, daß Jane erschreckt davor zurückwich . Dies unselige Heimweh ! Die Mutter war daran gestorben , die schwache zarte Frau hatte jahrelang gekrankt und gelitten , aber der Vater , dieser stolze energische Mann , der mit der Heimath und ihren Erinnerungen so völlig gebrochen , der sich seinem Adoptivvaterland mit so voller Seele angeschlossen , und im Haß gegen die Vergangenheit versteint schien , er hatte tief im Innersten verborgen dieselbe qualvolle Sehnsucht mit sich herumgetragen , erst die Todesstunde entriß ihm das Geständniß . Jane stand stumm und völlig verständnißlos vor dieser Entdeckung , aber sie fühlte , daß hier , gerade hier dies seltsame Etwas lag , in dem Vater und Mutter , trotz alles Mißverstehens , doch stets einig gewesen waren , und daß sie gerade hierin Beiden ewig fern gestanden . Sie blickte auf den Kranken , er lag jetzt still , mit geschlossenen Augen und fest zusammengepreßten Lippen , sie wußte , daß in solchen Momenten selbst sie ihn nicht stören durfte . Leise zum Fenster gleitend ließ sie die Vorhänge wieder herab , und bald herrschte die vorige matte Dämmerung wieder im Krankenzimmer . „ Nun , das ist ja eine vielversprechende Introduction , mit der dieser hochgepriesene Rhein uns empfängt ! Ich habe dies ganze Land in den sechsunddreißig Stunden bereits gründlich satt bekommen ! Beim Landen ein Nebel , daß man die Küste nicht eher sieht , bis der Fuß darauf tritt , den Tag in Hamburg ein Regen , als wollte die Sündfluth von Neuem losbrechen , und hier am Rhein nun vollends diese Situation . Ich begreife nicht , Miß Jane , wie Sie dabei so ruhig bleiben können ! “ Die Situation , welche Mr. Atkins so in Aufregung brachte , war in der That keine beneidenswerthe . Im dichtesten Nebel und leise , aber unaufhörlich herniederrieselnden Regen lag die Extrapostchaise zur Hälfte umgestürzt mitten auf der Landstraße , die Pferde , deren Stränge bereits gelöst waren , standen mit gesenkten Häuptern davor , und im Chausseegraben , neben dem zerbrochenen Hinterrade , saß der Postillon , den Kopf mit einem Taschentuche verbunden , und stöhnend den gleichfalls verletzten Fuß mit beiden Händen haltend . Jane , die mit resignirter Miene neben ihm stand , zuckte statt aller Antwort die Achseln . „ Wir können unmöglich hier länger im Regen bleiben ! “ fuhr Atkins im vollsten Aerger fort , „ zumal Sie nicht ! So viel ich beurtheilen kann , sind die Verletzungen unseres Kutschers nicht gefährlich , und er behauptet , daß B. höchstens noch eine Stunde entfernt ist . Das Beste wäre , wir machten uns auf den Weg dorthin und schickten ihm dann die nöthige Hülfe – “ „ Nein , “ unterbrach ihn Jane ruhig , aber mit vollster Bestimmtheit . „ Er blutet noch immer und droht jeden Augenblick ohnmächtig zu werden . Wir können ihn unmöglich allein und hülflos zurücklassen , zum Mindesten müssen Sie bei ihm bleiben , während ich versuche , die nächste Ortschaft zu erreichen . “ „ Allein ? Im fremden Lande ? Bei diesem Nebel , der Sie vielleicht geradewegs in den verhexten Fluß hineinführt , den man da unten nur hört , ohne eine Spur von ihm zu sehen ? Nein , das gebe ich denn doch unter keiner Bedingung zu . “ „ Ich fürchte mich durchaus nicht ! “ erklärte Jane mit einer Entschiedenheit , welche bewies , daß sie nicht gewohnt war , sich selbst von Atkins irgendwelche Vorschriften machen zu lassen , „ und wenn ich der Landstraße folge , so ist ein Verirren unmöglich . Jedenfalls ist es das Einzige , was uns zu thun übrig bleibt . “ „ Aber , Miß Jane , so bedenken Sie doch – Wenn sich nur irgend ein menschliches Wesen zeigen wollte ! Halt , da kommt Jemand ! Auf ein Wort , Sir , wenn es Ihnen beliebt ! “ Die letzten Worte , obwohl deutsch gesprochen , mußten dem Kommenden wohl durch ihren stark englischen Accent den Ausländer verrathen haben , denn eine leise , aber wohllautende Stimme fragte im reinsten Englisch zurück : „ Was giebt es , Sir ? “ „ Gott sei gelobt , es ist ein Gentleman , er spricht englisch ! “ sagte Mr. Atkins aufathmend , und sich rasch dem Fremden nähernd , der bisher im Nebel nur halb sichtbar gewesen war , fuhr er eiligst fort : „ Wir haben einen Unfall mit dem Wagen gehabt , er ist zerbrochen , der Postillon verwundet und wir völlig fremd hier . Darf ich fragen , ob Ihr Weg Sie vielleicht nach B. führt ? “ „ Allerdings . “ „ Nun , dann bitte ich Sie , uns den ersten besten Wagen , den Sie auffinden können , herauszuschicken . Und noch Eins ! Sie haben wohl die Güte , eine junge Lady bis B. unter Ihren Schutz zu nehmen . “ Der Fremde , der bei dem ersten Verlangen sich höflich zustimmend verneigt hatte , trat bei dem letzten einen Schritt zurück , und es klang fast wie Entsetzen aus seiner Stimme , als er wiederholte : „ Eine junge Lady – soll ich – “ „ Nach der Stadt begleiten , ja , und bis zu dem Hause führen , das sie Ihnen bezeichnen wird . Miß Jane , darf ich Sie bitten , sich diesem Gentleman anzuvertrauen ? Sie können unmöglich länger hier im Regen stehen . “ Jane , die bisher ziemlich theilnahmlos der Unterredung zugehört , wandte sich jetzt zu dem Fremden , den Atkins ihr als Begleiter vorstellte . Sie blickte in ein feines , bleiches Gesicht , in ein Paar blaue , träumerische Augen , die jedoch in diesem Augenblick nur halbes Entsetzen und grenzenlose Verlegenheit verriethen ; es ward ihm auch durchaus keine Zeit gelassen , der letzteren Herr zu werden . „ Ich bin Ihnen außerordentlich verbunden , “ sagte Mr. Atkins , ohne im