dann erreichte , war eben das Tagesleben angebrochen ; ich hörte in den Gehöften die Leute zu ihren Pferden reden , die zur Heufuhr an die Wagen gespannt wurden . Mitten in der Dorfstraße , in dem Gärtchen vor seinem Hause , stand ein ältlicher Mann und rauchte behaglich seine Morgenpfeife , in dem ich sogleich den Schulmeister des Dorfes erkannte . Auf meinen › Guten Morgen ‹ erhielt ich freundliche Erwiderung und auf meine Frage , wo ich hier ein Frühstück bekommen könne , die Einladung , ins Haus zu treten und mit ihm und seiner Frau den Morgenkaffee einzunehmen . Das tat ich denn , und da die Frau nicht weniger zutraulich war , so saßen wir drei bald im schönsten Plaudern nebeneinander . Das erste , was ich erfuhr , war die Geschichte jenes Schuhes , bei der mein gütiger Wirt selbst in gewisser Weise beteiligt war . – Als eines Stubenmalers Sohn hielt er die väterliche Kunst noch so weit in Ehren , daß er seinen Schülern wöchentlich eine Stunde Zeichenunterricht erteilte . Er verdiente damit , wie er meinte , freilich weder bei Eltern noch Kindern besonderen Dank ; nur der Sohn eines wohlhabenden Bauern , welcher dem Schulhause gegenüber wohnte , hatte so viel Geschick und Eifer gezeigt , daß er bald nicht nur allerlei Dinge , die der Lehrer ihm vorgelegt , nach der Natur gezeichnet , sondern auch zu Hause und auf eigene Hand alles abkonterfeit hatte , was ihm grade in den Weg gekommen . – Soweit war alles leidlich gut gegangen , wenn auch der alte Bauer bisweilen über die › dumme Kritzelei ‹ gescholten hatte . › Da mußte das Unglück ‹ , erzählte der Lehrer weiter , › meinen jüngsten Bruder , welcher bei dem Berufe unseres Vaters geblieben ist , auf ein paar Wochen zum Besuch hieher führen . Er versteht ein wenig mehr , als was zum bloßen Handwerk gehört , und pflegt auch in seinen Mußestunden allerlei Blättchen mit Wasserfarben anzufertigen . Ein paar Zeichnungen des Knaben , die ich ihm zeigte , erregten seine Teilnahme , und so dauerte es nicht bis in den dritten Tag , daß die beiden die dicksten Freunde waren . Jeden Abend haben sie hier am Tisch gesessen zu zeichnen und zu pinseln , und da mein Bruder dem Jungen einen Teil seiner Farben zum Geschenk machte , so setzte dieser das Geschäft nach dessen Abreise fort . Seitdem war nichts mit ihm anzufangen , und endlich erklärte er rundheraus , er wolle Maler werden . Sie können sich den Lärm den ken ; der Vater , der außer ihm nur eine verheiratete Tochter hat , hatte sich immer der starken Gliedmaßen seines Sohnes gerühmt . Nun wurde er konfirmiert und sollte mit an die Feldarbeit ; aber er wollte nicht . Manches Mal hat der Alte ihn mit der Peitsche drüben aus dem Walde geholt , wo er irgendeinen schönen Baum zu Papier brachte , und ihm seinen Zeichenkram vor der Nase entzweigerissen . Aber es half alles nichts ; ich redete vergebens zum Frieden ; der Junge mit seinen Knochen sollte Bauer werden , der Alte wollte nicht für Fremde so viele Acker Heide urbar gemacht haben . Endlich , vorgestern nachmittag beim Heufahren , wurde dem Faß der Boden ausgestoßen . Der arme Bursche vergaß unseres Herrgotts Gebote und sprang in die Trinkgrube ; zum Glück waren seines Vaters Leute in der Nähe , die ihn noch eben zu rechter Zeit herausholten . Mich selbst und meine Zeichenstunden ‹ , so schloß der Schullehrer seinen Bericht , › wird diese Geschichte auf lange um allen Kredit gebracht haben . ‹ Er stand auf und holte sich eine neue Pfeife aus der Ecke ; ich blieb nachdenklich sitzen . – Was hatte denn mich an jenes Wässerchen hinausgelockt ? Die solide Desperation des armen Jungen versetzte mich in die tiefste Beschämung . Soviel stand fest , ich mußte ihn kennenlernen ; vielleicht daß ich ihm helfen konnte . › Schulmeister ‹ , sagte ich endlich , › ich bin krank gewesen , es würde mir gut tun , ein paar Wochen auf dem Lande zu leben . Könntet Ihr mir wohl Quartier geben ? ‹ Daß ich ein Maler sei und allerlei für meine Mappen einzusammeln gedachte , verschwieg ich wohlweislich noch ; und so war denn auch bald , › wenn ich nur fürlieb nehmen wollte ‹ , ein Kämmerchen bei den kinderlosen Leuten für mich bereit . Freilich ließ ich mit einigen Kleidungsstücken auch mein Aquarellkästchen aus der Stadt kommen ; aber das blieb vorläufig in dem Reisesack verborgen ; auf meinen ersten Streifereien behalf ich mich mit dem Bleistift , womit ich denn noch am selben Nachmittage die Trinkgrube mit dem rettenden Lederschuh zum dankbaren Gedächtnis in mein Taschenbuch eintrug . Am Abend wagte ich mich unter die Dorfleute und endlich auch zu dem alten Kunstfeinde gegenüber , der rauchend in der großen Torfahrt seines Hauses stand . Ich begann ein Gespräch über den Stand der Ernte , ging dann auf die neue Steuer über , schimpfte etwas weniges auf die Regierung , und so wurden wir bald bekannt . Es ist ein alter knorriger Kerl ; du sollst ihn nachher in meiner Mappe sehen , worin er ohne Wissen und Willen hat Platz nehmen müssen . Von dem Sohne sah ich nichts und hütete mich auch wohl , seiner zu erwähnen . – Am Abend darauf , nachdem ich den Tag im nahen Walde in Gesellschaft gehöriger Butterschnitte der Frau Schulmeisterin verbracht hatte , war ich wieder zur Stelle , und ebenso am dritten und am vierten Abend ; der Alte schien diesmal in einer nachdenklichen Stimmung ; er saß ohne seine Pfeife auf dem Stein vor seinem Hause und antwortete kaum auf meine noch so wohlüberlegten Gesprächseinleitungen . › Wer weiß ‹ , dachte ich endlich ; › vielleicht ist ' s just der rechte Augenblick . ‹ So fragte ich ihn