‹ bin , und sie ist bis heute – ja bis heute , und also länger als dreißig Jahre , das ungelöste Rätsel , das Mysterium in meinem Leben geblieben – « » Erzählen Sie , o erzählen Sie ! « rief der Pastor atemlos , den Erzähler in der besten raschesten Mitteilung seines Berichtes aus übergroßer Spannung unterbrechend , und Herr Philipp Kristeller benutzte die Gelegenheit , um Atem zu schöpfen , ehe er fortfuhr . Es schien ihm aber wirklich daran gelegen zu sein , das Geheimnis seines Lebens von der Seele loszuwerden , und so fuhr er fort : » Ich fand einfach einen Weggenossen und sozusagen Kollegen auf meinen Gängen , einen jungen wohlgekleideten Mann , der sich gleichfalls mit der Botanik beschäftigte , nur um ein weniges jünger als ich zu sein schien und sich als ein Naturfreund und Pflanzenkenner auswies , der selbst meinen Prinzipal im verständnisvollen Eindringen in unsere hinreißende Wissenschaft übertraf . Aus der Gegend war er nicht , seinen Namen haben wir nie recht erfahren ; wir nannten ihn Herr August und später auch einfach August . Sein Familienname war das aber jedenfalls nicht . Der Zufall stieß uns an einem heißen Julinachmittage auf einer abgeholzten , glühenden Berglehne unter den manneshohen Fingerhutbüschen zwischen dem Gewirr der Granitblöcke die Köpfe zusammen und ließ uns sofort höflich das Handwerk grüßen . Zuerst begrüßten wir jedoch natürlich höflich uns selber und betrachteten einander . Was der Fremde an mir sah , weiß ich nicht ; mir steht er heute noch so klar und deutlich wie damals vor Augen . Es war ein junger Mann , wie gesagt , ungefähr von meinem Alter , hochgewachsen , wohlgebaut , von schwarzem Haar und mit einem ernsthaften energischen Gesicht von etwas gelbweißer , jedoch keineswegs krankhafter Farbe . Den Kopf trug er ein wenig gesenkt , und seine Stimme war wohllautend , er gebrauchte sie aber nur zu selten . Während unseres ganzen Verkehrs überließ er es mir vollständig allein , die Unterhaltung zu führen ; und wie ihr wißt , liebe Nachbarn , bin ich stets für einen lebhaften mündlichen Verkehr gewesen – vielleicht oft nur zu sehr . « An dieser Stelle hatte die Schwester etwas zu sagen , und etwas unmutig rief sie : » Bester Bruder , sie reden im Dorfe doch schon dumm genug von dir ! « Der geistliche Herr lächelte ; aber der Förster lachte laut und rief : » Ja , Fräulein Dorette , für den Anstand ist seine Natur freilich nicht eingerichtet , das habe ich zweimal in Erfahrung gebracht und werde es mit meiner Einwilligung nicht zum drittenmal erleben . Das ist so ! Er hält jedem Fuchs , der herüberwechselt , eine Standrede , ehe er losbrennt und vorbeipafft . Aber hingegen bei einem Treiben wäre er wohl an Ort und Stelle , und eine Hasenklapper ist auch ein recht nützliches Ding . « » Ich danke Ihnen für Ihre Bemerkung , Ulebeule ! « sprach das alte Fräulein spitz und kurz , und jetzt lächelte Herr Philipp Kristeller und ließ sich nicht weiter auf seinem Wege aufhalten . » Ich gab also , wie es nicht anders sein konnte , meiner Natur nach . Ich erzählte dem neuen Bekannten so nach und nach von allem , was mir an mir , meinem Leben und Zuständen wichtig dünkte . Um alles , von meiner Geburt an , wußte er bald Bescheid ; was ich von ihm dagegen erfuhr , war so wenig als möglich , das heißt gar nichts ! – Aber ein guter Gesellschafter war er doch und wurde ein immer besserer , je häufiger wir uns trafen . Wir fingen an , die Plätze miteinander zu verabreden , an welchen wir uns finden wollten , und er , als der freiere Mann , war stets am Orte . Manchmal begleitete er mich bis an den Hügelhang , an welchem die Stadt liegt ; allein so oft ich ihn auch einlud , nun auch mit mir in dieselbe hinunterzusteigen , so lehnte er das stets bestimmt ab , ohne einen Grund für die Weigerung anzugeben . Am Waldrande über dem Nordtore nahm er stets Abschied , drückte mir die Hand und ging zurück . In der Stadt und Umgegend kannte ihn keiner , so oft und viel ich auch die Leute nach ihm ausfragte . Gesehen hatte ihn wohl mancher , und manchem war er auch in seinem Wesen und Treiben aufgefallen ; doch nähere Auskunft über ihn wußte niemand zu geben . In einem Dorfe , mitten in den Bergen , hatte er für ein Pferd und einen leichten Wagen ein Standquartier , doch auch da nannte man ihn einfach nur Herr August und hielt ihn für einen Studiosen aus der Universitätsstadt in der Ebene , der , › wie schon viele ‹ , von dort in die Berge komme , um › die Kräuter zu verstudieren ‹ . « » Scheint mir eine kalte Fährte gewesen zu sein « , meinte der Förster , und der Pastor war derselben Meinung . » Ich gab auch nichts darauf « , erzählte Herr Philipp weiter , » sondern setzte den Verkehr fort , wie er sich eben machte , und nachdem ich mit dem Herrn August ein halbdutzend Male zusammengetroffen war , fügte es der Zufall , daß er auch meine Braut kennen lernte . Die hatte mit ihren Verwandten und Bekannten an einem schönen Sonntage einen Ausflug in den Wald gemacht , und da trafen wir – als Johanne und ich uns von der lustigen Gesellschaft abseits geschlagen hatten und allein für uns gingen , auf einem überwachsenen Pfade auf meinen geheimnisvollen Freund . Wir gingen Arm in Arm , und er ging wieder einsam , und sein Gesicht war ernster und trüber denn je . Als er uns erblickte , erhellten sich seine Mienen zwar , aber nicht auf lange . Er wollte mit uns fröhlich und heiter sein ; aber es