erfrischte sie Kopf und Herz . Die alte Excellenz Babenberg ging dann mit Tode ab , und acht Tage später führte ich Friederiken als mein Weib heim . Wozu auch noch zögern ? Der Tod des alten Mannes war eine Erlösung von namenlosen Qualen , und Friederiken verlangete es nach einem Heim – ihres Bleibens war nicht mehr länger im Hause ihrer Väter . In der Schloßkapelle von Mansdorf gab uns der Prediger zusammen . Hm ! Eine wunderliche Hochzeit ! Gegen Abend sollte die Trau sein , und der Tag wollte schier ewig währen . Da nahm ich mein Gewehr und streifete durch den Wald , meinte , der Zeit so besser Herr zu werden , und versäumete über eine Wildkatz , so mich schon lange geäffet , die rechte Stunde . Nur so viel Zeit hatte ich noch , mich , wie ich ging und stund , auf meinen Rappen zu werfen . Ich trat bei meiner Braut ein , als sie schon eine Weile auf mich gewartet hatte . Sie harrete inmitten des großen Prunkgemaches , wo vor wenigen Tage die Bahre ihres Vaters gestanden ; noch hingen die schwarzen Florstreifen über die Vergoldung des Getäfels ; noch meinete ich , den Geruch von Wachholdern zu spüren und von Todtenblumen . Hinter ihr erblickete ich die beiden unverheiratheten Schwestern des jüngst Verblichenen , so in dem freien adligen Damenstift Klosterode hauseten ; steif , verbissen und schier feindselig anzuschauen in ihren düsteren Gewändern . Fürwahr , ein unheimlich Hochzeitsgeleit ! Aber nur einen kurzen Augenblick achtete ich auf Solche ; dann blieb mein Blick wie gebannt an Friederiken hängen ; sie sah bleich aus , bleicher denn je ; ihre schlanke Gestalt verhüllete ein schwarz Gewand ; dunkel wob sich die Myrtenkrone in das goldschimmernde Haar ; ein schöner Weib , als sie , hat wohl nie vor eines Mannes Augen gestanden . Ich vergaß , daß ich als ein Tölpel hereingetreten war ; kein Wort kam aus meinem Munde , so mein verspätet Kommen erklärete , obgleich ihr Auge fragend und vorwurfsvoll zu mir empor schauete . Zögernd anfangs , dann mit zitternder Hast reichte sie mir die Hand , und in eiligem Schritt gingen wir zur Capellen . Hinter uns wisperten die Zungen der alten Stiftsdamen ; ich meinete , es gelte meinen bestaubten Jagdkleidern ; da wandte sie sich um mit strafenden Blicken , und sie verstummten vor ihren Augen . Da wir aber heim wollten nach der Trau , zeigete es sich , daß ich auch vergessen hatte , für ein Fuhrwerk zu sorgen . Friederike aber weigerte sich , in einem Wagen zu fahren , der bis annoch ihrem Hause gehöret und nunmehro , wie Alles dort , ihrem Vetter eignete . „ Lieber wollen wir doch gehen , “ sprach sie herb , und ein stolzer Zug legte sich um ihren Mund . „ Bitten ist nimmer meine Sach ' gewesen . “ Ein peinvoll Viertelstündlein für mich , zumalen die zween verwitterten Gesichter der Stiftsdamen hohnvoll mein junges Weib maßen , und ein jeder Zug deutlich sagte : „ Ei sieh ' , Du stolzes , ungefüges Trotzköpflein , welch ' einen lumpigen Hochzeiter hast Du Dir ausgewählt , und bist doch aus edelstem Geschlecht ! Ei , wer nicht hören mag , soll fühlen ; Du gehst mit ihm dahin als ein Taglöhnerweib ; haben wir Dich nicht gewarnt , so viel wir konnten ? “ Friederike aber stund in der Halle ; kein Blick streifete die alten Schwestern ihres Vaters , groß und bang schaute sie zurück in das Haus , in dem sie geboren und gelebet bis itzo , und ihre weiße Hand bewegete sich wie abschiednehmend . „ Ich bin bereit , “ sagte sie dann ; das erste Wort , das sie mir gönnete an diesem Abend . Da nun aber mein Rappe vorgeführet ward , fragte ich : „ Getraust Du Dich aufzusitzen , Friederike ? Ich fasse die Zügel sicher – es soll Dir kein Leid geschehen . “ Ohne ein Wort zu erwidern , schwang sie sich an meiner Hand in den Sattel ; ich legete meinen Arm um sie , und so führte ich mein Weib aus ihrer Väter Hause . Als wir in den Waldweg bogen , stund schon der Mond am Himmel , und ich lenkte das Roß aus dem dunklen Schatten der Bäume in das weiße Licht – um ihre Augen zu sehen . Warm war die Luft der Augustnacht und schwül , wie vor einem heraufziehenden Gewitter , mir aber brannte Kopf und Herz , und die Augen brannten mir vom Anschauen , und sie wandte doch das stolze Haupt nicht einmal zu mir herum . So zogen wir schweigend dahin , bis das stille Haus vor uns lag , silbern beglänzet vom Mondeslicht , aber einsam , ohne Gruß und Schmuck für seines Herrn junges Weib ; nicht einmal für ein Kränzlein über der Thür war gesorget , vergessen hatt ' ich alles Andere über sie selbsten . Ich trat hinzu , um sie herabzuheben vom Pferde , aber sie sah meine Arme nicht , sondern leitete das Thier bis zu dem steinernen Bänklein unter der Linde ; dort schwang sie sich hinab und aus dem tiefen Schatten tönte ihre Stimme zu mir herüber , seltsam , kalt und deutlich : „ Ein Wort noch , ehe denn es zu spät ist ! Mitleid begehre ich nicht ; lieber sterbe ich – “ „ Friederike ! “ rief ich erschreckt , „ was sagest Du da ? “ Ich meinte , nicht recht gehört zu haben . „ Wenn mich nur Mitleid hieher geführet itzo – dann – es ist noch Zeit ; noch habe ich jene Schwelle nicht überschritten . “ Da schrie es wild auf in meinem Herzen , und zornig wallte mir das Blut zu Kopfe . „ Was , zum Henker , thust Du für absonderliche Fragen ! “ herrschte ich sie