zeigte , daß dies der gewöhnliche Ausgang solcher Streitigkeiten war , und daß , wenn es dem jungen Herrn beliebte , einmal Ernst zu machen , der Pflegevater ebenso machtlos war wie der Erzieher . Waldemar kümmerte sich um beide nicht weiter . Er warf sich der Länge nach auf das Sofa , ohne die mindeste Rücksicht darauf zu nehmen , daß seine vom Sumpfwasser durchnäßten Stiefel in Berührung mit den Polstern kamen , während der große Jagdhund , der jedenfalls im Wasser gewesen war , dem Beispiele seines Herrn folgte und es sich mit der gleichen Rücksichtslosigkeit auf dem Teppich bequem machte . Es entstand jetzt eine etwas unbehagliche Pause . Der Gutsherr versuchte brummend seine inzwischen ausgegangene Pfeife wieder in Brand zu setzen , Doktor Fabian aber hatte sich an das Fenster geflüchtet und schickte einen Blick zum Himmel , der deutlicher als Worte aussprach , daß er das Leben hier wirklich für eine » heillose Wirtschaft « erachtete . Der Gutsherr hatte inzwischen nach seinem Tabaksbeutel gesucht , den er denn auch richtig auf dem Schreibpulte unter den Sporen und Reitpeitschen entdeckte . Im Begriffe , ihn hervorzuziehen , fiel ihm ein noch uneröffnetes Schreiben in die Hand ; er nahm es auf . » Das hätte ich beinahe vergessen ! Waldemar , da ist ein Brief an dich . « » An mich ? « fragte Waldemar gleichgültig , aber doch mit jener Verwunderung , die ein ungewöhnliches Ereignis hervorruft . » Jawohl . Eine Krone im Siegel und ein großes Schild mit allerhand Wappengetier . Wird wohl von der Fürstin Baratowska sein . Es ist freilich lange her , daß wir mit einem allergnädigsten Handschreiben beehrt wurden . « Der junge Nordeck erbrach den Brief und durchflog ihn . Er schien nur wenige Zeilen zu enthalten , aber trotzdem stieg auf der Stirn des Lesenden so etwas wie eine Wetterwolke auf . » Nun , was gibt es ? « fragte Witold . » Sitzt die Verschwörergesellschaft noch immer in Paris ? Ich habe den Poststempel nicht angesehen . « » Die Fürstin ist mit ihrem Sohne drüben in C. , « berichtete Waldemar ; er schien die Bezeichnung Mutter und Bruder absichtlich zu vermeiden . » Sie wünscht mich dort zu sehen , ich werde morgen hinüberreiten . « » Das wirst du bleiben lassen , « sagte der Gutsherr . » Hat sich die hochfürstliche Verwandtschaft jahrelang nicht um dich gekümmert , so braucht sie es auch jetzt nicht zu thun . Wir fragen wahrhaftig nichts danach – du bleibst hier . « » Onkel , jetzt ist es genug mit dem ewigen Befehlen und Verbieten , « brach Waldemar auf einmal mit solcher Wildheit los , daß jener ihn mit offenem Munde anstarrte . » Bin ich ein Schulknabe , der bei jedem Schritte erst um Erlaubnis fragen muß ? Habe ich mit einundzwanzig Jahren nicht einmal das Recht , selbst über die Zusammenkunft mit meiner Mutter zu entscheiden ? Ich habe bereits darüber entschieden , und morgen früh reite ich nach C. « » Nun , nun , nur nicht gleich so bärenwütig ! « sagte Witold , mehr erstaunt als erzürnt über diesen plötzlichen Ausbruch eines Jähzorns , den er sich gar nicht erklären konnte . » Meinetwegen reite , wohin du willst ! Ich will nichts mit der Polengesellschaft zu thun haben , das sage ich dir . « Waldemar hüllte sich in trotziges Schweigen ; er nahm seine Flinte , pfiff seinem Hunde und verließ das Zimmer . Der Vormund sah ihm kopfschüttelnd nach , auf einmal aber schien ihm ein Gedanke zu kommen . Er nahm den Brief , den Waldemar achtlos auf dem Tische hatte liegen lassen , und las ihn gleichfalls durch . Jetzt war es Herr Witold , der bei der Lektüre die Stirn runzelte und bei dem schließlich ein Ungewitter losbrach . » Dachte ich es doch ! « rief er , mit der Faust auf den Tisch schlagend , » Das sieht der Frau Fürstin ähnlich . In sechs Zeilen stachelt sie den Jungen zur Empörung gegen mich auf ; darum wurde er auf einmal so aufsässig , Hören Sie nur , Doktor , die saubere Epistel : » › Mein Sohn ! es sind Jahre vergangen , ohne daß ich ein Lebenszeichen von Dir erhalten habe . ‹ Als ob sie uns eins gegeben hätte ! « – schob der Lesende ein . » › Ich weiß nur durch Fremde , daß Du noch auf Altenhof bei Deinem Vormunde lebst . Ich befinde mich augenblicklich in C. , und ich würde mich sehr freuen , wenn ich Dich dort sehen und Dir Deinen Bruder zuführen könnte . Ich weiß nun freilich nicht ‹ – geben Sie acht , Doktor , jetzt kommt der Stachel ! – › ob Du die nötige Freiheit zu diesem Besuche hast . Wie ich höre , bist Du trotz Deiner inzwischen eingetretenen Mündigkeit noch gänzlich von dem Willen Deines Vormundes abhängig . ‹ – Doktor , Sie sind Zeuge davon , wie der Junge uns beide Tag für Tag maltraitiert . – › An Deiner Bereitwilligkeit , zu kommen , zweifle ich nicht , wohl aber an der Erlaubnis dazu von seiten des Herrn Witold . Ich habe es dennoch vorgezogen , mich an Dich zu wenden , und ich werde ja sehen , ob Du so viel Selbständigkeit besitzest , um diesen Wunsch Deiner Mutter , den ersten , den sie Dir ausspricht , zu erfüllen , oder ob Du ihr selbst diese Bitte nicht gewähren darfst . ‹ Das › darfst ‹ ist unterstrichen , – › Im ersteren Falle erwarte ich Dich in diesen Tagen und schließe den Grüßen Deines Bruders die meinigen bei . Deine Mutter . ‹ « Herr Witold war so erbost , daß er den Brief auf den Fußboden schleuderte . » Und so etwas muß man nun lesen ! Meisterhaft ausgedacht von der Frau Mutter . Sie weiß