sie da plötzlich unter ihnen erschien und langsam durch die Zimmer ging . Es war Fastrade , als könnte sie alle diese Gemächer jetzt , da sie in der Finsternis oder im flackernden Ofenschein zu schlafen schienen , leise beschleichen , um in ihnen all das wiederzufinden , was sie einst gekannt und geliebt hatte . Das Kabinett neben dem Saal war hell vom Ofenfeuer erleuchtet , vor dem Ofen saß Merlin , der alte Setter , und schaute ernst in die Flammen ; als Fastrade eintrat , wandte er den Kopf nach ihr um und schaute sie ruhig an . » Merlin « , sagte Fastrade , da stand er langsam auf , ging zu ihr hin und rieb seinen Kopf sanft gegen ihr Knie ; Fastrade mußte an die stille , müde Art denken , in der Tante Arabella sie gestern begrüßt hatte . » Komm , Merlin , wir wollen uns wärmen « , sagte sie und setzte sich auf einen Sessel am Ofen nieder ; Merlin saß neben ihr und beide starrten jetzt in die Glut , und es war Fastrade , als wäre sie nie fort gewesen , als hätte sie nie aufgehört , zu diesem wunderlichen , alten Hause zu gehören , in dessen dunklen , verschlafenen Ecken überall eine stumme Klage zu wohnen schien . Aber das Sitzen in der Wärme machte schlaff , dazu trug Merlins schwarzes Gesicht , trugen seine braunen Augen , die im Ofenschein glashell wurden , einen so hoffnungslos beruhigten Ausdruck zur Schau , als könnte sich im Leben nie mehr etwas ereignen . Ungeduldig stand Fastrade auf , ging wieder durch die Zimmer , die Fensterläden waren geöffnet worden , ein weißer , dunstiger Wintermorgen schaute durch die Fenster . Fastrade blickte in den Hof hinab , die Ställe und das Gesindehaus standen da mit der unfreundlichen Deutlichkeit , die das Licht vor Sonnenaufgang den Gegenständen gibt . Es mußte sehr kalt sein ; aus der offenen Stalltüre dampfte es , auf die Treppe des Gesindehauses trat Ruhke heraus , unförmlich groß und dick , ganz in einen langen Schafpelz gehüllt , das Gesicht bleich und gedunsen . Mißmutig schaute er den Weg zu den Wohnungen der Instleute hinab , und auf diesem Wege kam ein langer Zug grauer Gestalten langsam und widerwillig daher ; fahle , mißfarbene Flecken in all dem Weiß . Es fror Fastrade ; wie entsetzlich freudlos schien dieser graue Zug , mußte denn hier alles so freudlos sein , mußte denn hier alles , was man anschaute , wehe tun , konnte man denn hier nie von diesem Mitleid loskommen ? Sie wandte sich ab , im Saal begegnete sie einem kleinen Dienstmädchen ; in seiner rosa Kattunjacke , das rote Tuch auf dem Kopfe , stand es da , die Wangen weinrot vom Frost , die kleinen Augen blank . Als das Mädchen Fastrade sah , lachte es , öffnete den breiten , roten Mund und zeigte die weißen Zähne . Fastrade lachte auch . » Trine , du bist es , « sagte sie , » du bist groß geworden , und du bist hübsch geworden . « Trine errötete über das ganze Gesicht , sie straffte ihren Körper unter dem dünnen Kamisol und schüttelte ihn ein wenig , als fühlte sie das Großsein und Hübschsein als etwas Angenehmes und Warmes . » Es wird heute kalt « , fuhr Fastrade fort , nur um das Mädchen noch zu halten , um dieses Junge , Farbige und Lachende noch vor sich zu sehen . » Ja , Fräulein . « - » Aber es wird heute schön . « - » Ja , Fräulein . « Jetzt ging die Sonne auf , rosenrotes Licht strömte in den Saal , glitt über das dunkele Getäfel , verfing sich in den Kristallen des Kronleuchters . Trine stand da , ganz rosig übergossen , und lachte ihr breites Lachen . Fastrade fühlte , wie auch das Licht über sie hinfloß , fühlte auch sich jung und hübsch . » Da ist die Sonne « , sagte sie . - » Ja , nun kommt sie « , meinte Trine und lief kichernd aus dem Zimmer . Jetzt begann es sich im Hause zu regen , Christoph kam und deckte den Frühstückstisch , Fräulein Grün , die Mamsell , erschien und trug auf einem Brette die frischen Brötchen herein , sie begrüßte Fastrade mit lauter Stimme : » Unser gnädiges Fräulein wird uns wieder regieren , das ist gut für uns , wir verschimmeln ja hier . « Ja , Fastrade wollte hier wieder regieren ; sie machte sich daran , wie früher den Frühstückstisch zu ordnen , legte die Brötchen in den Brotkorb , stellte sich vor den Samowar , um den Tee zu machen . Es sollte , es mußte hier wieder behaglich werden . Als die Baronesse Arabella in das Eßzimmer trat , war sie so überrascht , daß sie die Hände faltete und zu weinen begann , aber Fastrade wurde ungeduldig . » Hier gibt es doch nichts zu weinen , Tante , komm , setz dich , der Tee ist fertig . « Als die alte Dame an ihrem Platz saß , wischte sie sich die Augen und sagte nachdenklich : » Sieh , Kind , ist das nicht seltsam , sonst , wenn ich mich so allein an meinen Platz setzte , fror mich immer so stark , heute friert mich gar nicht . « Der Wintertag war sehr hell geworden , die Zimmer waren voll gelben Sonnenscheins , der Baron erschien , um an Christophs Arm langsam seine Promenade durch die Zimmerflucht zu machen , er blieb vor Fastrade stehen , sah sie streng an und sagte : » Mein Kind , hast du deinen Pflichtenkreis gefunden ? « » Ich weiß nicht , Papa « , erwiderte Fastrade und errötete . Der Baron dachte ein wenig nach und fragte dann : » Gehst du heute zu