seinen Anspielungen auf Kredit und Kapital herausgerückt war , hatte der Baron ein unruhig Hin- und Herrücken auf seinem Sitze begonnen ; jetzt setzte er sich wieder fester , klopfte mit der Dose auf den Tisch und rief : » Du hast sie innerhalb eines Vierteljahres – parole d ' honneur ! Vor acht Tagen schon habe ich meinen Trumpf ausgespielt und an der betreffenden Stelle die Nadel am kitzlichsten Punkt eingebohrt . Ich habe den guten Eltern unseres lieben Kindes ihren Standpunkt in bezug auf meine Erbschaft klar gemacht – « » He he , he , du Tausendsasa ! « » Lache nicht , Magerstedt . Du hast mir nicht umsonst deinen Kredit geliehen . Papa und Mama haben mit selbst mich überraschender Eile Vernunft angenommen ; unserem – unserem jungen Nachbar jenseits des Hofes ist das Haus verboten worden . Morgen ist Sonntag , das Wetterglas steigt immer noch ; ohne eine Erkältung fürchten zu dürfen , gehen wir im Frack hin und machen unsere Aufwartung . Du sollst dir das Jawort der Kleinen holen – das der beiden Alten hast du ; und meinetwegen – magst du – am Montag – Hochzeit – halten ! « » Montag wird nicht wochenalt , « kicherte der Herr von Magerstedt , sich die Hände reibend . » Wir werden sehen , wir werden sehen ! Aber ein Teufelskerlchen bist du und bleibst du , Püterich . Wir sind beide Teufelskerlchen . Aber siehst du , daß ich mit dem Kredit recht hatte ! Wenn ich als dein Freund , dein einziger , wirklicher , wahrer Freund nicht wüßte , was du wert bist , so möchte ich schon aus alter Anhänglichkeit die Gesichter nicht sehen , die dir die Stadt schneiden würde . Da hast du abermals meine Hand darauf , ich werde dich noch höher in der Achtung der Welt steigen lassen . Ich werde noch um ein Bedeutendes von dir besser reden . Dein Kredit – dein Kredit ! Deine Erbschaft – deine Erbschaft ! Es ist zu himmlisch , zu originell ! « Der Baron hatte wieder wie vorhin keine Ruhe auf seinem Sitze , aber nicht aus innerlichstem Behagen . Er versuchte es zwar , auch in das kreischende Lachen des Freundes einzustimmen , aber es kam blechern , merkwürdig blechern heraus , und er gab ' s auf und sagte : » Der größeren Sicherheit und Vorsicht halber werde ich jedoch , wenn du nichts dagegen hast , noch einen Besuch in der Villa machen . « » Dagegen hast ? Nicht das geringste habe ich einzuwenden . Ganz im Gegenteil werde ich dir mit Vergnügen in den Überrock helfen und dir eine Droschke besorgen . Eile , mein Söhnchen ! Ich habe ihr das Stübchen nach dem Hofe , wie du weißt , eingerichtet , daß eine Prinzessin drin sich behaglich fühlen müßte . Das Nestchen ist zwar ein wenig dunkel , und die Aussicht geht gerade nicht ins Grüne , allein was braucht sie auch ins Grüne zu gucken . Auf mich soll sie sehen , und sie wird es um so zärtlicher tun , je weniger die Außenwelt sie von ihrer Aufgabe , mich glücklich zu machen , abzieht . « » Aber die Fenster deines Hinterstübchens korrespondieren mit denen des Assessors ! « warf der Baron ein . » Auch der junge Mann gehört zur Außenwelt und in deiner Stelle – « » Da ich ihn leider nicht in die Unterwelt befördern kann , so habe ich längst mit Aldenberger und Kompanie gesprochen . Er zieht aus , ehe mein süßes junges Weibchen einzieht . Hieltest du mich wirklich für so dumm , Püterich ? « » Jetzt bleibt nichts weiter übrig : ich muß mich zeigen ! « sagte das Gespenst des Hauses . » Es ist zwar ganz gegen meine Natur , aber es geht nicht anders . Du ersparst mir auch das nicht , Philibert , und ich werde mich – andeuten ! « Ein Nagel löste sich plötzlich ohne alle äußere Einwirkung aus der Wand los , und ein Bild – das Brustbild einer vor fünfundzwanzig bis dreißig Jahren in mehr als einer Beziehung berühmten Künstlerin der königlichen Bühne fiel herab . Das Glas zersplitterte , der Rahmen zerbrach und verstreute Wurmmehl über den Boden . Die beiden trefflichen alten Knaben fuhren im jähesten Schrecken in die Höhe . » Zum Henker , wie kam denn das ? « fragte der Baron Philibert Püterich , unter seinem grünen Augenschirm hervor die Trümmer überblinzelnd . » Ganz natürlich ; in einem solchen alten Kasten von Gebäude hält zuletzt nichts mehr ! « meckerte der Freund , seinem Nervensystem durch die Nase , das heißt durch eine von uns nicht gezählte Reihenfolge von Prisen zu Hülfe kommend . Viertes Kapitel So , was man so nennt – so ganz natürlich war das Ding denn doch nicht zugegangen ; wir , der Autor , gehetzt mit allen Hunden der Kultur des neunzehnten Jahrhunderts , wissen das und geben den Nerven der beiden alten Herren recht und nicht dem Fassungsvermögen ihrer logischen Denkfähigkeit ; wobei wir uns die Anmerkung gestatten , daß die ersteren immer eine Realität sind , während das letztere dann und wann eine schöne Redensart ist und auch bleibt . Es war Rosa von Krippens Geist oder Schatten , der seit einem Menschenalter hinter der Tapete im Wohngemache des Barons Püterich im Püterichshofe klebte , und dem der Nagel , welcher das Bild der schönen Sünderin Innocentia an der Wand befestigte , gerade durch das Schattenherz ging . Wie ein aufgespießter Gespensterschmetterling haftete Rosa von Krippens Schemen zwischen der Mauer und dem aufgekleisterten Tapetenleder und hatte alles anzuhören und anzusehen , was in dem Gemache des Barons gesprochen und getan wurde . Und Rosa war um den Baron am gebrochenen Herzen gestorben und klebte zur Strafe und Sühne dafür hinter der Tapete ; und der Nagel , der sie anheftete und zugleich das Bild der schönen