Hier war es , wo Otto von Dystra zuweilen vorsprach , zuweilen jener Morton aus Newyork , in dem sich ein Deutscher vermuthen ließ , ohne daß der doch gleichfalls deutsche Farmer Harry forschte . Harry erwarb , wurde wohlhabend , für den Kontinent vermögend . Aber Selma starb und mit ihrem Tode bedrängte den Vater der Gedanke an die Zukunft seines Kindes . Er hatte dem Chaos der eignen Brust genug gethan . Mit dem Tode der Frau , die er sich durch eine Umwälzung der Seele gewonnen , war ein alter Ring seines Lebensbaumes abgesetzt , ein neuer drängte . Er wollte zurück um seines Kindes willen . Er hatte der Mutter versprochen , sich mit Anna von Harder auszusöhnen und ihr Selma zu bringen , falls sie sie besitzen , die Enkelin anerkennen wollte . Er rechnete auf eine harte Prüfung . Er wollte sie tragen . Amanda ' s Tod hatte Rodewald erfahren , auch Paulinen ' s neue Heirath mit Anna ' s Schwager . Diese Verbindung schien bedenklich . Er beschloß , erst unter dem Namen Ackermann den Kontinent wiederzusehen . Der Pächter Harry verpachtete seine Niederlassung in Missouri-Garden , nahm nicht für immer von dort Abschied , erhielt mancherlei Aufträge für Europa , auch jenen von dem unglücklichen Morton und kehrte auf den Boden der Heimat zurück mit seinem Kinde , das ihn als Knabe begleitete . Er sah die Residenz später als Schloß Hohenberg . Er war in Plessen , betrachtete das Denkmal der heimgegangenen Fürstin ; wir sahen seine Rührung . Er erfuhr die Wendung aller der Verhältnisse , die einst hier geherrscht hatten , er entdeckte Irrthümer , Wahn , Verblendung , Elend sogar und Armuth da , wo sein Herz so betheiligt schlug . Er lernt Dankmar Wildungen kennen . Der junge Mann fesselt ihn ; er fesselt sein Kind . Sie liebt ihn schon , als er mit bebendem Entsetzen erfährt , damals am gelben Hirsch erfährt , dies wäre Prinz Egon . Fast besinnungslos folgt er dem Zuge , der vom Schlosse in die Residenz fuhr , nach dem Heidekrug . Er will seinem Sohne , wenn er es wäre , sich zu nähern suchen . Er kommt zu spät in der Herberge an . Es ist schon Nacht ... es ist Mondschein ... Alles schläft . Daß Egon unter diesen zusammengewürfelten Menschen der Alltäglichkeit , diesen Gläubigern des Fürsten Waldemar , im Incognito lebte , schien ihm so natürlich ! Wie lockte ihn der Familienzug , der in Dankmar Wildungen , seinem Neffen lag , schon mit natürlicher , blutsverwandter Gewalt ! Er kommt in die Lage , Abends , als er Geräusch auf dem Korridor hört , im Mondschein sich Dankmar ' s Schlafzimmer zu nähern , er empfängt von dem schönen , vor dem unheimlichen Störenfried Hackert erschreckenden Mädchen ein Bild , das er bedeutet wird , in jenes Zimmer zu tragen . Sie entschlüpft . Er betrachtet das Bild . Es ist die Fürstin Amanda ! Zitternd nähert er sich dem nun gewiß gefundenen , schlummernden Sohne , legt das mit seinen Küssen bedeckte Bild unter Dankmar ' s Haupt und nimmt eine Locke von seinem Haupte . Diese Locke , wie hielt er sie hoch ! Wie verehrte er sie als das Einzige , was er von Egon besitzen durfte , von Egon , auf den er Dankmar ' s Männlichkeit und Adel übertrug ! Daß er sich entschloß , seine Kenntnisse von der Pflege des Bodens der Rettung seines Kindes zu widmen , war ein Gedanke , der ihn mit blitzschneller Begeisterung ergriff . Da ist mein Geld , da meine Hand , nimm , mein Sohn , dein Vater wird für dich sorgen ! So hätte er sprechen mögen zu dem kranken Prinzen im Schlosse , als er diesen Schlurck fast vor Zorn niederwarf . Aber konnte er so sprechen ? Konnte er sich verrathen , als Louis Armand die Nachricht brachte : Dein Wunsch ist erhört ! Wie glücklich war er in der Werkstatt der Maschinenbauer in jener Nacht , als er bei Willing und Leidenfrost die Hülfsmittel seines ihm liebgewordenen Berufes bestellte ! Wie freudig griff er seine schwere dem früheren idealischen Leben so fremde Aufgabe an , wie ergeben räumte er die sich ihm bald darstellenden Schwierigkeiten aus dem Wege ! Es gilt deinem Sohne , dachte er , deinem Sohne , der dir gehört vor Gott und Amanda ' s unsichtbarem Genius ! Kein Mensch auf Erden kann wissen , welcher innern Mahnung du hier folgst und welches der wahre überschwengliche Lohn deiner Mühen , die gottgefällige Himmelsblüthe deiner Arbeit ist ! Freilich bekümmerte ihn nun Alles , was er von Egon erfuhr . Er erlebte das Verletzendste . Nichts konnte so gefährlich sein als die Entdeckung , die er über Selma und des Mädchens liebende Neigung machte . Schaudervoll ergriff es ihn , als er dies keimende Regen und Wachsen in des Mädchens Brust beobachtete . Die Tragödie der alten Welt , der Fluch des Schicksals schien mit dunkeln Fittichen über ihn niederzuschweben . Welcher Beherrschung bedurfte er damals , als Louis Armand zum Besuche kam , die Anklagen gegen Egon wuchsen und Selma , sein Kind , immer parteiischer , immer gereizter für das Ideal aufloderte , das einmal von ihrem Auge nicht weichen wollte . Ein qualvoller Winter für ihn , der ihn unfähig machte , irgend etwas zu beginnen , was nicht in nächster Verbindung mit seiner Pachtung stand . Er hätte doch nun seinen wahren Namen sagen , Verbindungen mit Anna von Harder anknüpfen , Erkundigungen einziehen müssen ; er war nicht im Stande sich zu sammeln , nicht fähig , den geringsten auf die Lösung dieser Herzensaufgabe bezüglichen Entschluß zu fassen . Dann aber - die Wonne - die Erleichterung der beschwerten Brust ! Dies selige , jauchzende Aufathmen des gepreßten Herzens , als Selma in den Armen eines jungen Mannes lag , der sie zu umarmen den Muth besaß