Gegenwart entzog sich dabei sein freier unerschrockner Sinn um so weniger , als ihn , wie alle Edlen damals , der Drang beseelte , die gewonnenen Ergebnisse des Wissens in die offnen Furchen des mit Blut gedüngten und neugeackerten Vaterlandes zu werfen . Wenn eine Zeit günstig war , den Völkern Freiheit und Einheit zu geben , war es nicht diese ? Heinrich Rodewald beendete seine Studien mit einer sehr ehrenvollen , durch bizarre , damals beliebte Paradoxen auffallenden Promotion . Er war der Liebling , ja der Beherrscher Halles , er war der mit Jubel empfangene Gast in Jena geworden ; ja in Würzburg , Gießen , Marburg holten ihn Komitate der Studentenschaft ein , wenn er die Kreise des neu erwachten höheren Jugendlebens besuchte , wo man in die jungen politischen Doktrinen die Sätze Hegel ' s , Steffens ' , Schelling ' s , Baader ' s mischte . Bald aber verwandelten sich diese Olympischen Kränze in prosaische Dornen . Die bekannten Verfolgungen begannen . Schon stand Rodewald als Gelehrter den kleinen Quälereien der Jugend entrückt , doch bezeichnete auch ihn die gemeine Servilität der damaligen meist neueingesetzten Behörden mit ihrem gefährlichen Hic niger est ! Rodewald lebte jetzt in der Hauptstadt . Seine erste Schrift über einen Gegenstand des römischen Rechtes im Mittelalter erregte Aufsehen . Man bemühte sich , ihn für jene bald um sich greifende absolutistisch mystische Theorie zu gewinnen , die von obenher so begünstigt , so reich mit Auszeichnungen belohnt wurde , diese Philosophie vom objektiven Gedanken , diese beflissene Wiedererweckung der alten Kunst und Literatur , diesen neuen Kultus vor den großen Genien der vergangenen Literaturepoche , besonders dem weltbezwingenden , aber höfischen Goethe , in dessen west-östlichem Divan auch Rodewald ebenso schwelgte , wie ihn Faust und Tasso umstrickten . Der junge , schöne , hochgewachsene Gelehrte mit dem feurigen Auge , dem braungelockten Haare , den feinen , weltmännischen Manieren , der gewaltigen einschmeichelnden Rede wurde fast gegen seinen Willen vom politischen Makel befreit , in die genialkünstlerischen Cirkel gezogen , den Räthen der Krone vorgestellt . Rodewald gewann eine Professur , wie man dem wilden Rosse der ungarischen Ebene eine Schlinge über den Kopf wirft . Andre sah er zurückgesetzt , ihn den nicht mehr Verdächtigen hob man . Andre wurden verfolgt , ihn , den vom burschenschaftlichen Standpunkt auf den philosophisch-ästhetischen Übergesprungenen zog man hervor . Rodewald gerieth in Widersprüche mit seinen Freunden , mit seinem eignen Schwager Wildungen , in dessen Hause er nie mehr genannt werden durfte , er gerieth in Widersprüche mit sich selbst . Die Verhaftungen , die Absetzungen - erschreckten ihn endlich . Er sann ernster über die Zeit nach und hoffte einen Ausweg in dem System der konstitutionellen Politik zu finden , deren Lehre damals neu war . Aber nun kam er wieder in Konflikte mit den Ministern und Räthen , die ihm seiner wissenschaftlichen Richtung wegen so wohlwollten . Um ein gefährliches Element zu entfernen , gab man ihm auf drei Jahre die Mittel , in Italien zu reisen , Handschriften zu vergleichen , Klöster und Abteien zu durchstöbern , den Wandelungen des alten Rechts in den italienischen Municipalinstitutionen nachzuforschen . Rodewald , einen Bruch ahnend , nahm diesen Vorschlag an . Die Frauenwelt , die Lust , das Leben ergriffen ihn . Auf der Reise an den Ufern des Oberrheins , im Kanton Graubündten , im Abteigarten von Ragaz , an dem Sturz der von Pfäffers herabschäumenden wilden Tamina lernte er Pauline von Ried , eine leidende , aber interessante und sehr reiche junge Wittwe , eine geborne von Marschalk , kennen . Die Rosen- und Epheukränze , mit denen sich Faust schmücken wollte , als ihm das Studirzimmer zu eng wurde , wand ihm die Hand einer poetisch gestimmten , bizarren Frau . Drei Jahre blieb Rodewald mit der reichen , leidenschaftlichen , in Allem excentrischen Pauline in Italien , bald in Rom , bald in Florenz , bald in Neapel wohnend . Charlotte Ludmer sorgte für die großartigste Bequemlichkeit , die das liebende Paar mit Poesie und Schwärmerei genoß . Rodewald konnte sich sagen , daß er damals ein Wesen unendlich glücklich machte , Pauline hätte erwidern müssen , daß sie es nicht immer verdiente . Ihre Launen und Kapricen waren die einer Frau , die in einem Augenblick zu sterben fürchtet und im andern eine Lebenslust zeigt , die sie zum Trotz , zur Eitelkeit , zu hundert kleinen Konflikten mit der Gesellschaft hinriß . Es ist ein unverwüstlicher Trieb vieler Frauen , die bedeutendere Natur der Männer sich gleich zu machen , die allzuhohen Thürme und Dächer in der Manneskraft abzutragen und die Stockwerke des gegenseitigen Baues zu nivelliren , wenn nicht gar den Mann ganz auf das Erdgeschoß zu verweisen . Sie ruhen nicht , bis derselbe Mann , den sie zu lieben vorgeben , klein , endlich , geringfügig vor ihnen steht . Sie ruhen nicht , bis es nicht den Anschein hat , daß ein Mann mit all seinen irdischen oder geistigen Vorzügen , mit allen seinen Erfahrungen und seinem gereifteren Wissen doch ihrer als tief-bedürftig und vor ihnen pygmäenhaft klein erscheint . Dasselbe Gefühl , das hochherzige Frauen treibt , den Mann ihrer Liebe zu schmücken , ihn zu erheben , sein Wesen zu verschönern , ihn bedeutend selbst im Kleinen , liebenswürdig selbst in Schwächen zu finden , wird bei Andern durch das Streben ersetzt , die Gegenstände ihrer Liebe hülflos , arm , pedantisch , komisch , kleinlich darzustellen ... bis dann endlich die Vergleichung eintritt , bis der Schleier der Selbstlüge fällt und erkannt wird , was man verlor , vergleicht , was man besitzt und besaß , bejammert , daß man sich den schönen Traum des Glückes , das Ideal der möglichen Vollkommenheit , muthwillig zerstörte ... Pauline kehrte nach drei Jahren mit Rodewald in den Norden zurück . Der Erfolg dieses Wiedersehens des vaterländischen Bodens und seiner Verhältnisse war kein glücklicher . Heinrich Rodewald fand in