die Jungfer Kathrein nicht gesehen hätte . Ich wußte nicht , um was es galt , also sagte ich ihm : Nein , und ich kenne niemand dieses Namens . Da trat das rothaarige Mädchen mit meiner Morgensuppe zur Tür herein ; doch kaum sie jenen erblickte , tat sie einen Schrei und lief sogleich wieder hinaus . Der Bursch schaute ihr lachend nach und rief : » Lauf nur , Jungfer , ich erwische dich ja doch noch ! « Dann ging er aus der Kammer , und ich hörte ihn draußen noch rufen und schreien und merkte daraus , daß er die Jungfer hätte haben mögen , daß sie aber nicht willens war , ihm zu eigen zu sein . Da sie nun nach einer geraumen Weile mit roten Augen wieder hereinkam und mir meine Schüssel Milch eingab , begann ich , sie eindringlich zu betrachten . Sie war wohl an die fünfzehn Jahre alt und hoch und schlank gewachsen , hatte ein milchweißes Gesicht und ein Paar feine , rote Lippen . Ihre Augen sahen mich freundlich an ; doch an dem unruhigen Blick des Mädchens erkannte ich , daß sie sich fürchtete und in Sorge war . Also fragte ich sie : » Warum hast d ' denn geweint ? « Sie sagte : » Weil ich ein Unglück hab . « Ich fragte wieder : » Wer ist der Bursch gewesen ? « » Dem reichen Ödhofbauern sein Bub « , erwiderte sie ; » er hätt mich freien mögen . « » Bist du denn die Jungfer Kathrein ? « fragte ich wieder . » Ja « , sagte sie ; » und ich mag ihn nicht , weil er heut die und morgen die hat zum Gespons . « Ich freute mich , daß sie ihn nicht mochte , und sagte : » Du bist brav , weil du bei mir bleibst . Ich mag dich . « Zugleich wollte ich mich aufsetzen und ihr meine Zärtlichkeit bezeigen ; aber ich konnte nicht . Da sagte ich zu ihr : » Heb mich auf , ich möcht dich streicheln ! « Dies gefiel ihr so wohl , daß sie sich über mich neigte und ihr Gesicht auf meine Wange legte , mich einen lieben Dalken hieß und mit ihren feinen Händen über meine Finger strich , daß mir ganz wohl und warm dabei wurde . Ich hielt den Atem an und rührte mich nicht und dachte nichts weiter , als daß es so gut sei . Und da sie gehen wollte , bat ich : » Bleib noch da ! « Aber sie mußte fort , und ich lag wieder allein , bis die Alte im Kirchengewand und Kopftuch in die Kammer trat . » Ei ! « sagte sie zu mir , während sie ihre gute Schürze abband und eine rauhe , alte dafür umtat ; » hat der Bursch schon aufgehört zum Schlafen ! Hast du schon was gegessen ? « » Ja « , sagte ich ; » die Jungfer Kathrein hat mir schon was gegeben . « Da fuhr sie in die Höhe : » Was tausend ! Jungfer Kathrein ! Wer hat dir das geschafft , daß du die Dirn so benamsen sollst ? « » Niemand « , sagte ich ; » aber es ist einer dagewesen , der sie so geheißen hat ; und dann hat er geschrieen und sie hat geweint . « Da lachte sie kichernd und meinte : » Ja , ja ! Sie wär ihm wohl gut genug aufs Stroh ! Aber ... « Das andere murmelte sie in sich hinein und machte dazu ein böses Gesicht , warf die Sachen in der Kammer durcheinander und fuhr mit den Händen herum , daß ich mich vor ihr fürchtete und plötzlich fragte : » Wer seid Ihr ? Bei wem bin ich ? « Da lachte sie wieder , wehrte mir mit beiden Händen kopfschüttelnd ab und lief hinaus . Nun überfiel mich eine große Angst , und ich schrie , so laut ich konnte , nach der Jungfer . Sogleich kam diese herein und fragte nach meinem Begehr . » Ich möcht heim zu meiner Ziehmutter ! « sagte ich ; » ich fürcht mich bei euch . Deine Mutter ist wie eine Hex ... « Das letzte flüsterte ich nur und sah ängstlich nach der Tür , wo die Alte zuvor verschwunden war . Kaum aber waren die Worte meinem Mund entkommen , da schrie das Mädchen laut auf und weinte und klagte : » O Unglück ! O Schand ! « Ein heftiges Mitleid mit der Jammernden erfaßte mich , und ich bat sie , doch aufzuhören mit dem Weinen , und ich hätte ihr nicht weh tun wollen . Aber sie ließ sich nicht mehr trösten und schwur , daß sie dies Haus verlassen werde und fremd wohin gehen . Und dann sagte sie mir , daß sie gar nicht die Tochter der Alten sei , sondern nur ein hergelaufenes Mädchen , das die Pflegemutter wohl einmal irgendwo aufgelesen hätte . Eigentlich sei ja die Ziehmutter das beste Weib unterm Himmel ; die gäb gewißlich ihr Leben für ihr Pflegekind ; aber - sie sei halt doch eine verrufene Waldhex . Ich erschrak bei diesem Namen auf das heftigste , denn ich gedachte meiner Ziehmutter und ihrer Erzählungen von der alten Irscherin , der Waldhex , von der es hieß , daß sie Kindern die Hände abhaue und diese an Räuber und Diebe verkaufe als ein Zaubermittel gegen Verfolger , und daß sie auch sonst viel schändliche Dinge treibe . Stockend fragte ich : » Wie heißt denn deine Ziehmutter ? « » Sie ist die alte Irscherin ! « sagte sie und meinte , da ich erblassend ihren Arm ergriff : » Du brauchst aber keine Furcht vor ihr zu haben ; sie tut niemandem was , am wenigsten dir . Wenn du das gespürt hättest , wie