viertel Ellen hoch bedeckt , also daß man in dem grünen Gewimmel waten gemußt bis an die Knöchel . In ihrer Freßsucht haben sie Gras , Laub und Getreide abgebissen bis auf das letzte Hälmlein und Stümpflein , und ist davon ein Geräusch gewesen , als ob eines Pappelhaines Blätter zittern . Mit Dreschflegeln haben die entsetzten Landleute dreingeschlagen , auch in Karren das Ungeziefer geschaufelt und verbrannt . Haben die Säue und Schafe auf diese seltsamliche Weide getrieben und so die grünen Leiber zerstampfen lassen . Aber die Säue haben so massenhaft vom Geziefer gefressen , daß viele hernach einer Seuche erlegen sind , und der rote Jörge , unser Schinder , genung tote Säue mit seinem blinden Gaule hat hinausführen und beim Gerichte verscharren müssen . Kaum waren die Heuschrecken so ziemlich fort , da ist eine neue Plage und Beunruhigung losgegangen . Zigeuner , wohl an die hundert Häupter , sind gekommen , auch zwanzig Zeltwagen mit kleinen zottigen Pferden . Haben vor dem Schildauertore ein Lager gemacht . Um dieses Volkes wundersame Art und Sitte zu betrachten , ist die Bürgerschaft in Menge hinausgezogen , nicht ohne Waffen . Auch mein Vater ist hingegangen und hat mich mit sich genommen . Da sah ich denn viel braune Gesichter mit blitzenden Augen und Rabenhaar . Kauderwelsch haben sie geschwatzt , auch mit Bettelei die Besucher angeschrien und um Geld aus der Hand geweissagt . Mein Vater hat mancherlei von diesem Volk berichtet : » Rechte Zieh-Gauner sind es , ohne Vaterland , im Umschweifen geboren , allezeit Stehlens und Raubens beflissen . Geben für , ihre Urväter in Kleinägypten seien vom christlichen Glauben abgefallen , und hierauf habe ihnen Gott die Buße auferlegt , daß sie so viele Jahre im Lande umziehen sollten , als sie dem Unglauben gehuldigt . Aber das ist schelmenhafte Heuchelei , zu dem Ende ersonnen , sich bei den Christen lieb Kind zu machen . « Unter solchem Gespräche waren wir an Zigeunerlagers Ende gekommen . Am Feuer saß hier ein altes Weib und kochte Gerste mit gebackenen Pflaumen . Auch war sie damit beschäftigt , die stachlichten Körper etlicher Igel mit Lehm zu umhüllen und solchergestalt in der Glut zu rösten . Derweilen ich ihrem Treiben verwundert zuschaute , sagte mein Vater : » Ei , da ist ja der Tobias ! « Allerdings war mein Oheim in der Nähe ; eifrig redend stund er bei einem Zigeunermanne , dessen gepichter Schnauzbart schwarz und stechend wie sein Auge . Der Vater schien ebenso befremdet , seinen Bruder im Gespräch mit einem Zieh-Gauner anzutreffen , als dieser verlegen war , solchen Umganges überführt worden zu sein . Indessen mein Vater und sein Bruder einander durch Zuwinken grüßten , lief ich erfreut zum Oheim und gab ihm die Hand . » Schucker tschawo , scheen Bub mit Weißhand ! « sprach auf einmal eine helle Stimme , und neben mir stund eine Zigeunerjungfer . Aus dem zartbraunen , von schwarzen Locken umloderten Angesichte blitzten die großen dunkeln Augen in mein Herz hinein , und ihrer geschmeidigen Glieder Form , kaum verhüllt durch ein zerrissen Hemde und ein kurz Röcklein , stiftete in mir eine seltsame Verwirrung an . » Schucker tschawo , mit Güldenhaar - wird sich rot wie Blut - ah bravo ! « lachte die Jungfer , wobei ihre Zähne wie Perlen blitzten . » Gib Hand , Bub ! Turkewawa , wahrsagen will Zigeunermadel . Tsi kosteles - kostet nix ! Turkewawa ohne Geld , wahrsagen ganze wahr ! « Der Zudringlichen ließ ich willig meine Hand , die sie lächelnd streichelte und betrachtete . Aufmerkend war der Oheim herbeigetreten , und die Wahrsagerin sprach : » Oh , oh , schucker tschawo werden wie Keenig Salomo - finden Stein der Weisen - heben Schatz - oh , oh , große Schatz ! « Und die Zigeunerjungfer ließ meine Hand und blickte mich an , als ob sie über mein Glück staune . Der Oheim schien erregt , da er oft hustete und unter den düstern Brauen die Augen rollte . Seine Hand reichte er hin und sagte : » Prophezeie sie auch mir ! « Spöttisch blinzelte ihn die braune Jungfer an : » Will er auch Stein der Weisen ? « Und die Hand betrachtend , schüttelte sie verächtlich den Kopf : » Eh , narbulo ! ist sich nix von Weisheit , nix Salomo ! Ist sich narbulo - hier Linie von narbulo ! Ist sich narrisch - narbulo und wie ewige Jüd - ha , ha , ewige Jüd ! « Höhnisch auflachend sprang die Jungfer fort wie eine wilde Katze . Doch bevor sie hinter den Zelten verschwand , drehte sie sich noch einmal um , tat beide Hände küssend an ihren Mund und streckte sie nach mir aus : » Schucker tschawo - Bub mit güldene Haar - oh , oh , Keenig Salomo ! « » Nun aber komm , Johannes ! « rief mein Vater und fügte für den Oheim hinzu : » Ade , Tobias ! laß dich hernach bei uns sehen . « Wie bestürzt und verwirrt blieb der Oheim stehen , seine Augen suchten bald die entwichene Wahrsagerin , bald die von ihr gedeutete Linie seiner Hand . Da ich ihm Lebewohl sagte , blickte er mich stumm an . Auf dem Heimwege berichtete ich dem Vater , was mir widerfahren . Er aber meinte : » Ei ja doch ! Sei kein Narr ! Willst du etwan betrogen sein , wie das dumme Volk , das blind vor Aberglauben ? Einer zusammengeklaubten Schelmenrotte darf man nicht trauen . Noch ist die Welt nicht witzig - sei du es wenigstens ! « Da die Zigeuner Getreide und Hühner stahlen , so sprachen die Bauern : » Da sehen wir nun , was die vorjährigen Heuschrecken anzukündigen hatten . Ein Fürzeichen waren sie dieser zigeunerischen Landplage , haben anzeigen wollen , daß hinter ihnen menschliche Fresser und Mausköpfe kommen ,