, drehte sie hastig den Kopf nach der Wand und wühlte das heiße Gesicht in die Kissen . Nein — sie konnte ihre Mama niemals — niemals wieder nach so etwas fragen . Am andern Morgen trödelte Agathe bis zum letzten Augenblick mit dem Schulgang . Nun war es schon viel zu spät , um Eugenie noch abzuholen . Als sie in der Klasse hörte , daß Eugenie sich erkältet habe und zu Haus bleiben müsse , wurde ihr leichter . Mit wahren Gewissensqualen mußte sie sich fortwährend vorstellen : Eugenie könnte vielleicht sterben . . . . Und dann würde kein Mensch auf der Welt erfahren , was sie gestern miteinander gesprochen hatten . Das wäre doch zu gräßlich — ach — wenn doch Eugenie lieber stürbe ! “ Frau Wutrow schickte schon zweimal , Du möchtest herüberkommen , ” sagte Frau Heidling zu ihrer Tochter . “ Warum gehst Du nicht hin ? Habt Ihr Euch gezankt ? ” “ Ich kann Eugenie nicht mehr leiden . ” “ O , wer wird seine Freundschaften so schnell wechseln , ” sagte Frau Heidling tadelnd . “ Was hat Dir denn Eugenie gethan ? ” “ Gar nichts . ” “ Nun , dann ist es nicht hübsch von meinem kleinen Mädchen , ihre kranke Freundin zu vernachlässigen . Bringe Eugenie die Vergißmeinnicht , die ich auf den Markt gekauft habe . Eugenie ist manchmal ein bißchen spöttisch , aber mein Agathchen ist auch sehr empfindlich . Du kannst viel von Eugenie lernen . Sie macht so hübsche Knixe und hat immer eine freundliche Antwort bereit , läßt nie das Mäulchen hängen , wie mein Träumerchen ! ” Agathe sah ihre Mutter nicht an , mürrisch packte sie ihre Bücher aus . Es that ihr schrecklich weh im Halse , als wäre ihr da alles wund . Sie hätte sich am liebsten auf die Erde geworfen und laut geschrieen und geweint . Doch nahm sie gehorsam und ohne weiter etwas zu sagen den Strauß und ging . Unterwegs traf sie eine Bürgerschülerin , die sie kannte . Da warf sie die Blumen fort und schlenderte mit dem Mädchen . Als sie auf ihren ziellosen Streifereien wieder am Hause ihrer Eltern vorüber kamen , sah Mama aus dem Fenster und rief sie zum Essen . Agathe antwortete nicht und ging ruhig weiter . Sie hörte ihre Mutter hinter sich her rufen und ging immer weiter . Sie wollte überhaupt nicht wieder nach Hause zurück . Auf einem freien Platz mit Blumenbeeten setzte sie sich auf eine der eisernen Ketten , die , zwischen Steinpfeilern herabhängend , die Anlagen schützen sollten , hielt sich mit beiden Händen fest und baumelte mit den Beinen . Das thaten nur die allergemeinsten Kinder ! Das Mädchen aus der Bürgerschule setzte sich auch auf eine von den Ketten . So unterhielten sie sich . Von Amerika . Wie weit es wäre , um dorthin zu kommen . Der Lehrer hatte ihnen erklärt , Amerika läge ganz genau auf der andern Seite von der Erde . Man brauchte nur ein Loch zu graben furchtbar tief — immer tiefer — dann käme man schließlich in Amerika an . “ Aber dazwischen kommt erst Wasser und dann Feuer , ” sagte Agathe nachdenklich . Das hatte der Lehrer nicht gesagt . Aber Agathe glaubte es , ganz bestimmt . Eine entsetzliche Lust plagte sie , das mit dem Lochgraben einmal zu versuchen . Da kam drüben auf dem Trottoir im hellen Sonnenschein Eugenie mit ihrer Mutter . Sie hatte ihren neuen lila Sammetpaletot an und das Barett mit dem Federbesatz . Wie sie sich zierte ! Sie ging ganz sittsam zwischen ihrer Mutter und einem Offizier . Plötzlich bemerkte sie Agathe und stand erstaunt still , sie winkte und rief ihren Namen . Aber Agathe baumelte mit den Beinen und kam nicht . Frau Wutrow sagte etwas zu Eugenie , alle drei Personen sahen , wie es Agathe schien , empört zu ihr hin und spazierten dann weiter . Agathe lachte verächtlich . Dann ging sie mit der Bürgerschülerin , die schon um zwölf Uhr zu Mittag gegessen hatte , trank mit ihr Kaffee und versuchte mit ihr im Hof das tiefe Loch zu graben , das nach Amerika führen sollte . Ach — wenn es wirklich wahr wäre ! ! Sie mühten sich ganz entsetzlich , nur erst den Kies und die Erde fortzubringen . Dann trafen sie zu ihrem grenzenlosen Erstaunen auf rote Ziegelsteine . Es wurde Agathe ganz seltsam zu Mut , so als müsse jetzt ein Wunder geschehen — weiß Gott , was sie nun sehen würden . Mit aller Gewalt suchten sie die Ziegelsteine loszubrechen , schwitzten und stöhnten dabei . Und als der eine sich eben schon ein wenig bewegte — da kam jemand . Das andere Mädchen schrie laut auf vor Schrecken : “ Hu — die schwarze Jule ! Die schwarze Jule ! ” Heidi jagte sie fort und Agathe hinterdrein . Während die Hauswirtin ins Leere über ihren verwüsteten Hof keifte , steckten beide kleine Mädchen im Holzstall und regten und rührten sich nicht vor Angst . Aber das Nachhausekommen . . . . . ! Sie mußte doch einmal — es wurde schon dunkel — in der Nacht hätte sie sich auf der Straße totgefürchtet . Es gab auch Mörder da . Sie mußte schon . “ Ach Gott ! Ach lieber Gott , laß doch Mama in Gesellschaft sein ! ” Er war ja so gut — vielleicht that er ihr den Gefallen . Frau Heidling hatte inzwischen zu Wutrows geschickt , ob Agathe bei ihnen gewesen wäre . Nein — sie hätte auf dem Kasernenplatze gesessen und mit den Beinen gebaumelt . Agathe hatte jetzt alles vergessen , was sie am Morgen gequält . Sie empfand nur noch eine große Furcht vor ihrer Mutter , wie vor etwas schrecklich Erhabenen , vor dem sie nur ein kleines Würmchen war . Und dabei mischte sich auch eine