gewaltigen Klang , einen so belebenden Zauber , daß der Wonnemond mit all seinem Blühen und Treiben ein wahres Kinderspiel dagegen ist . Der Schornstein auf dem Gemeindebackhause in Ringelshausen dampfte weidlich . Manchmal öffnete sich die Tür mit einer gewissen Feierlichkeit , und es traten Frauen heraus , die auf großem Kuchenbrett die wohlgeratenen duftenden Meisterwerke ihrer Backkunst nach Hause trugen ... Welches Gaudium für die Dorfjungen , welche , die Hände in den Taschen und die weiße Zipfelmütze lang auf den Rücken hinabhängend , mit gespreizten Beinen und sehnsüchtig hinübergestrecktem Halse die Kuchenträgerinnen vorbeidefilieren ließen ! Am Brunnen scheuerten die Mägde mit wahrer Inbrunst , und die längs der Wände aufgestellten Eimer , das blitzende Kupfer- und Messinggeschirr waren leuchtende Zeugen ihres Fleißes . Es war ja aber auch am letzten Nachmittag vor der Kirmse – wer möchte da müßig stehen ? Im traulichen Stübchen saß Marie förmlich vergraben unter Spitzen und Bändern , die ihre fleißigen , geschickten Hände in jenen Koloß verwandelten , den die Thüringer Bäuerinnen als ihren schönsten Kopfschmuck hoch in Ehren halten . Sie hatte in der Stadt Zeit und Gelegenheit zum Aneignen dieser Kunstfertigkeit gewissenhaft benutzt . In der Umgegend hatte sie eine ausgebreitete Kundschaft ; von Ringelshäusern dagegen wurden ihr sehr wenig Aufträge ; einmal , weil das Sprüchlein : » Der Heller gilt da am wenigsten , wo er geprägt ist « – das vorzüglich die Deutschen niemals zuschanden werden lassen – zum Teil auch hier seine Anwendung fand , und dann der alten Feindseligkeit wegen . Heute galt es übrigens , flink zu sein ; denn der Bestellungen waren viele . Marie saß auch tief über ihre Arbeit geneigt , und nur wenn ihre Mutter durch das Zimmer ging , wobei dieselbe nie unterließ , schmeichelnd über den Scheitel der Tochter zu streichen oder ihre Schulter sanft zu klopfen , dann blickte sie zärtlich , aber auch bekümmert in die Höhe ... Ach , wie war die teure Mutter verändert , wie verfallen die Gestalt , wie schmerzlich der Ausdruck ihres Gesichts ! Die Unglückliche litt unfaßbar unter dem Druck der Schande , der auf ihrem Ruf lastete , und es gab kein linderndes Mittel gegen dies schwere Leiden . Man nennt ein reines Bewußtsein die beste Stütze in der Trübsal ; aber seine tröstende Kraft reicht nicht immer aus gegen den bittern Schmerz unverschuldeten Elends und die Giftpfeile der Verleumdung , unter denen das Herz doch zuckt und blutet , wenn es auch noch so rein von Schuld ist ... Wie viele müssen sterben mit dem schmerzlichen Bewußtsein , daß der falsche Schein , der ihr Leben vergiftet hatte , nun seine Flecken ungestört auf ihren Namen werfen werde , denn sie sind die Unterliegenden . Niemand ist sicher , ohne alle Schuld jenem Gespenst zu verfallen , das weiß ein jeder – und doch , der glühende Steppenwind vernichtet sein Opfer nicht erbarmungsloser als die Zunge des Menschen den Namen seines Nächsten – oft nur auf ein schwankendes , haltloses Gerücht hin . » Wie hübsch und traut könnte es bei uns sein , wenn das Unglück nicht über uns gekommen wäre ! « dachte Marie seufzend , indem ihr Blick durch das gemütliche Stübchen glitt . Draußen riß der Wind an den dürren Weinranken und schlug die entblätterten Notenzweige , an denen noch einzelne braune Hagebutten hingen , heftig gegen die Fenster ; die waren jedoch fest und ließen wohl das helle Licht , aber keinen rauhen Luftzug herein . Das bewies die kleine Grasmücke , die fröhlich zwitschernd in ihrem Drahtkäfig hin und her hüpfte , der zwischen Reseda- und Geranientöpfen auf dem Fenstersims stand . Die kleine Christel , Maries Schwester , saß auf der Fußbank am Ofen und lernte , während sie den kleinen Pflegling mit dem Fuß in den Schlaf wiegte . Da rasselte es durch das Dorf . Die Jungen draußen lärmten und erhoben ein Freudengeschrei . Christels Buch flog zur Erde , und mit einem Satz war sie am Fenster . » Heißa « , rief sie freudig , » da kommen schon Kirmsengäste ! ... Marie , guck doch hinaus , das ist ja der Joseph und seine Mutter ! ... Sie halten drüben bei Schulzens ... Was das für ein stolzer Wagen ist ! ... Ja , die haben Geld ! ... Und der Schulze macht mal ein freundliches Gesicht ! ... Schau , da kommt auch die Margarete , die hebt die Frau Sanner vom Wagen ... der Joseph guckt rüber ... so guck doch hinaus , Marie ! « Aber Marie war purpurrot geworden und nähte so eifrig , daß Christel sich beinahe ärgerte . In demselben Augenblick trat eine Nachbarin herein . » Na « , rief sie lachend , » da braucht man sich doch nicht mehr zu verwundern , daß Schulzens so drauf und drein gebacken und gebraten haben ! ... Die halten Kirmse und Verlöbnis zusammen ... Der Joseph ist eben zur Freite gekommen ... Habt Ihr ' s gesehen , Marie ? « Auf dem Gesicht des jungen Mädchens war die Purpurglut plötzlich einer tiefen Blässe gewichen . Sie wollte sprechen ; aber die lebhafte Christel ersparte ihr die Antwort , indem sie fragte : » Ei , er heiratet wohl die Margarete ? « » Freilich « , entgegnete die Frau . » Er war schon öfter nach der Hochzeit des Anton wieder hier ; freilich jedesmal nur auf einen Tag , weil er nicht länger abkommen konnte ; aber das war schon genug ... Die Margarete ist bis über die Ohren in ihn verliebt . Er soll stolz sein wie ein Edelmann – bisher war ihm keine gut genug . Nun , die Margarete hat zwar das Pulver nicht erfunden , aber sie hat schöne rote Backen wie ein Stettiner Apfel , und an Geld fehlt ' s da drüben auch nicht – da hat sich denn die Sache gemacht . « » Ist denn das schon so gewiß