beim rechten Lichte besehen , war niemand vorhanden , der sich hätte anmaßen dürfen , den Wächter über die kochenden Leidenschaften zu spielen und den Deckel überzustülpen . Sie waren alle Partei ! Und der , welcher die stärkste Hand hätte haben können , nämlich Herr Christoph Bernhard , der Bischof zu Münster , führte Krieg mit den Herren Generalstaaten , pfiff auf das Deutsche Reich , versah sich nichts Gutes von dem Herzog Rudolfus Augustus auf dem Amthause Wickensen und wußte zu allem übrigen , daß seine » gute Munizipalstadt « ; – nämlich die Stadt Höxter , der Mehrzahl ihrer Eingesessenen nach , gleichfalls nach Wickensen ausschaute , jedoch aus einem ganz andern Grunde als er , der Bischof . » Laufe schnell mal einer nach dem Bürgermeister ! « heißt es sonst wohl in einem gutgeordneten Gemeinwesen ; aber auch das war leidergottes hier und diesmal von wenig Nutzen . Auch der Bürgermeister von Höxter , Herr Thönis Merz , war Partei . Man hatte von katholischer Seite , um ihn und seine » arme gute Stadt « unter die Botmäßigkeit des Stiftes und des Herrn Fürstbischofs zu bringen , ihm und ihr mit Schikanen und sogar auch Handgreiflichkeiten arg zugesetzt . Seine Berichte und Klageschriften an den Schutzherrn zu Wickensen schrieen laut genug darob . Wie lange war es her zum Exempel , daß man ihn , den hochedlen Bürgermeister , samt seinem ehrbaren Rat auf die Sperlingsjagd geschickt hatte ? War das keine Schikane , daß man von Corvey aus der guten und glorreichen Stadt Huxar wie der geringsten Bauernschaft der Umgegend auferlegte , ihr Quantum Sperlingsköpfe im Stiftshofe abzuliefern , vorzuzählen und aufzuschütten ? ! Per vulnera Christi hatte die Stadt zum Herzog Rudolfus Augustus um Hülfe geheult , und der Bruder Henricus konnte darüber aussagen , wie die Herzoglichen Gnaden über den Fall dachten . Ja , ja , wie sich der Bischof und der Herzog über die Weser mit Briefen und von Braunschweigischer Seite vor kurzem auch mit einigen Kompanien Fußvolks und stattlichen Reiterzügen unter die Nase rückten und jahrelang hin und her zogen , das steht auf manchem Blatte zu lesen , das gelb und muffig aus jener Zeit zu uns herabgekommen ist . » Die gute , uralte Stadt Höxar , welche umb ihrer Gerechtsamen und ihrer heiligen Religion halber Leib , Gut und Blut verloren , wird nunmehro als das geringste Dorf gehalten . Ihre Schlüssel sind ihr benommen , in ihrem guten Rechte , sich selber einen Scharfrichter zu halten , ist sie turbiret . Selbst das Judengeleit , so die Stadt doch vor und nach Anno 1624 gehabt , ist ihr auch wieder weggenommen , daß anitzo ein Hauffen Juden alle in bürgerlichen Häusern allda wohnen , ihren Wucher treiben und dennoch der Stadt nichts geben ! « So schrie die lutherische Bürgerschaft . – » Wir werden Euch lehren , so anzäpfliche Worte ohngescheut auszusprengen ! « grollte der katholische Teil der Bevölkerung ; und von Corvey aus ließen sich die Bischöflichen Gnaden vernehmen : » Mit sonderbarer Milde und Clementz haben wir bis dato Euch ungerathene , widerspenstige Leute zu Huxar tractiret . Unser landesfürstliches Recht haben wir gewahret : wie reimet sich dann , was Ihr zur Bemantelung des Braunschweigischen feindlichen Einfalls hervorbringet ? « » Sind nicht schon Bürgermeistern Johann Wildenhorern deswegen , daß er vor 16 Jahren bey weyland Herrn Abts Arnolden Zeiten in damaligen seinem Bürgermeister-Ampte für der Stadt Jura gestrebet , allererst vor drei Jahren , wie itztermeldeten Herrn Abts Fürstliche Gnaden schon todt gewesen , Früchte weggenommen ? « klang ' s vom Rathause . » Und wer war Schuld daran « , klang ' s zurück , » daß unserm Fürstlich Münsterischen Hauptmann Meyer , welcher mit zwanzig Mann bei Euch lag , das Trommelspiel , womit derselbe durch seinen Tambour die gewöhnliche Reveli , Scharwacht und Zapfenstreich schlagen lassen , gewaltthätig weggenommen und zu der Braunschweigischen Munition unterm Rathaus hingebracht wurde ? « » Seid Ihr nicht in dieser anhängigen Sache gleichsam Judex , pars et Advocatus ! « schrie die Stadt . » Mit nichten ! Von Gottes Gnaden sind Wir , Christoph Bernhard , Bischof zu Münster , Administrator zu Corvey , Eures heillosen , rebellischen Municipii eingesetzeter und gesalbter Landesherr ! « schallte es zurück . » Hm , Euer Liebden « , kam ' s vom jenseitigen Ufer der Weser schriftlich herüber , » ohne Euer Liebden in Ihrer unstreitigen Gerechtsame und Landes-Fürstlicher Hoheit zu nahe zu treten , so haben wir doch als Erb-Schutz-Herr wegen unseres Fürstlichen Hauses Interesse dahin zu sehen , daß die arme Stadt in solchem desperaten Zustande nicht gleichsam vor unsern Augen zu Grunde gehen muge . « Signatum : » Rudolff Augustus . « » An den Herrn Bischoffen von Münster . « In der gehörigen Zeit nach diesem freundnachbarlichen Schreiben war – eben der Herr von Turenne in Höxter eingerückt . Eine verständlichere Antwort auf den herzoglichen Brief hatte Herr Christoph Bernhard von Galen nicht zu geben gewußt , daß aber der gute Nachbar auf dem Amtshause Wickensen sie sofort verstanden hatte , wird uns deutlich werden , wenn der alte Reiter Heinrich von Herstelle zu Corvey Kunde davon gibt , was er im Solling sah . Was die Judenschaft anbetraf , über deren in Wegfall gekommenes » Geleitsrecht « die Bürgerschaft von Höxter gleichfalls so sehr erbost war , so hielt sie sich verständigerweise so still als möglich , ohne daß es ihr , wie wir zu allem übrigen sogleich sehen werden , viel half . – – Und nun hatte der Herr von Fougerais am Tage vor der Heimkehr des Bruders Henricus , nach Wesel abmarschierend , die gute Stadt des Fürstbischofs von Münster verlassen und – nicht ohne seine Gründe , vorher die Brücke , die auf das rechte Weserufer überführte , abgebrochen . Christoph Bernhard mit seiner Macht stand weit in der Ferne gegen Holland : für eine Zeit waren Höxter und