erklommen haben . Sie faßte Palma schützend am Arm und blickte geringschätzig auf den Lombarden . » Schwürest du bei Gott und seinen Heiligen « , sagte sie , » so schwürest du falsch ; eher schwörst du die Wahrheit bei dem Vater der Lügen . Habet ihr euch nicht bei allem Göttlichen verpflichtet , ihr Lombarden , nie mehr in Rätien zu rauben und zu brennen ? Und jetzt da ihr , wie alles Böse , vor den Augen des Kaisers flüchtet , schleudert ihr rechts und links verheerende Flammen ! Ich komme von Chur und weiß um eure Taten , Eidbrüchige ! Sage du deinem Witigis , die Richterin würde ihm nachjagen und ihn züchtigen , wenn nicht ein Höherer käme und er ist schon da , dessen Hand ihn erreicht , flöhe er an die Enden der Erde ! « Jetzt fielen ihre Augen auf den Sack des Goldschmieds . » Was trägst du da weg , Dieb ? « fragte sie verächtlich . » Ein ehrlicher Handel « , beteuerte dieser und öffnete den Sack , während das Mädchen die Mutter stürmisch umarmte . » Ich kaufe den Bruder ! « rief sie . » Er ist in die Gewalt des Witigis geraten , der auf ihn zielt , bis ich der Frau Herzogin « – das unschuldige Kind erhob die blonde Rosmunde in den Ehestand – » meinen Schmuck gegeben habe , und wie gerne gebe ich ihn ! « Die Richterin machte sich von ihr los und fragte Rachis : » Ist das wahr ? « » Bei meinem Halse , Herrin ! « » Ich würde dir nicht glauben , wüßte ich nicht , daß der Höfling Wulfrin dem Kaiser voranreitet , und hätte ich nicht selbst eben jetzt in Chur gehört , daß die Lombarden einen Höfling gefangen haben . Dennoch kann es eine Lüge sein , denn es ist kaum glaublich , daß ein Tischgenosse Karls dem Feinde seinen Namen nennt und zu einem Mädchen um Lösung sendet . « » Nein , nein , Mutter , so war es nicht ! « rief Palma und erzählte den Vorgang . » Ein eitles Weib , dem ein Leben feil ist für einen Schmuck , das hat mehr Sinn « , meinte die Richterin . Sie schien zu überlegen . Dann warf sie einen Blick auf das Geschmeide . » Ich will den Höfling mit Byzantinern lösen « , sagte sie . » Das steht nicht in meinem Auftrag und würde der Rosmunde schlecht gefallen . « » Dann tue ich es nicht . « » Auch gut « , grinste Rachis . » So lässest du eben den Wulfrin umkommen . Du magst deine Gründe haben . Ganz wie du willst . « » Das willst du nicht , Mutter ! « jammerte Palma und stürzte auf die Kniee . » Nein , das will ich nicht « , sprach die Richterin mit nachdenklichen Brauen . » Warum auch ? Nimm das Zeug ! « und Rachis war weg . Das jubelnde Mädchen fiel der Mutter um den Hals und bedeckte den strengen Mund mit dankbaren Küssen . Dann raubte sie ihr den kriegerischen Helm so ungestüm , daß die Flechten des schwarzen Haares sich lösten und niederrollend dem entschlossenen Haupte der Richterin einen jugendlichen und leidenden Ausdruck gaben . Die nicht enden wollende Freude Palmas ermüdete endlich die Richterin . » Geh schlafen , Kind « , sagte sie , » es dunkelt . « » Schlafen ? Wer könnte das , bis Wulfrin ruft ? « » So wirf dich wie du bist auf das Polster . Was gilt ' s , ich finde dich schlummern ? Zu Bette , Hühnchen ! husch ! husch ! « und sie klatschte in die Hände . Palma flog die Stiege hinauf und die Richterin wendete sich zu Rudio ihrem Kastellan , der schon eine Weile ruhig harrend vor ihr stand . » Was meldest du ? « fragte sie . » Eine Albernheit , Herrin . Ich sah die Tür zu unserm Kerker sperrangelweit offen . Freilich hatte ich sie nicht verriegelt , da gerade niemand sitzt . Ich steige hinab und auf dem Stroh liegt ein Geschöpf , das ich in der letzten Helle mir nur mühsam enträtsle . Es war die Faustine , welche , wie du dich erinnerst , mit deiner Erlaubnis ihr Kind die Brunetta einem Lombarden , einem leidlichen Manne , den du auf mein Fürwort unter deinem Gesinde duldetest , zum Weibe gegeben hat . Jetzt da das fremde Volk wandert , hat auch ihr Kind sein Bündel geschnürt und das muß sie irre gemacht haben . Sie hat sich eine Hand in den Kettenring gezwängt und ist übrigens guten Mutes . › Meister Rudio ‹ , redete sie zu mir , › wetze dein Beil am Schleifstein und tue mir morgen nicht weher als recht ist . ‹ Ich schelte sie und will ihr den Arm aus der Fessel ziehen . › Welche Posse ! ‹ sage ich , › du bist ja die ehrliche Armut am Rocken und im Rübenfeld , die ihr Kind rechtschaffen großgezogen hat . Hier ist nicht dein Ort . Mit deinesgleichen habe ich nichts zu tun . ‹ Sie sperrte sich und sagte : › Das weißt du nicht , Rudio . Geh und rufe die Richterin . Die wird das Garn schon abwickeln und mir armem Weibe geben , was mir gehört . ‹ Sollte ich die Törin zerren ? Du steigst wohl hinab und bringst sie zurecht . « Die Richterin hieß Rudio eine Fackel anbrennen und ihr vorschreiten . In dem tiefen Gelasse saß ein gefesseltes Weib , das der Kastellan beleuchtete . Auf einen Wink der Herrin steckte er den brennenden Span in den Eisenring und ließ die Frauen allein . Stemma beugte sich über die freiwillig Eingekerkerte und befühlte ihr als geschickte Ärztin den Puls der freien Hand , welchen aber kein Fieber