Wort ihm galt . Und wie lieb sah sie aus in dem weißen Kleide , wie sicher und anmutig war ihr Auftreten , die tiefe Verneigung vor der Herzogin ! Die ganze andere Bande , wie er sich respektlos ausdrückte , war nichts gegen sie , trotz Grafen und Freiherren tronen . Wie das Souper begann , wie sie lächelnd dastand , um ihn zu erwarten , laut ihrem Versprechen von heute morgen , wie er dann zu ihr kam mit dem Imbiß und seine Rolle zu spielen begann , formell , verstimmt , wie er von der Hitze im Saale erzählte und daß er froh sei , wenn die Sache vorüber wäre , daß er überhaupt das Leben hier satt habe und alles daran setzen wolle , um ein Kommando nach Berlin zu bekommen , etwa an die Centralturnanstalt , denn es sei ja in diesem Wurstnest einfach zum Rasen langweilig , da hatte sie ihn angestarrt , als fürchtete sie , er sei wahnsinnig geworden . „ Sagen Sie doch selbst , Fräulein May “ - Fräulein May hatte er sie genannt - „ ob es nicht wahr ist ! Na ja , die Gegend - die Gegend ist ganz nett , aber diese ewige Natura simpelei ! Und dann die schrecklich spießbürgerlichen Verhältnisse überall ! Im übrigen fühle er , daß er sie ermüde mit seiner Unterhaltung , auch müsse er sich einmal um die Ribbeneck bekümmern und um seine Tante . Damit hatte er sie verlassen , wobei er verstand , sie nicht anzusehen , und hatte sich mit krampfhafter Ausdauer der Toni Ribbeneck gewidmet . Aber einmal sah er doch zu ihr hinüber , es war , als zöge etwas seine Blicke dahin . Sie saß auf einem der mit rotem Seidendamast bezogenen Stühle im Empirestil , an der weißen mit Goldornamenten geschmückten Wand des kleinen Tanzsaales , und da wollte sich ihm beinahe das Herz umdrehen . Das Gesicht weiß wie die Wand , die Augen verständnislos , groß und flehend zu ihm hinüber gerichtet , um den Mund ein Zucken wie von verhaltenem Weinen - - das würde er nie wieder vergessen , nie ! So ähnlich war ihm zu Mute gewesen , als er sein erstes Reh erlegte . Er hatte das Tier nur krank geschossen und fand es nicht weit von der Schußstelle im Verenden , das hatte ihn angesehen mit dem nämlichen Blick wie Aenne . Scheußlich , scheußlich kam er sich vor - lieber Himmel , wenn man nur einen Ausweg wüßte ! Aber wie denn , wo denn - Nein - lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende - er durfte sich ihr nicht nähern ! Aber alle diese gewaltsamen Versuche , sich Vernunft einzureden , vermochten es doch nicht zu hindern , daß er in Träumereien sich verlor , in süße und hoffnungsreiche Träume , wie die nie zu entmutigende Jugend sie träumt . Ach , vielleicht - vielleicht ginge es doch noch , wenn sie warteten . Vielleicht gewinnt er das große Los - vielleicht findet sich ein Erbonkel – vielleicht -- . Heute früh hatte er es noch nicht so klar , so deutlich gefühlt wie jetzt , wo er der Unmöglichkeit ihres Besitzes gegenüberstand , wie sehr , wie tief er sie liebte ! Aenne ! Aenne , ich kann dich nicht lassen ! klang es in ihm , ich will dich nicht lassen ! Er fuhr empor aus seinem Brüten , draußen hatte es geklopft . Auf sein „ Herein ! “ trat einer der herzoglichen Lakaien ins Zimmer und bestellte eine Empfehlung von Frau von Gruber , und wenn der Herr Lieutenant noch nicht zu müde wäre , würde sie sich freuen , ihn heute abend noch sprechen zu können . Er warf einen verwunderten Blick auf die Uhr - es war ein Viertel vor Eins . Dann sagte er , er werde kommen , knöpfte die aufgerissene Uniform wieder zu und stieg die Treppe zum zweiten Stock hinunter , wo , just unter seinen Zimmern , die Appartements der Hofdamen lagen . Frau von Gruber , eine Cousine seines Vaters , war bereits im bequemen Hauskleide , eine alte Dame von sechzig Jahren , die ein wenig vornübergebeugt ging und für gewöhnlich einen ziemlich hochmütigen Ausdruck zur Schau trug , der aber in Anbetracht ihrer Stellung als Oberhofmeisterin Ihrer Durchlaucht wahrscheinlich notwendig war . Sie mußte ehemals sehr schön gewesen sein , hatte noch heute eine kerzenschlanke Gestalt , ein feines Gesicht , von grauen Haaren umrahmt , die zu dem frischen Teint gut kleideten , der etwas künstlich aufgebessert schien . Sie hatte eine stürmische Ehe hinter sich , ihr Mann war der unverbesserlichste Spieler gewesen . Von seinem großen Vermögen , von den prachtvollen Besitzungen ihres Gatten - er übernahm drei Rittergüter beim Tode seines Vaters - war nichts geblieben . Als der Krach kam , war sie einige vierzig Jahre alt und noch sehr schön , und nach dem Tode ihres Gatten , der plötzlich nach dem Zusammenbruch erfolgte - er starb in Monaco - trat sie die Stelle der Oberhofmeisterin bei der verwitweten Herzogin an , der sie nun seit zwanzig Jahren treu und tadellos vorstand . Kinder besaß sie nicht , interessierte sich aber aufrichtig für diejenigen , die in ihrer Verwandtschaft emporwuchsen und nicht eben das kleinste Interesse hegte sie für Heinz von Kerkow . Am liebsten fastete sie , die doch so unglücklich in ihrer eigenen Ehe gewesen , Heiraten , und auf Heinz hatte sie es in dieser Beziehung schon lange abgesehen . Bis jetzt freilich waren ihm noch keinerlei derartige Bestrebungen von ihrer Seite aufgefallen , sie bekümmerte sich bisher nur insofern um ihn , als sie es gern sah , wenn er zuweilen in ihren dienstfreien Stunden zu ihr kam und etwas mit ihr „ klatschte “ . Er war dabei unendlich drollig , ging mit Feuereifer auf jedes angeregte Thema ein und band seiner verehrten Tante Christiane