Begleitdogge , denn man konnte überall und ohne Hemmungsgefühle mit ihr hingehen . Sie war immer vorhanden - immer melancholisch und immer tip top wanderte sie unentwegt mit langen Schritten und müder Haltung neben mir durch Straßen und Restaurants . Gesprochen haben wir - der Jüngling und ich - oft stundenlang kein Wort , oder er schüttete mir sein wundes Herz aus , und ich hörte zu . Er hatte eine larmoyante Stimme und eine larmoyante Seele . Niemals konnte er die Frau finden , die er suchte , und wenn er sie einmal fand , wie zum Beispiel mich , so hatte sie gerade eine seriöse Dauersache mit farbenfrohen Krawatten . Darüber konnte er , wenn wir zusammen waren , endlos fortjammern , immer in derselben Tonlage . Unter anderen Umständen wäre mir das vielleicht schrecklich auf die Nerven gefallen , aber so wie alles lag , erholte ich mich , während er friedlich fortlamentierte , von allen stürmischen Gefühlen und von den Krawattenhalluzinationen , die mich sonst verfolgten . Manchmal mußte ich ihn auch an Lily ausleihen , wenn sie irgendwo besonderen Eindruck machen wollte , wie bei ihren Theateragenten oder beim Schneider . Die arme Lily war damals gerade etwas reduziert und brauchte in jeder Beziehung Kredit . Aber sie mißbrauchte meine Großmut - sie telegraphierte dann auch noch späterhin , ich glaube aus Königsberg oder Stettin : » Schäbige Bande hier - bitte auf eine Woche Begleitdogge schicken . « Das war zuviel , und ich antwortete : » Unmöglich - brauche Dogge selbst . « - Und unsere Freundschaft bekam darüber einen argen Riß . Ich hätte ihr ja gerne den Gefallen getan , aber eine ganze Woche - es war undenkbar , wir waren uns zu unentbehrlich . Er konnte nicht mehr ohne unglückliche Liebe leben . Lily eignete sich nicht dafür , sie hätte ihn vielleicht glücklich gemacht , und meine Neigung zu dem Krawattenmann wäre vorzeitig in Trümmer gegangen , wenn die elegante Begleitdogge nicht mehr an meiner Seite wandelte . Aber über diesen schönen Erinnerungen vergesse ich ganz , worüber ich Sie denn eigentlich aufklären wollte . Ja , richtig , ich wollte Ihnen auseinandersetzen , wie sehr der schlechte Ruf zur Korrektheit verpflichtet . Manchmal stellt er auch in der entgegengesetzten Richtung Anforderungen , die ebenso lästig sind . Man nimmt es uns förmlich übel , wenn wir uns zu ordentlich benehmen , ärgert sich , daß wir so durchaus salonfähig sind und die Hoffnung auf ganz besondere Sensationen nicht erfüllen . - Gehörst du einmal zum Zirkus , so spring durch Reifen und schlage Purzelbäume - ja , aber wir haben manchmal gar keine Lust , wir wollen zur Abwechslung auch einmal Zuschauer sein , in der Loge sitzen und Konversation machen . Hier und da ist es wirklich ein großes Vergnügen , nur langweilig und korrekt zu sein . Darüber ließe sich noch vieles sagen , aber ein andermal ... 7 Ihr Brief - mein lieber Freund , wer wollte noch behaupten , daß wir keine Ideale haben ? Zuviel , immer noch zuviel ! Ihre Beziehung zu Yvonne - Yvonne , die es gar nicht gibt - und vielleicht gibt es sie doch und Sie begegnen ihr eines Tages auf der Treppe . Und der fremde Mann ? - Er hat eine starke Familienähnlichkeit mit Yvonne , aber es geht mir besser als Ihnen - es gibt ihn - und ich bin ihm schon öfters auf der Treppe begegnet . O bitte , kommen Sie mir nicht wieder mit der Frau vom Meer - ich kenne das - sowie man den fremden Mann erwähnt . Aber ich habe keine Sympathie für die Dame , sie hat es wirklich nicht verstanden . Der richtige fremde Mann verträgt kein Pathos - und wie kann man nur mit dem Gedanken umgehen , ihm zu folgen - ihn womöglich gar zu heiraten . Und auf der anderen Seite - ihn ganz laufen zu lassen , um mit einem alten Landarzt glücklich zu werden ? Das ist mindestens ebenso unverzeihlich . Überhaupt - der fremde Mann muß in erster Linie ein Gentleman sein , sehr elegant , sehr comme il faut und mit dem infamen Charme - aber doch um Gottes willen nicht ein Schiffskapitän mit Zuchthaustendenzen . Es wäre deshalb eigentlich richtiger zu sagen : der fremde Herr . Und er darf niemals zur Beziehung werden , muß in der Versenkung verschwinden , ehe das in Betracht kommen könnte . Er tut es auch , sonst ist er eben nicht echt gewesen . Etwas davon liegt wohl im ersten Anfang jedes Minnehandels - es ist ja immer schade , wenn man sich erst kennen- oder gar lieben und schätzen lernt . Aber der ganz große Reiz ist das Erlebnis mit einem Fremden . Ich sitze abends im Lesezimmer eines Hotels . - Er auch , aber an einem anderen Tisch . - Ich schreibe . - Er liest . - Er schaut hier und da herüber - ich auch . - Ich weiß gleich , daß er es ist - er hat den infamen Charme . - Gott sei Dank , er ist echt , denn er spricht mich nicht an . Er weiß auch , daß ich es bin . Eigentlich warte ich auf jemand anders und weiß nicht recht , wie es werden soll . Aber er weiß es ganz genau und liest ruhig weiter . Endlich ruft man mich ans Telefon . Er , der andere , auf den ich warte , kann heute nicht mehr kommen . » Was willst du denn heute abend anfangen ? « - » Oh , ich gehe schlafen . « - » Also dann auf morgen . « - Abläuten ... Der fremde Herr legt seine Zeitung weg , ganz langsam , ganz ruhig . - Ich gehe zum Lift - er auch . Das Hotel ist sehr groß , hat sehr viele Stockwerke , ist sehr überfüllt . - Wir