt nicht die deutsche Unterscheidung zwischen den Ständen ... Der größte Theil des umwohnenden Adels war nach deutschem Gesichtspunkt eine wohlhabende Bauernschaft - die Contes und Markeses ritten mit hohen Lederkamaschen über ihre Felder und sprangen nicht selten ab , um bei den Arbeiten mit anzugreifen ... Aeltere Diener gehörten mit zur Familie ... Gemeindevorsteher , Forstwarte , Recheneibeamte sammelten sich allabendlich in den unteren Räumen des Schlosses und selbst der Graf und der Oberst setzten sich manchmal zu ihnen und verschmähten nicht den Trunk aus gemeinschaftlichem Krug ... Einige reiche Seidenweber , die zu den Waldensern gehörten , hatten sich sonst allabendlich auf dem Schlosse im engern Kreise der verstorbenen Gräfin eingefunden ; sie blieben auch jetzt nicht aus ; um so weniger , als in der That das Benehmen des Grafen die Besorgniß erwecken durfte , die Mutter hätte in seiner Seele recht gelesen . Man sah ihm eine große Unruhe an ; man fürchtete allgemein den Verkauf Castellungos , ja sogar seinen Religionsübertritt ... Wenigstens schiene ihm , sagte man , daran zu liegen , nicht allein nach Oesterreich zurückzukehren , sondern nur mit Paula , für die es dann , so offen lag allen das bekannte Verhältniß mit Coni , eine letzte große Entscheidung geben müßte ... Des österreichischen Grafen vertrauliche Stellung zum Erzbischof hätte dem letztern in den Augen der Italiener schaden müssen , wenn nicht die alte Gräfin so beliebt gewesen wäre und seinerseits auch Bonaventura ein Anhalt aller Freigesinnten ... Schon mit dem Hirtenstab des Bisthums Robillante hatte er gewagt , den Neuerungen Fefelotti ' s die Spitze zu bieten ... Als er dann zur Verantwortung für die Vorwürfe , die er den Dominicanern wegen Frâ Federigo zu machen gewagt hatte , nach Rom gefordert wurde und statt dort verurtheilt zu werden als Nachfolger Fefelotti ' s heimkehrte , hatte er den muthigsten Kampf begonnen , den ein Fremder auf diesem gefahrvollen Boden nur wagen konnte ... Dem Colleg San-Ignazio zu Coni entzog er sogleich eine Kirche , auf die die Patres Jesuiten , damals noch nicht verbannt , Ansprüche machten - er setzte bei den Stadtbehörden durch , daß diese ihn in seiner Weigerung unterstützten ... Ein gewöhnliches Hülfsmittel der Jesuiten , das sie bei neuen Niederlassungen , um sich die Herzen der Umwohner zu gewinnen , anwenden , besteht in dem Schein bitterster Armuth , den sie sich geben . Plötzlich erschallt dann durch die Stadt die ängstliche Kunde , die unglücklichen Väter verhungerten hinter ihren Mauern . Nun rennen fanatische Sammler durch die Häuser und rufen um Hülfe . Man bricht fast gewaltsam mit dem gesammelten Gelde , den Speisen , den Kleidungsstücken in das Colleg ein und findet auch in der That die armen Väter beim Gebet - verschmachtet , abgezehrt , vom gezwungenen Fasten fast leblos4 ... Bonaventura bewies jedoch dem Rector Pater Speziano , der dieselbe Komödie aufführte , und dem Magistrat der Stadt , daß das Colleg aus dem Profeßhause in Genua eine regelmäßige Einnahme bezog , die weit über die Einkünfte der sämmtlichen andern Klöster der Stadt zusammengenommen ging ... Den Bischof von Pignerol zwang er , ein höchst gehässiges Institut zu schließen . Man entzog unter allerlei Vorwänden den Waldensern ihre Armenkinder , besonders ihre Waisen , taufte sie schnell nach römischem Ritus und gab sie nicht wieder her ... Jedes uneheliche Kind der Waldenser gehörte an sich schon diesem » Ospizio dei Catecumeni « ... Als vorgekommen war , daß eine Gefallene , um ihr Kind zu behalten , sich auf die höchsten Spitzen des Monte Viso vor den Gensdarmen geflüchtet hatte und Kind und Mutter im Schnee elend umgekommen waren5 , wallte Bonaventura ' s Zorn so auf , daß er nicht eher ruhte , bis jenes Ospizio geschlossen wurde ... Das Verkommen im Schnee - - gehörte ohnehin zu den erschütterndsten Vorstellungen seines Gemüths und zumal , da seines Freundes , des Cardinals Vincente Ambrosi , Vater , Professor der Mathematik in Robillante ( er erfuhr dies zu seiner höchsten Ueberraschung in Rom ) , eines solchen Todes im Alpenschnee wirklich verstorben war ... Von Genua aus , wohin sich Gräfin Sarzana begeben hatte , als sie wagte , wieder aus Tageslicht zu kommen von den » Lebendigbegrabenen « , in deren Kloster sie sich geflüchtet hatte nach dem Attentat ihres Mannes auf Ceccone , wurde der Kampf mit den freisinnigen Richtungen Italiens um so erbitterter geführt , als Genua auch für die Pforte der Mazzini ' schen Einflüsse und des englischen Ketzerthums galt ... Fefelotti bot alles auf , die weibliche Bundsgenossenschaft der Jesuiten gerade in Genua zu mehren und zu kräftigen ... Ein Orden , der sich offen » Jesuitessen « nannte , » Töchter Loyola ' s « , gestiftet vor zwei Jahrhunderten , hatte sich nicht erhalten können ; Papst Urban VIII. schaffte ihn schon 1631 ab ... Aber unsere Zeit hat diesen Orden erneuert - vorzugsweise in den Damen vom Heiligen Herzen Jesu ( Sacré Coeur ) ... Sie leiten , schaarenweise von Frankreich kommend , die Erziehung der vornehmen Stände und halten auch außerhalb ihrer Klöster Schulen für die ärmere Klasse ; sie sind in weiblicher Sphäre das , was die Väter der Gesellschaft Jesu für die Erziehung in männlicher ... Wo diese Heiligen Schwestern vorangehen , folgen ihnen in noch nicht einer Generation ihre Brüder , die Jesuiten , nach ... Sie bereiten ihnen den Weg ; sie wecken in den Familien , bei allen Müttern , Vätern , Kindern , eine solche Sehnsucht nach diesen Rathgebern nicht nur der Seele für ihre jenseitige Bestimmung , sondern des ganzen auch diesseitigen Lebens , daß die Berufung der Väter nicht lange ausbleibt ... Umwälzungen folgen dann in den Familien , in der Gesellschaft ... Der süße Ton der Andacht , verbunden mit