rede doch . Oder sollst du nach Berlin kommen und ein paar neue Rapspressen einrichten ? Hast ja neulich unserm Quaas erst vorgerechnet , daß er nichts von der Öl-Presse verstünde . « » Hab ich , und ist auch so . Nichts für ungut , ihr Herren , aber der Bauer klebt immer am alten . « » Und die Gastwirte sind immer fürs Neue . Bloß daß nicht viel dabei herauskommt . « » Wer weiß ! « » Wer weiß ? Höre , Hradscheck , ich fange wirklich an zu glauben ... Oder is es ' ne Erbschaft ? « » Is so was . Aber nicht der Rede wert . « » Und von woher denn ? « » Von meiner Frau Schwester . « » Bist doch ein Glückskind . Ewig sind ihm die gebratnen Tauben ins Maul geflogen . Und aus dem Hildesheimschen , sagst du ? « » Ja , da so rum . « » Na , da wird Reetzke drüben froh sein . Er war schon ungeduldig . « » Weiß ; er wollte klagen . Die Neu-Lewiner sind immer ängstlich und Pfennigfuchser und können nicht warten . Aber er wird ' s nu wohl lernen und sich anders besinnen . Mehr sag ich nicht und paßt sich auch nicht . Man soll den Mund nicht voll nehmen . Und was ist am Ende solch bißchen Geld ? « » Geld ist nie ein bißchen . Wieviel Nullen hat ' s denn ? « » Ach , Kinder , redet doch nicht von Nullen . Das beste ist , daß es nicht viel Wirtschaft macht und daß meine Frau nicht erst nach Hildesheim braucht . Solche weite Reise , da geht ja gleich die Hälfte drauf . Oder vielleicht auch das Ganze . « » War es denn schon in dem Brief ? « » I , bewahre . Bloß die Anzeige von meinem Schwager , und daß das Geld in Berlin gehoben werden kann . Ich schicke morgen meine Frau . Sie versauert hier ohnehin . « » Versteht sich « , sagte Mietzel , der sich immer ärgerte , wenn von dem » Versauern « der Frau Hradscheck die Rede war . » Versteht sich , laß sie nur reisen ; Berlin , das ist so was für die Frau Baronin . Und vielleicht bringt sie dir gleich wieder ein Atlassofa mit . Oder ' nen Trumeau . So heißt es ja wohl ? Bei so was Feinem muß unserein immer erst fragen . Der Bauer ist ja zu dumm . « Frau Hradscheck reiste wirklich ab , um die geerbte Summe von Berlin zu holen , was schon im voraus das Gerede der ebenso neidischen wie reichen Bauernfrauen weckte , vor allen der Frau Quaas , die sich , ihrer gekrausten blonden Haare halber , ganz einfach für eine Schönheit hielt und aus dem Umstande , daß sie zwanzig Jahre jünger war als ihr Mann , ihr Recht zu fast ebenso vielen Liebschaften herleitete . Was gut aussah , war ihr ein Dorn im Auge , zumeist aber die Hradscheck , die nicht nur stattlicher und klüger war als sie selbst , sondern zum Überfluß auch noch in Verdacht stand ( wenn auch freilich mit Unrecht ) , den ältesten Kantorssohn – einen wegen Demagogie relegierten Tunichtgut , der nun bei dem Vater auf der Bärenhaut lag – zu Spottversen auf die Tschechiner und ganz besonders auf die gute Frau Quaas angestiftet zu haben . Es war eine lange Reimerei , drin jeder was wegkriegte . Der erste Vers aber lautete : Woytasch hat den Schulzenstock , Kunicke ' nen langen Rock , Mietzel ist ein Hobelspan , Quaas hat keinem was getan , Nicht mal seiner eignen Frau , Kätzchen weiß es ganz genau . Miau , miau . Dergleichen konnte nicht verziehen werden , am wenigsten solcher Bettelperson wie dieser hergelaufenen Frau Hradscheck , die nun mal für die Schuldige galt . Das stand bei Kätzchen fest . » Ich wette « , sagte sie zur Mietzel , als diese denselben Abend noch , an dem die Hradscheck abgereist war , auf der Ölmühle vorsprach , » ich wette , daß sie mit einem Samthut und einer Straußenfeder wiederkommt . Sie kann sich nie genugtun , diese zierige Person , trotz ihrer vierzig . Und alles bloß , weil sie › Swein ‹ sagt und nicht › switzen ‹ kann , auch wenn sie drei Kannen Fliedertee getrunken . Sie sagt aber nicht Fliedertee , sie sagt Holunder . Und das soll denn was sein . Ach , liebe Mietzel , es ist zum Lachen . « » Ja , ja ! « stimmte die Mietzel ein , schien aber geneigt , die größere Schuld auf Hradscheck zu schieben , der sich einbilde , wunder was Feines geheiratet zu haben . Und sei doch bloß ' ne Katholsche gewesen und vielleicht auch ' ne Springerin ; wenigstens habe sie so was munkeln hören . » Und überhaupt , der gute Hradscheck « , fuhr sie fort , » er soll doch nur still sein . In Neu-Lewin reden sie nicht viel Gutes von ihm . Die Rese hat er sitzenlassen . Und mit eins war sie weg , und keiner weiß wie und warum . Und war auch von Ausgraben die Rede , bis unser alter Woytasch rüberfuhr und alles wieder still machte . Natürlich , er will keinen Lärm haben und is ' ne Suse . Zu Hause darf er ohnehin nicht reden . Oder ob er der Hradschecken nach den Augen sieht ? Sie hat so was . Und ich sage bloß , wenn wir alles hergelaufene Volk ins Dorf kriegen , so haben wir nächstens auch die Zigeuner hier , und Frau Woytasch kann sich dann nach ' nem Schwiegersohn umsehn . Zeit wird es mit der Rike ; dreißig is sie ja schon . « So ging gleich am ersten Tage das