den Heimgang ihres » Großmütterchens « nur allein ? ... Der Aufenthalt in Castellungo hatte jedenfalls erschütternd und bedeutungsvoll begonnen ... 5. Nach Beisetzung der Gräfin in der von ihr selbst erbauten , oberhalb Castellungo ' s in den Bergen liegenden Kirche der Waldenser , einer Feierlichkeit , zu der aus den Bergen und aus der Tiefe des Thals auch die Rechtgläubigen , Jung und Alt , herbeiströmten , aus den Thälern von Saluzzo und Pignerol , wo die Waldenser in Masse wohnen , von allen Gemeinden die » Barben « , » Evangelisten « , » Moderatoren « - nach diesem Tage hätten nun ruhigere Stunden eintreten können , wenn nicht die politische Welt die Aufregung wach erhalten und nun auch Hedemann ' s Abschied vom Leben sich genähert hätte ... Die Freude am Tod war bei diesem wieder bereits eine solche , daß er sich in seinen Gebeten Vorwürfe machte , ihn zu eifrig zu wünschen ... Rom war inzwischen gefallen ... Die letzten Spuren der Revolution wurden in ganz Italien getilgt ... Die ersten Vorzeichen jener Zeit brachen an , die in drei Jahren wieder die Kerker nur des Kirchenstaats allein mit sechstausend Menschen füllen sollte1 ... Fefelotti ergriff jetzt auch noch das weltliche Ruder außer dem geistlichen ... Staat und Kirche gehörten ganz den zurückkehrenden Jesuiten ... Auch in der kirchlichen Sphäre der Umgegend zeigte sich manche Wiederkehr des Alten ... Die Jesuiten hatten in Coni ein von Fefelotti begünstigtes Collegium besessen , das sie freilich nicht wieder beziehen durften , da Sardiniens Verfassung sie verbannte ... Aber schon war in Schule , Staat und Kirche ihr dennoch geheimwirkender Einfluß bald wieder ersichtlich ... Robillante und Pignerol waren zwei Bischofssitze , die ausdrücklich schon lange durch Männer besetzt wurden , die dem deutschen Eindringling , dem Erzbischof von Coni , wo sie nur konnten , wehren sollten2 ... Der Oberst und Monika konnten inzwischen dem Grafen im Ordnen des Nachlasses seiner Mutter , in Auszahlung einer Menge von Legaten an die Gemeinden der Thäler hier und drüben am Fuß des Monte Viso behülflich sein ... Der Graf war es , der am meisten darauf drängte , daß Paula nach ihrem Wohnhause in Coni zurück sollte ... Armgart wollte sie begleiten ... Wohl , sprach sie ihr dringendstes Bedürfniß aus , den Erzbischof zu begrüßen , der sich , seiner Stellung gemäß , vom Leichenbegängniß der Gräfin hatte entfernt halten müssen ... Monika , die zwar zu Paula ' s Heirath dringend gerathen hatte , empfand und tadelte doch , was sie das Anstößige dieser Beziehung nannte , im höchsten Grade ... Hatte sie schon sonst die Partie des Grafen genommen und ihn über das Meiste entschuldigt , was sich seinen jungen Jahren vorwerfen ließ , so erklärte sie vollends mit ihm Mitleid zu fühlen , seitdem sich jenes mystische Dreiblatt gebildet hatte , dem womöglich fern bleiben zu wollen sie sich auf Schloß Bex gelobt hatte ... Nun sah sie dies Verhältniß einer » Standesehe « in nächster Nähe ... Und das sei denn die rechte Höhe , sprach sie schon eines Tages in Paula ' s Gegenwart , Opfer über Opfer anzunehmen , nur deshalb , weil man wisse , sie würden von schwachen Menschen ohne Murren gebracht ... Ja sie sagte schon zu ihrem Gatten : Der Graf leidet , weil er Paula liebt - und zu Armgart : Auch Paula , scheint es , ringt mit ihrem Herzen , weil sie den Grafen mehr als achten muß ... Daß Paula und Armgart zum nächstbevorstehenden Bonaventura-Tage in Coni sein und der Celebration der Messe durch den Erzbischof an diesem Tage beiwohnen wollten , konnte Monika nicht hindern ... Doch bekam es Armgart bitter zu hören , warum sie gerade diesen Tag wählen wollten ... Die Mutter sagte , daß sie den Doctor Seraphicus , wie Sanct-Bonaventura in der Vätergeschichte heißt , nicht im mindesten zu jenen Bekennern und Märtyrern zählen könne , die allenfalls auch die Freude evangelischen Sinnes sein dürften ... Ich schätze den heiligen Bonaventura noch höher , entgegnete Armgart , als die andern Märtyrer , die nur zufällig in den Tod gingen und der Nachwelt nichts von ihrem Leben hinterlassen haben ... Von ihrem Leben ? entgegnete aufwallend die Mutter ... Dieser Johannes von Fidanza ist ja das Prototyp aller katholischen Schwärmer ! Dieser heilige Bonaventura hat mit seinem sogenannten Gemüth alles verklären und verschönern wollen , woran wir noch heute leiden ... Was nur immer Gregor und Innocenz aus weltlichen Rücksichten für die Kirche erfunden haben , umgab dieser Italiener mit dem Schein beinahe der Philosophie ... Mariendienst , Cölibat , Entziehung des Kelches - alles , alles , was das Tridentinische Concil später in die todesstarren Formeln gezwängt hat , brachte dieser heilige Bonaventura als Gemüthssehnsucht in Curs , gerade wie auch jetzt wieder mit dem Dogma der ohne Sünde geboren sein sollenden Mutter Gottes geschieht ... Mir ein Räthsel , wie euer Erzbischof zu den Freisinnigen zählen kann , schon in Deutschland unter den Anfechtungen der Fanatiker leiden mußte und immer noch seine Krone , immer noch seinen Krummstab trägt ... Wären solche Männer vor einigen Jahren wahr gewesen und in den Zeiten der Bedrängniß zu uns übergetreten , wie anders stünde es mit der Sache des Lichts und des Evangeliums ! ... Hedemann und der Vater dachten ebenso und sagten das Nämliche ... Armgart aber stritt schon lange nicht mehr gegen dies stete Verurtheilen , seitdem sie für ihre frühere Behauptung , daß Bonaventura seine Erhöhung weder Lucinden noch Olympien verdankte , kürzlich Recht erhalten hatte . Ihr richtet und richtet , wie ihr ' s eben versteht ! sprach sie damals und verwies auf bessere Erkenntniß der wahren Sachlagen , wenn sie auch leider meist im Leben zu spät käme ... Hier in Castellungo wurde für bestimmt eine schon früher von Paula brieflich ausgesprochene Versicherung wiederholt , daß der aus Robillante gebürtige Cardinal Vincente Ambrosi vor zehn Jahren in Rom der eigentliche Freund und Fürsprecher Bonaventura