Verlaufe der Erzählung sehen , daß einige dieser Bilder eine nicht gewöhnliche Wichtigkeit in der Kette der Ereignisse erhielten . Wer mich kennt , der weiß , daß es für mich keinen » Zufall « gibt . Ich führe Alles , was geschieht , auf einen höhlen Willen zurück , mag man diesen Willen als Gott , als Schicksal , als Fügung oder sonst irgendwie bezeichnen . Diese Fügung waltete auch hier , deß bin ich überzeugt . Die Buchhändlerofferten verliefen und zerrannen später zu nichts ; ich fand gar keine Zeit , diese Herren aufzusuchen . Ihr Zweck war nur , den Anstoß zu dem Gedanken zu bilden , die Buchdeckel zu kopieren und diese Abzüge mitzunehmen . Noch klarer und noch deutlicher trat dieser Schicksalszweck bei einer andern Verlagsofferte hervor , die mir aber nicht schriftlich , sondern mündlich gemacht wurde , und zwar auffälligerweise genau zu derselben Zeit und auch von einem Amerikaner . Besonders beachtenswert sind hierbei die Nebenumstände , durch welche der Gedanke , es nur mit einem Zufall zu tun zu haben , vollständig ausgeschlossen wurde . Ich habe hier in Dresden einen Freund , der ein viel in Anspruch genommener Arzt und Psychiater ist . Besonders auf dem letzteren Gebiete hat er ganz bedeutende Erfolge errungen . Er wird da als Autorität bezeichnet und von Fremden nicht weniger als von Einheimischen zu Rate gezogen . Dresden ist bekanntlich eine vielbesuchte Fremdenstadt . Bei einem Besuche , den dieser Freund uns machte , nicht etwa Sonntags , wo er frei war , sondern mitten in der Woche , und zwar abends spät , als zu einer Zeit , in der wir noch niemals von ihm aufgesucht worden waren , kam die Rede auf unsern Entschluß , mit dem Norddeutschen Lloyd nach New York zu fahren . » Etwa um Nuggets zu holen ? « fragte er so schnell , als ob er nur auf diese unsere Mitteilung gewartet hätte . » Wie kommen Sie grad auf Nuggets ? « antwortete ich . » Weil ich heut eines gesehen habe . Es war so groß wie ein Taubenei und wurde , als Berloque gefaßt , an der Uhrkette getragen , « antwortete er . » Von wem ? « » Von einem Amerikaner , der mir übrigens noch viel interessanter war als dieses sein Klümpchen Gold . Er sagte mir , er sei nur für zwei Tage hier , und erbat sich mein Gutachten in einer Angelegenheit , die für jeden Psychologen , also auch für Sie , mein lieber Freund , ein Fall allerersten Ranges ist . « » Wieso ? « » Es handelte sich um den in einer Familie sich vererbenden Zwang zum Selbstmord , einen Zwang , der unbedingt sämtliche Glieder der Familie ergreift , ohne auch nur ein einziges zu verschonen , und bei dem Einzelnen ganz leise , leise beginnt , um nach und nach an Stärke zu wachsen , bis er unwiderstehlich wird . « » Ich hörte schon von solchen Fällen und lernte einen derart Belasteten sogar persönlich kennen . Es war noch dazu ein Schiffsarzt , mit dem ich von Suez nach Ceylon fuhr . Wir verbrachten eine ganze , helldunkle Sternennacht auf dem Oberdeck über psychologische Fragen . Da gewann er Vertrauen zu mir und teilte mir mit , was er sonst Keinem sagte . Ein Bruder und eine Schwester hatten sich bereits das Leben genommen ; der Vater ebenso . Die Mutter war vor Gram und Angst gestorben . Eine zweite Schwester schickte ihm jetzt während seiner Auslandstour Briefe nach , daß sie dem unglückseligen Drange unmöglich länger widerstehen könne , und er selbst war nur deshalb Arzt geworden , um , falls kein Anderer helfen könne , vielleicht selbst den Weg der Rettung zu finden . « » Was ist aus ihm und seiner Schwester geworden ? « » Das weiß ich nicht . Er versprach mir , zu schreiben und mir seine heimatliche Adresse anzugeben , hat dies aber nicht getan . Er war Oesterreicher . Stand es mit diesem Ihrem Amerikaner ebenso traurig ? « » Ob mit ihm selbst , kann ich nicht sagen . Er nannte keine Namen , auch den seinigen nicht , und tat so , als ob er nur von Bekannten spreche , nicht aber von seiner eigenen Familie . Aber der Eindruck , den er auf mich machte , war ein solcher , daß ich ihn für persönlich beteiligt halte . Er hatte so unendlich traurige Augen . Er schien ein guter Mensch zu sein , und es tat mir wirklich aufrichtig leid , ihm keine sichere Hilfe in Aussicht stellen zu können . « » Aber doch wenigstens Trost ? « » Ja , Rat und Trost . Aber denken Sie sich so eine Fülle von Unheil : Die Mutter hatte Gift genommen . Der Vater war spurlos verschwunden . Von fünf Kindern , die lauter Söhne waren , lebten nur noch zwei . Sie alle sind verheiratet gewesen , aber von ihren Frauen verlassen worden , weil bei ihren Kindern der Drang zum Selbstmord schon im Alter von neun oder zehn Jahren eingetreten ist und sich derart schnell entwickelt hat , daß nur ein einziges von ihnen das Alter von sechzehn Jahren erreichte . « » Sie sind also alle tot ? « » Ja , alle . Nur die erwähnten beiden Brüder leben noch . Aber sie kämpfen mit dem Mordzwange Tag und Nacht , und ich glaube nicht , daß einer von ihnen so stark sein wird , diesen Dämon in sich zu besiegen . « » Schrecklich ! « » Ja , schrecklich ! Aber ebenso rätselhaft wie schrecklich ! Dieser unglückselige Drang existiert nämlich nur erst in der zweiten Generation ; vorher war er nicht vorhanden . Leider konnte mir nicht gesagt werden , bei wem er sich zuerst äußerte , ob bei der an Gift gestorbenen Mutter oder bei dem verschollenen Vater . Auch erfuhr ich nicht ,