« , sagte er dann , » du wirst dort auch mitrechnen können . « » O ja , Vater , das möcht schon gehen « , erwiderte der Sohn , und ein ernstes Zucken lief um seinen Mund . Der Alte schüttelte den Kopf : » Nun , aber meinethalb ; versuch einmal dein Glück ! « » Dank auch , Vater ! « sagte Hauke und stieg zu seiner Schlafstatt auf dem Boden ; hier setzte er sich auf die Bettkante und sann , weshalb ihn denn sein Vater um Elke Volkerts angerufen habe . Er kannte sie freilich , das ranke achtzehnjährige Mädchen mit dem bräunlichen schmalen Antlitz und den dunklen Brauen , die über den trotzigen Augen und der schmalen Nase ineinanderliefen ; doch hatte er noch kaum ein Wort mit ihr gesprochen ; nun , wenn er zu dem alten Tede Volkerts ging , wollte er sie doch besser darauf ansehen , was es mit dem Mädchen auf sich habe . Und gleich jetzt wollte er gehen , damit kein anderer ihm die Stelle abjage ; es war ja kaum noch Abend . Und so zog er seine Sonntagsjacke und seine besten Stiefel an und machte sich guten Mutes auf den Weg . – Das langgestreckte Haus des Deichgrafen war durch seine hohe Werfte , besonders durch den höchsten Baum des Dorfes , eine gewaltige Esche , schon von weitem sichtbar ; der Großvater des jetzigen , der erste Deichgraf des Geschlechtes , hatte in seiner Jugend eine solche osten der Haustür hier gesetzt ; aber die beiden ersten Anpflanzungen waren vergangen , und so hatte er an seinem Hochzeitsmorgen diesen dritten Baum gepflanzt , der noch jetzt mit seiner immer mächtiger werdenden Blätterkrone in dem hier unablässigen Winde wie von alten Zeiten rauschte . Als nach einer Weile der lang aufgeschossene Hauke die hohe Werfte hinaufstieg , welche an den Seiten mit Rüben und Kohl bepflanzt war , sah er droben die Tochter des Hauswirts neben der niedrigen Haustür stehen . Ihr einer etwas hagerer Arm hing schlaff herab , die andere Hand schien im Rücken nach dem Eisenring zu greifen , von denen je einer zu beiden Seiten der Tür in der Mauer war , damit , wer vor das Haus ritt , sein Pferd daran befestigen könne . Die Dirne schien von dort ihre Augen über den Deich hin aus nach dem Meer zu haben , wo an dem stillen Abend die Sonne eben in das Wasser hinabsank und zugleich das bräunliche Mädchen mit ihrem letzten Schein vergoldete . Hauke stieg etwas langsamer an der Werfte hinan und dachte bei sich : › So ist sie nicht so dösig ! ‹ Dann war er oben . » Guten Abend auch ! « sagte er , zu ihr tretend ; » wonach guckst du denn mit deinen großen Augen , Jungfer Elke ? « » Nach dem « , erwiderte sie , » was hier alle Abend vor sich geht , aber hier nicht alle Abend just zu sehen ist . « Sie ließ den Ring aus der Hand fallen , daß er klingend gegen die Mauer schlug . » Was willst du , Hauke Haien ? « frug sie . » Was dir hoffentlich nicht zuwider ist « , sagte er . » Dein Vater hat seinen Kleinknecht fortgejagt , da dachte ich bei euch in Dienst . « Sie ließ ihre Blicke an ihm herunterlaufen . » Du bist noch so was schlanterig , Hauke ! « sagte sie ; » aber uns dienen zwei feste Augen besser als zwei feste Arme ! « Sie sah ihn dabei fast düster an , aber Hauke hielt ihr tapfer stand . » So komm « , fuhr sie fort ; » der Wirt ist in der Stube , laß uns hineingehen ! « Am andern Tage trat Tede Haien mit seinem Sohne in das geräumige Zimmer des Deichgrafen ; die Wände waren mit glasurten Kacheln bekleidet , auf denen hier ein Schiff mit vollen Segeln oder ein Angler an einem Uferplatz , dort ein Rind , das kauend vor einem Bauernhause lag , den Beschauer vergnügen konnte ; unterbrochen war diese dauerhafte Tapete durch ein mächtiges Wandbett mit jetzt zugeschobenen Türen und einen Wandschrank , der durch seine beiden Glastüren allerlei Porzellan- und Silbergeschirr erblicken ließ ; neben der Tür zum anstoßenden Pesel war hinter einer Glasscheibe eine holländische Schlaguhr in die Wand gelassen . Der starke , etwas schlagflüssige Hauswirt saß am Ende des blankgescheuerten Tisches im Lehnstuhl auf seinem bunten Wollenpolster . Er hatte seine Hände über dem Bauch gefaltet und starrte aus seinen runden Augen befriedigt auf das Gerippe einer fetten Ente ; Gabel und Messer ruhten vor ihm auf dem Teller . » Guten Tag , Deichgraf ! « sagte Haien , und der Angeredete drehte langsam Kopf und Augen zu ihm hin . » Ihr seid es , Tede ? « entgegnete er , und der Stimme war die verzehrte fette Ente anzuhören , » setzt Euch ; es ist ein gut Stück von Euch zu mir herüber ! « » Ich komme , Deichgraf « , sagte Tede Haien , indem er sich auf die an der Wand entlanglaufende Bank dem andern im Winkel gegenübersetzte . » Ihr habt Verdruß mit Euerem Kleinknecht gehabt und seid mit meinem Jungen einig geworden , ihn an dessen Stelle zu setzen ! « Der Deichgraf nickte : » Ja , ja , Tede ; aber – was meint Ihr mit Verdruß ? Wir Marschleute haben , Gott tröst uns , was dagegen einzunehmen ! « Und er nahm das vor ihm liegende Messer und klopfte wie liebkosend auf das Gerippe der armen Ente . » Das war mein Leibvogel « , setzte er behaglich lachend hinzu ; » sie fraß mir aus der Hand ! « » Ich dachte « , sagte der alte Haien , das letzte überhörend , » der Bengel hätte Euch Unheil im Stall gemacht .