: » Tinchau , tinchau ! « Aber Tschun war nicht recht sicher , ob er ihn wirklich so sehr hübsch fände , oder ob er nur der Taitai damit Freude machen wolle . Der junge Herr sollte auch mit in dem Bilde stehen , und sie probierten es nun alle drei zusammen , und Kuang yin wurde dazu gerufen , um Tschun zu erklären , wie er stehen müsse , denn offenbar war das einzige Chinesisch , was der fremde Herr konnte , sein » Tinchau , tinchau ! « Von der Ankunft der Gäste in ihren grünen Sänften und dem Anfang des Festes sah Tschun nichts , denn er mußte hinter dem Vorhang bei all denen bleiben , die in den Bildern stehen sollten . Aber auch das war sehr schön , denn niemand gab acht auf ihn , da alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren , und so konnte er denn die fremden Herren und Damen ganz genau betrachten . Die Taitai gefiel ihm von allen am besten , und bei dem Bild , in dem sie stand , wurde nachher auch am meisten geklatscht und gerufen , so daß sie noch einmal stehen mußte . Als die Bilder vorüber waren , gingen alle Darsteller auch in den großen Saal , und Tschun mußte dabei immer hinter der Taitai stehen bleiben , wie auf dem Bilde , und ihre lange Schleppe tragen . - Dann wurde getanzt , wie Kuang yin es beschrieben hatte . Da mußte Tschun die Schleppe loslassen , und die Taitai tanzte immerzu mit dem fremden jungen Herrn , der mit auf dem Bilde gestanden hatte . Tschun fand , daß die beiden eigentlich hübsch aussähen ; die Taitai in dem Kleid , das die Nonnen gestickt haben sollten , und der junge Herr in dem weißen Atlaskostüm und den langen weißen Strümpfen . Aber einem anderen der fremden Herren gefiel es offenbar gar nicht , der schaute den beiden ganz böse nach , Tschun konnte es deutlich sehen ; und als dann die Taitai mit dem weißen Atlasherrn in die Glasveranda ging , wo nur ein paar chinesische Tempel-Laternen zwischen Palmen brannten und es ganz stark nach allerhand Blumen duftete , da ging der böse Herr ihnen nach . Die Taitai kam dann mit ihm von dort zurück und nun tanzten sie zusammen , aber Tschun fand , daß es lange nicht so hübsch aussah wie vorhin mit dem weißen Herrn - der böse Herr war ja auch lange nicht so schön angezogen , er hatte einen schwarzen Rock an , der vorne kurz war und hinten in zwei Schwänzen auslief . Die flogen , wenn er tanzte . Es sah zum Lachen aus . Aber die Taitai lachte nicht , sie machte wieder das schrecklich müde Gesicht . - Aber diesmal war nicht der Ta-jen dran schuld gewesen . Der saß den ganzen Abend in einem Seitenzimmer mit drei anderen Herren an einem kleinen Tisch . Der Tisch war mit grünem Tuch bezogen , zwei brennende Lichter standen darauf . Die Herren hielten steife Papierstückchen in der Hand , auf denen Figuren gemalt waren . Die legten sie einer nach dem anderen schweigend auf den Tisch und dann nahm einer sie auf . - Es sah sehr feierlich aus . Vielleicht war es eine Zeremonie zu Ehren einer Gottheit ? Und dann waren all die vielen Gäste fortgegangen . Tschun fand , daß die Verabschiedungen der Fremden recht kurz und formlos waren . Von den dreitausend Regeln , die doch bekanntlich für das höfliche Benehmen gelten , wußten sie offenbar wenig . Es gab da keine langen Verbeugungen noch Danksagungen für die großen Ausgaben , die das Fest den Gastgebern verursacht - was sich doch schickt , wie man weiß . Nur ein rasches Handschütteln . Das war alles ! Bequem mochte das freilich sein , und da sie von dem vielen Tanzen sicher müde sein mußten , kamen sie so schneller nach Hause . - Die Taitai sagte , Tschun solle am nächsten Morgen früh gleich zu ihr kommen . Dann ging sie mit Madame Angèle in ihr Schlafzimmer . Der Ta-jen war schon in seinem , das am anderen Ende des Hauses lag . Die Diener löschten die Lichter und Lampen in den vielen Zimmern aus , auch die Laternen in der Veranda , wo die Taitai mit dem hübschen weißen Herrn gestanden hatte . - Das ganze Haus lag wie tot da . Nur in den weitläufigen Dienstbotenquartieren auf der anderen Seite des Hofes ging das Leben noch lange weiter . Tschun hatte den Rest der Nacht in Kuang yins Zimmer verbracht , aber zum erstenmal in seinem Leben nur wenig geschlafen . Er mußte immer an all das denken , was er gesehen . Das ganze bisherige Leben hatte nicht so viel enthalten wie diese wenigen Stunden . Als Tschun am nächsten Morgen aufgestanden war und herausging , stand die Taitai schon auf den Stufen vor dem Gesandtschaftshaus . Sie trug ein seltsam enges Tuchkleid , hielt eine Peitsche in der Hand und wollte eben ausreiten . Ein Mafu in Reitstiefeln , seidenem Kleid und Sommerhut hielt ihr Pferd . Ein paar Herren waren auch dabei . Der eine konnte Chinesisch und er sagte zu Tschun , die Taitai habe beschlossen , ihn als kleinen Boy ganz zu behalten , er könne gleich dableiben , und der Schneider solle kommen und ihm seidene Kleider machen , wie den anderen Dienern . Tschun fühlte , wie er ganz heiß wurde vor lauter Freude . Aber wie er eben danken wollte , kam Kuang yin hinzu und antwortete dem Herrn , daß Tschuns Mutter krank sei und ihn nur für den einen Abend habe entbehren können . Tschun begriff sofort , daß dies nur die wohlerzogene Form sei , mit der eine der dreitausend Regeln des höflichen Benehmens vorschreibt , jede Ablehnung zu verhüllen . Die Taitai aber nahm es ganz wörtlich , schien sehr gerührt