so leicht keiner nachklimmt , er ist eine Macht geworden , vor der sich alles beugt – es würde sich schon lohnen , an seiner Seite zu leben ! « » Ja – hast du ihn denn auch lieb ? « fragte die kleine Frau von Maiendorf ganz naiv . Edith sah sie mit einem etwas erstaunten Blick an , sie hatte sich diese Frage offenbar noch gar nicht vorgelegt , dann aber erwiderte sie mit voller Gelassenheit : » Wir sind uns ja bisher noch gar nicht so nahe getreten . Ein Mann wie Ronald hat wenig Zeit , auch für seine Werbung , aber mit der Gemeinsamkeit der Interessen kommt auch die Neigung , das findet sich in der Ehe . « » Nein , das findet sich nicht ! « sagte Wilma leise . » Man kann sich fremd bleiben und immer fremder werden . Wenn ich mein Kind nicht gehabt hätte – Lisbeth , komm zu mir ! « Die Kleine folgte dem Rufe und kam herbeigelaufen , es war ein munteres , rosiges Ding , mit den hellen Augen der Mutter , die ihm jetzt zärtlich die Arme entgegenstreckte . » Siehst du , Edith , ich habe trotzdem nicht gedarbt an Liebe . Ich hatte ja meine Lisbeth , und die hat mir alles , alles ersetzt . Gelt , mein süßer kleiner Wildfang ? « Die Kleine antwortete mit stürmischen Liebkosungen . Edith lächelte flüchtig , aber sie sagte zugleich tadelnd : » Du verwöhnst das Kind mit dieser überschwenglichen Zärtlichkeit . Ich lerne das ausgelassene kleine Ding wirklich erst hier kennen , in Berlin ist es so scheu und fremd , aber das kommt von dieser einsamen Erziehung . Lisbeth kennt und sieht ja nichts als dich allein ; was soll denn daraus werden , wenn sie einmal in das Leben treten soll ? – Doch ich will mich jetzt umkleiden und einen Spaziergang in den Wald machen . Auf Wiedersehen ! « Sie erhob sich , küßte mit kühler Freundlichkeit das Kind und ging in das Haus . Lisbeth hatte andächtig zugehört , wie ihre Mama von der viel jüngeren Verwandten abgekanzelt wurde : Ganz unbegründet mochte jener Vorwurf wohl nicht sein , denn die Kleine hegte eine sichtbare Scheu vor der schönen , vornehmen Tante . Auch jetzt blickte sie ihr nach und fragte in einem äußerst respektvollen Tone : » Mama – Tante Edith ist wohl sehr klug ? « Wilma lachte laut auf bei der naiven Frage , es war ein frisches , beinahe kindliches Lachen , dann aber nahm sie das blonde Köpfchen zwischen ihre Hände und küßte es . » Ja , Lisbeth , sehr klug ! « bestätigte sie . » Viel klüger als ich und du , aber es wird einem so kalt dabei . Du brauchst nicht so eisig klug zu werden – deine Mama ist es auch nicht ! « + + + Die Umgebung von Heilsberg bot keine malerischen Reize , nur Wälder und Wiesen und fern am Horizont einen duftig blauen Höhenzug , aber der Wald war hier von einer seltenen Schönheit . Die prächtigen alten Forste , die als Staatseigentum sorgfältig geschont und geschützt wurden , dehnten sich stundenweit aus , man konnte sich verlieren in diesen tiefen , stillen Waldgründen . Draußen flutete der helle Sonnenschein des Maitages , aber hier im Tannendunkel war es schattig kühl , und auf dem moosbedeckten Boden lag noch der Morgentau , als Edith Marlow den schmalen , halb verwachsenen Fußweg dahinschritt . Sie hatte den Spaziergang gar nicht so weit ausdehnen wollen , aber es war ihr so neu , ganz allein durch den einsamen Forst zu streifen . Sie kannte als Sommeraufenthalt ja nur die großen Seebäder und Kurorte , wo man immer von einem Schwarm von Menschen umgeben war , wo man auf Schritt und Tritt Bekannten begegnete und der Begriff Einsamkeit überhaupt nicht vorhanden war . Diese Waldesstille umfing sie mit dem ganzen Reiz des Fremden , Ungewohnten und lockte sie immer weiter und weiter . Da plötzlich endete der Weg an einer niedrigen , halb zerbröckelten Mauer , hinter der sich so etwas wie eine grüne Wildnis auszudehnen schien . Die junge Dame blieb befremdet stehen , sie sah weder ein Haus noch sonst eine Wohnstätte , und doch war der Platz umfriedet und sogar durch ein Gitterthor abgeschlossen . Der Zugang war freilich leicht genug , das verrostete Gitter hing nur lose in den Angeln und gab einem leisen Drucke nach . Edith that noch einige Schritte vorwärts und stand nun inmitten eines kleinen Friedhofes , der einsam und ganz verwildert und verwachsen tief im Herzen des Waldes lag . Er mochte wohl aus der alten Zeit stammen , wo es hier noch Waldbauern gab , die in ihren abgelegenen , weit zerstreuten Gehöften wohnten und dort gemeinsam ihre Kirche und ihre Grabstätten hatten . Die Lebenden waren längst schon hinausgezogen aus dem düstern Forst in die Dörfer , das Kirchlein war zerfallen , aber man schonte pietätvoll die Ruhestätte der Toten , die hier vergessen schlummerten . Mächtige dunkle Tannen erhoben sich darüber , und dazwischen war ein ganzer Wald von Flieder- und Holundergebüschen emporgewachsen . Dichtes Riedgras wucherte auf dem Boden und auf den eingesunkenen Hügeln . Die schlichten Holzkreuze waren längst zerfallen und vermodert , die eisernen Gedenktafeln vom Roste zerfressen , nur die Grabsteine trotzten der Zeit und der Vergänglichkeit . Sie hoben sich grau und verwittert aus dem Moos und dem wilden , üppigen Rankenwerk , das sich darüber hinspann , und hie und da waren noch einzelne Worte der Inschriften erkennbar . Drüben unter den Tannen war ein uraltes Gemäuer sichtbar , die Ueberreste der einstigen Waldkirche , dorthin lenkte Edith ihre Schritte , als sie zu ihrer Ueberraschung gewahrte , daß sie nicht allein hier sei . Vor der Mauer stand die hochgewachsene Gestalt eines Mannes , der ein altes Denkmal sehr angelegentlich zu betrachten schien , sich aber