ein ansehnliches Packetchen Porzellanperlen , während ich ihren Vater mit einem bedeutenden Vorrath von Tabak und Pulver und Blei , und mehreren schönen wollenen Decken beschenkte . Beide waren , als sie mich später bei den Omahas besuchten , munter und guter Dinge , und ich habe allen Grund anzunehmen , daß die alten Zeitungen , das Stück Weste und die leeren Blätter aus meinem Skizzenbuch ihren Zweck als Amulete mindestens eben so gut erfüllen , wie vorher das Manuscript gethan . Was das Manuscript aber enthielt , das lasse ich hier ohne wesentliche Veränderungen in der Form folgen . Fußnoten 1 Siehe Möllhausen ' s » Tagebuch u.s.w. « » Abenteuer am Nebraska . « 2. Capitel . Am Mineralbrunnen Zweites Capitel . Am Mineralbrunnen . Der eisige Novembersturm streift die letzten braunen Blätter von den Bäumen und wirbelt sie mit vereinzelten kleinen Schneeflocken durcheinander . Bleifarbig hängt der Himmel über der öden Landschaft , als ob er sich in jedem Augenblick auf die Erde niedersenken wolle , um das letzte im Freien zurückgebliebene Leben gewaltsam zu erstarren . Ohne Furcht oder Bedauern über meinen Entschluß sehe ich dem Winter entgegen , den langen einsamen Nächten und den kurzen Tagen . Ohne Furcht oder Bedauern stehe ich im Begriff , mich aus Monate in diese Wildniß zu vergraben , in eine Wildniß , in welcher keine menschliche Stimme an mein Ohr dringt , der Ton meiner eigenen Stimme von Niemand gehört , unheimlich in den endlosen Räumen verhallt . Doch nein , ich darf nicht ungerecht sein ; denn während ich die Geschichte meines wechselvollen Lebens niederschreibe , werde ich mit schüchterner Anhänglichkeit beobachtet , und wenn ich von meiner Arbeit zufällig emporschaue , blicke ich in die dunklen melancholischen Augen eines indianischen Kindes , meines Schützlings , wahrscheinlich einer der Letzten des einst so mächtigen und glücklichen Mandanenstammes . Das arme Mädchen , welches mit dankbarem Herzen zu mir , wie zu einer Gottheit emporblickt , mildert das traurige Gefühl der gänzlichen Vereinsamung , welches mich bei dem Gedanken an den langen , unerbittlich strengen Winter beschleicht . Ich kann mir wenigstens sagen : » ich bin nicht allein ; « und ist es mir auch nicht vergönnt , mit dem armen , von der ganzen Welt verlassenen Wesen eine meiner Vergangenheit entsprechende Unterhaltung anzuknüpfen , se vermag ich es doch zu belehren , zur Aufnahme in eine Mission vorzubereiten und damit einen guten Zweck zu erfüllen . Doch das Kind allein ist es nicht , was mich so ruhig das allmälige Erstarren der Natur beobachten läßt , sondern auch das Bewußtsein , fortan mein Leben nicht ohne jede geistige Beschäftigung vertrauern zu müssen . Das verflossene Jahr war für mich ein glückliches , wenigstens in so weit , als ich mehr , wie hinreichend erübrigte , um abgesondert von andern Menschen und unbelästigt von den Anforderunzen selbstsüchtiger Handelsgesellschaften den Winter verbringen zu können . Auch besser ausgerüstet habe ich mich , denn was mir in früheren Jahren mangelte , das besitze ich jetzt in Fülle , nämlich die Mittel , mein wechselvolles Leben zu beschreiben , und dabei meine ganze Vergangenheit gewissermaßen noch einmal zu durchleben . O , was hätte ich nicht in dem verflossenen Winter für einen kleinen Vorrath Papier hingegeben ! Aber es ist vielleicht besser so ; ich hatte Muße , die ernstesten Betrachtungen über die verschiedenen Begebenheiten und Erlebnisse anzustellen , die Charaktere , welche , hier zum Guten , dort zum Bösen , einen entscheidenden Einfluß auf mich und meine Zukunft ausübten , bis in die kleinsten Einzelheiten zu zerlegen und mir einen klaren Einblick in Manches zu verschaffen , was mir einst unerklärlich erschien . Ich beginne daher meine Arbeit nicht unvorbereitet ; ich werde erzählen können , als hätte ich mich an allen Orten zu gleicher Zeit befunden , und einen , wenn auch trüben Genuß soll es mir gewähren , mich dadurch im Geiste um so lebhafter in jene Zeiten zurück zu versetzen . Ich schreibe , aber » für wen ? « frage ich mich . Werden jemals die Blicke eines andern Sterblichen auf diesen Schriftzügen haften ? Vielleicht nach vielen langen Jahren ; denn da ich beim Beginn des Frühlings wieder fort muß in andere Gegenden , meine Arbeit aber auf meinen mühevollen Wanderungen nicht mit mir herumtragen kann , so gedenke ich sie hin zu verbergen . – Werde ich selbst noch einmal hierher zurückkehren , oder ist dies der letzte Winter , welchen ich hier verlebe ? Doch wozu in die Zukunft denken , so lange die Vergangenheit mir so reichen Stoff zu Betrachtungen bietet ? Die Sorge um die Zukunft soll mich nicht stören , nicht verhindern , mein Vorhaben auszuführen . – Welch seltsamer Kontrast zwischen dem Früher und dem Jetzt ; zwischen dem Knaben , der einst in jugendlicher Vermessenheit wähnte , den Himmel erstürmen zu können , und dem ernsten Mann , der als einsamer Pelzjäger die wilde , freie Natur durchstreift , um sein kärgliches Brod zu erwerben ! Eine selbstgeschaffene Erdhöhle bildet meinen Palast , ein von Bibern und Ottern reich belebtes Nebenflüßchen das Feld meiner Thätigkeit , und in geringer Entfernung , meinen Augen erreichbar , wälzt der Missouri seine gelben Fluthen auf tausendjähriger Bahn dem Golf von Mexiko zu . Wie der Himmel so schwer , so bleifarbig niederhängt ; wie der Sturm mit dürren Blättern und Schneeflocken spielt und heulend zwischen den Hügeln hindurch auf den majestätischen Strom niederfahrt ! Wie die Raben und Krähen unheimlich krächzen und ihre starken Schwingen im Kampfe gegen den heftigen Wind prüfen ! Wie lange wird es noch dauern , und der Missouri träumt unter einer starren , zusammenhängenden Eislast , während tiefer Schnee Wald und Flur ungangbar macht und mir jede Verbindung mit andern , fern ab lebenden Menschen vollständig abschneidet ? Mit Ruhe sehe ich dieser Abgeschiedenheit entgegen ; sie schreckt mich nicht . Ich fühle mich so glücklich , wie dies nach meinen Lebenserfahrungen nur immer