' s gewesen ... Armgart verwies auch jetzt die Ankläger auf die Siege , deren sie sich ja täglich rühmten ... War nicht vor kurzem der vom greisen General der Kapuziner als Dekan der Studien über die römischen Theologen als Examinator gesetzte de Sanctis , Professor der Theologie , Parochus an Maddalena , Beichtvater in den Gefängnissen der römischen Inquisition , von den Jesuiten in seinen wahren Gesinnungen erkannt , gefangen gesetzt worden , entflohen und in Malta zum Protestantismus übergetreten - ? 3 ... Wisset ihr , sagte sie mit Ironie , was in Bonaventura ' s Innern vorgeht und was euch alles vielleicht noch von ihm werden kann ? ... Die hinterlassene Bibliothek der Gräfin war eine Fundgrube der interessantesten Anregungen für Monika , den Obersten und Hedemann ... Auch Baldasseroni und Giorgio waren Männer , die auf Kosten der Gräfin in Genf , Tübingen und Berlin studirt hatten ... Ihr Ton gab sich milde und rücksichtsvoll - sie wußten , was bei ihrer jetzigen Schloßherrschaft zu schonen und zu achten war ... Auch sie gaben dem Erzbischof das Zeugniß , daß allein schon sein persönliches Erscheinen in Rom alle Intriguen hätte entwaffnen müssen und daß er noch täglich diese Macht der Beschämung über seine Gegner übe ... Ein Glück , daß Armgart ' s Vater die Schroffheiten der Mutter milderte ... Eine Rechtfertigung der amerikanischen Weise , sich zur Religion zu verhalten , sagte er beim Durchmustern eines Schranks voll Alterthümer und beim Anblick einer kleinen Schaale , die wie eine Tasse aussah , aus der einst Huß den Wein beim Abendmahl dargereicht haben sollte , find ' ich in dem Schicksal des Kelches ... Das Trinken aus einem und demselben Gefäß ist vielleicht in der That nur einer Gemeinde möglich , wo sich alles so persönlich nahe steht , wie zur Zeit der Apostel und der ersten Bekenner ... Wo noch der Liebeskuß als Gruß der Verbundenen möglich war , war auch die Ertheilung des Kelches möglich ... Als jedoch die christliche Lehre Staatskirche wurde , als ganze Völker im nächsten besten Flusse getauft werden mußten , mußte vieles von den ersten Satzungen des Glaubens verloren gehen ... Welcher Reiche gab da noch seine Reichthümer hin und warf sie , statt in die Kasse einer ihm befreundeten Gemeinde , in das weite , wüste Meer , des Proletariats ! ... Wer setzte noch gern die Lippe an ein Gefäß , aus dem Hunderte und noch dazu zur Zeit der einst so allgemeinen Pest und des Aussatzes tranken ! ... Man hat das Christenthum eine Weltreligion genannt ; sie ist es auch dem Geiste nach , nicht nach dem Buchstaben ... Wer den apostolischen Anfängen nachgehen will , muß die Freiheit Amerikas wünschen , wo sich jede Form , Gott zu dienen , auf eigene Art befestigen kann ... Geschieht es dort würdelos , so ist nur der Mangel an Bildung schuld ... Unsere Gotteshäuser und die Priester , die in ihnen lehren und Ceremonien abhalten , sollten , wie ich von Ihnen höre - er wandte sich an Baldasseroni - nach dem Ausdruck des Bruders Federigo nur noch Hüter und Wächter des Christenthums sein , gleichsam die Sänger , die Dichter , die Historiker der Kirche - ohne sich den mindesten Eingriff in die Lebens- und Gesellschaftsformen gestatten zu dürfen ... Solcher Streitigkeiten gab es viele ... Sie konnten zu tagelangen Verstimmungen führen - namentlich wenn Armgart sagte : Ein Einzelner gewonnen ist nichts - Könige , die ohne ihre Krone kommen , sind vollends nichts ; die müssen gleich ihre Reiche mitbringen ... ... Wieder den heutigen Streit unterbrach Paula ' s Eintreten ... Schon hatte Armgart musternd unter den waldensischen Schwertern , hussitischen Kelchen , den alten Bibeln , Luther- und Zinzendorf-Ringen gesagt : Ihr habt doch auch eure Reliquien ! ... Zu einer Erwiderung kam es nicht , da Paula allerlei Geschäfte mitbrachte , die sich auf die sittlichen Zustände der Gegend bezogen ... Seit dieser langen Reihe von Jahren hatte Graf Hugo für sich und Paula den Weg der Zerstreuung eingeschlagen ... Nicht nur beschäftigte er sich und Paula mit einer umsichtigen Pflege der hier so reizenden und reichen Natur , sondern auch mit den Vorkommnissen seiner gesellschaftlichen Beziehungen , mit Aufgaben der Wohlthätigkeit ... Der gute Wille , nützlich sein zu wollen , ist bei gebildeten und gutgearteten Vornehmen immer rege und hier kam ein fast ängstliches Verlangen hinzu , durch solche äußere Werkthätigkeit aus dem Versenken in zu große Innerlichkeit entfliehen zu können ... Monika mußte freilich schon wieder lächeln , wenn sie sah , mit welcher emsigen Umständlichkeit und mit welchem offenbaren Nichtberuf für praktische Bewährungen die junge Schloßherrin , nun die souveräne Gebieterin von Castellungo , die an Glücksgütern gesegnete Herrin von Westerhof , von Schloß Salem , Besitzerin eines Palastes in Coni , ihre unerschöpfliche Wohlthätigkeitsliebe zu einer segensreichen und mit Vorsicht gespendeten zu machen sich mühte , wie sie in die Hütten der Armen trat , momentane Hülfe , aber selten , nach Monika ' s Meinung , den rechten Rath und die rechte Warnung brachte ... Sie weiß nicht , sagte sie , wie sie sich schon mit ihrer Krone am Giebel der Eingangsthür in solche Hütten den Kopf stößt , vollends , wie sie zuletzt bei solchen Leuten mehr Aufsehen und Schrecken , als Freude , wenn nicht gar Schlimmeres , zuweilen Spott , hinterläßt ... Sie spricht mit diesen Menschen wie ein Buch ... Sie werden sie alle zu Gevatter bitten - Das pflegt noch die nützlichste Folge solcher vornehmen Herablassungen zu sein ... Da nach dem Wunsch des Grafen , dem gleichfalls solche Herbigkeiten nicht erspart wurden und der dann oft träumerisch von Wien als einem Ausweg aus allen Labyrinthen sprach , der Oberst fürs erste hier als Verwalter wohnen bleiben sollte - auch gegen die winterlichen Verheerungen der Berggewässer sollten Brücken und Wehre gebaut werden - so sammelte auf dem Schlosse schon allabendlich Monika die hervorragenderen Persönlichkeiten der Umgegend zu einem